Speyer Anschütz hört auf: Sorgen um Arztsitz in Marienstraße

Placeholder-Image

50 Ärzte und Ärztinnen aller Fachrichtungen haben sich in Speyer und Umgebung niedergelassen. Ende Juni 2015 wird es einen weniger geben. Der Allgemeinmediziner Dr. Volker Anschütz schließt seine seit 36 Jahren betriebene Praxis in der Marienstraße 12. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Die Kassenärztliche Vereinigung erwartet in Speyer künftig vermehrte Probleme dieser Art.

Anschütz hört aus Altersgründen auf. „Ich denke, mit 70 kann man das“, sagt er. Er verhehlt dabei nicht, „dass ich mir Gedanken mache um meine 1400 bis 1500 Patienten je Quartal. Denn die meisten meiner Kollegen haben Aufnahmestopp“. Der auch als Mannschaftsarzt des Judo-Sportvereins bekannte Mediziner muss zum genannten Zeitpunkt seine samt Wartezimmer fünf Räume große Praxis schließen. Der Grund: Seine Zulassung läuft Ende Juni aus, er hat sie bereits zurückgegeben. Er tat das in der Hoffnung, dass zu diesem Termin eine junge Ärztin seine Praxis übernehmen würde. Was sie nicht kann: Ihre Zulassung steht aus. Wann sie die Genehmigung erhalten wird, ist offen. Nach Anschütz Kenntnis „wird es das Problem geschlossener Arztpraxen in Speyer über kurz oder lang noch einige Male geben“. Er weiß von zwei, drei Kollegen etwa seines Alters, die ebenfalls ihre Zulassung zurückgeben wollten. Das Problem nicht weitergeführter Praxen ist der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in Mainz längst bekannt. „In den nächsten Jahren wird es deutschlandweit 1400 dieser Fälle geben“, so ihr Sprecher Dr. Rainer Saurwein auf Anfrage. Nicht nur im ländlichen Raum und in strukturschwachen Gebieten, auch in Städten wie Speyer würden sich weniger Mediziner als früher niederlassen. Saurwein: „Die Gründe sind lange Arbeitszeiten und zunehmende Bürokratie“. Ein Hausarzt sei im Schnitt 51 Stunden pro Woche mit Patienten beschäftigt – Hausbesuche inklusive, „Papierarbeit“ nicht eingerechnet. Im Internet wirbt die KV mit dem Hinweis auf Fördergelder, um die Niederlassung vor allem von Hausärzten anzuregen. Je 15.000 Euro gibt es. Um eine Praxis zu modernisieren und mit gerätetechnisch zu bestücken, fallen laut KV rund 92.000 Euro an. (wk)

x