Speyer
Anwohnerin: Lärm von Sparkassen-Baustelle raubt den Schlaf
Die frühere Sparkassen-Hauptstelle am Willy-Brandt-Platz wird seit mehr als einem halben Jahr umgebaut. Nur Teile der Hülle bleiben vom alten Gebäude stehen. 57 Millionen Euro werden laut Kalkulation verbaut sein, wenn im Sommer 2027 die neue Bankfiliale, weitere Gewerbeeinheiten und mehr als 20 Mietwohnungen fertig sind. Es ist ein Großprojekt mit Wohnbebauung auf allen vier Seiten, was seit Jahresbeginn in Zeiten mit besonders vielen Bauarbeitern im Einsatz und schweren Maschinen für Belastungen sorgt. „Über einen sehr langen Zeitraum in der Lebensqualität massiv eingeschränkt“ sieht sich etwa Anwohnerin Gabriele Rudelitz.
Bei Rudelitz hat das Projektmanagement in den vergangenen Monaten für einiges an Kopfschütteln gesorgt. Das habe schon damit begonnen, dass sie wegen ihrer Postadresse Steinmetzergasse keine Anwohner-Informationen erhalten habe, obwohl ihre Wohnung im Eckhaus zur Armbruststraße direkt gegenüber der Baustelle liege und Fenster genau zum Geschehen hin habe. Insofern sei sie auch ahnungslos hinsichtlich der Zusatzbelastungen gewesen, die in den vergangenen Wochen auf sie zugekommen seien.
„Es ist Viertel nach eins“
„Es ist jetzt Viertel nach eins, die Baustelle ist hell erleuchtet, und an erholsamen Schlaf ist nicht zu denken, da in regelmäßigen Abständen ein Betonglätter zum Einsatz kommt“, berichtet Rudelitz aus einer Nacht Ende Januar. Generell gelte: „Im Moment ist die Situation mehr als belastend. Nach wie vor werden stundenlange Abbruchtätigkeiten mit Pressluftgerät durchgeführt, begleitet von entsprechenden Vibrationen und Erschütterungen.“ Als sie bei der Stadt Auskunft über die Baupläne erbeten habe, sei ihr diese nicht gegeben worden, weil sie keine Anwohnerin der Baustelle sei.
Die Sparkasse Vorderpfalz als Bauherrin will ihr Großprojekt von Anfang an als Aufwertung des Quartiers in der Kernstadt Nord verstanden wissen und ist schon deshalb nicht auf Ärger mit den Nachbarn erpicht. Sprecherin Sarah Schönberger stellt auf Anfrage Besserung in Aussicht: „Die großvolumigen Abbrucharbeiten sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden.“ Weitere lärmintensive Arbeiten dieser Art stünden nicht an. Die sonstige Geräuschentwicklung sei für eine Baustelle üblich. Derzeit seien auch keine Sonderschichten geplant.
Ungwöhnliche Zeiten
Vereinzelt könne es zu ungewöhnlichen Zeiten zur Anlieferung und Montage von Großgeräten wie Baggern oder Kränen kommen, erklärt Schönberger. Dabei spielten dann auch betriebsbedingte Abläufe eine Rolle. Mit Auflagen für die Arbeitssicherheit habe zu tun, dass die Baustelle teilweise 24 Stunden beleuchtet sein muss. Eine Ausnahme bleibe die bislang laut Stadt Speyer einzige genehmigte Nachtarbeit: Sie war demnach in der Nacht auf 28. Januar für Betonglättearbeiten an der Decke des Parkhauses erforderlich, die aus statischen Gründen nicht unterbrochen werden durften. Es war genau die Nacht, in der Nachbarin Rudelitz immer wieder aus dem Schlaf gerissen wurde.
Mit dem Speyerer Projekt betraut ist auch die Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, an die sich Rudelitz schon mit Bitte um Information gewandt hatte. SGD-Sprecherin Nora Schweikert berichtet, dass für Gebiete, in denen vorwiegend Wohnungen untergebracht sind, tagsüber 55 Dezibel (A) und nachts 40 Dezibel (A) als Immissionsrichtwert festgesetzt seien. Die Stadt hat nach eigenen Angaben im Dezember eine Bürgerbeschwerde wegen Baulärms an die SGD weitergeleitet.
Schallschutz ist wichtig
Die Stadtverwaltung genehmigt nach eigener Mitteilung Nachtarbeiten nur, wenn sie nachvollziehbar begründet sind. Ihre Pressestelle erklärt: „Es dürfen ausschließlich Maschinen und Geräte eingesetzt werden, die dem aktuellen Stand der Schallschutztechnik entsprechen. Die Betriebszeiten lärmerzeugender Arbeitsgeräte sind auf das notwendige Maß zu beschränken. Zudem sind durch geeignete technische Verfahren sowie organisatorische Maßnahmen die Lärmimmissionen so gering wie möglich zu halten.“
Die Information der Anwohner über wichtige Schritte beim Bauprojekt soll laut Stadt infolge der RHEINPFALZ-Anfrage verändert werden. Bisher sei die ausführende Baufirma gebeten worden, mindestens zwei Tage vor Beginn der jeweiligen Arbeiten Anwohner in der Armbruststraße und Wormser Straße zu infomieren. Für die Zukunft sei vermerkt worden, dass auch Betroffene mit Postadresse Steinmetzergasse einbezogen werden.