Speyer
Anne Spiegel will lieber etwas bewegen als bekannt sein
Anne Spiegel ist Landesministerin mit derzeit gleich zwei Ressorts. Sie ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl, und sie ist Direktkandidatin im Wahlkreis Speyer. „Das gehört für mich dazu. Es sind meine Heimatstadt und meine Heimatregion, deren Entwicklung mir am Herzen liegen“, sagt sie. Die elf Prozent, die sie 2016 im Wahlkreis holte, seien ausbaufähig. Dennoch stehe sie auch für die Zweitstimmenkampagne der Grünen, mit der diese einen möglichst großen Anteil an Mandaten holen wollen.
40 Jahre alt ist die Integrations- und Umweltministerin am 15. Dezember geworden, am gleichen Tag wie Annalena Baerbock, Vorsitzende der Bundespartei. In allen vier Jahrzehnten, auf die Spiegel zurückblicken kann, hat Politik eine Rolle gespielt: Dass sie schon im Kinderwagen über Anti-AKW-Demos geschoben worden sei, erzählt sie besonders gern. „Das ist das Erste, an das ich mich erinnere.“ Als Gymnasiastin in Ludwigshafen sei sie Schülersprecherin und „irgendwo zwischen aufmüpfig und engagiert“ gewesen. In einem Seminar in der Speyerer Jugendherberge sei sie zur grünen Jugend gestoßen und bald in den Landesvorstand eingezogen. Gut 20 Jahre ist sie in der Partei.
Vom Ehrenamt zum Hauptamt
Mit 30 wurde aus der ehrenamtlichen die hauptamtliche Politikerin. Sie gehörte erstmals dem Landtag an. In ihrer zweiten Legislaturperiode war sie plötzlich der Star ihrer Partei, wurde als Fraktionschefin gehandelt. Stattdessen kam die Berufung zur Ministerin. Ihre Bekanntheit sei seither „exponentiell gestiegen“, so Spiegel. Dass sie immer öfter auf der Straße erkannt werde, gehöre dazu, es sei aber „nicht das, was mir am meisten gefällt in der Politik“. Seit drei Jahren steht sie auch unter Personenschutz, weil Drohungen von rechts zugenommen hätten. „Eine traurige gesellschaftliche Entwicklung“, sagt Spiegel dazu.
Lieber spricht sie über das, was sie antreibt: „Dass ich etwas bewegen kann.“ Einsatz gegen Atomkraft, gegen die Klimakrise, für Gerechtigkeit sei ihr wichtig. Und Kampf gegen Extremismus: „Jetzt erst recht.“ Über die Konkurrenz der neuen Klimaliste bei der Wahl sagt Spiegel: „Wir sind als Grüne selbstbewusst, wir wissen, dass wir die richtigen Themen haben.“ Gute Umfrageergebnisse und Mitgliederzugewinne landauf, landab bestätigten dies. In Speyer etwa habe der Kreisverband, 2019 noch bei 70 Mitgliedern, inzwischen die 90er-Grenze genommen. Schifferstadt und Römerberg hätten grüne Bürgermeister, Speyer eine grüne Beigeordnete, die um mehr Platz für Radler und für Pflanzen in Speyer kämpfe. Der Bedarf sei klar: „Die zunehmende Erhitzung ist hier im Sommer sehr spürbar.“
Ziel: Lebenswerte Welt
Sie wolle, dass ihre Kinder in einer lebenswerten Welt aufwachsen, so Spiegel – da ist sie bei einem weiteren persönlichen Antrieb. Und wenn man ihre Karriere in Jahrzehnte einteilt, dann gehört auch das dazu: In den zehn Jahren als Berufspolitikerin ist sie vier Mal Mutter geworden. Zwei, sechs, sieben und neun Jahre alt sind die lieben Kleinen heute.
Spiegels fünf Ziele
- Konsequente Energiewende mit Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030
- Verkehrswende: kurz getaktete Busse, Mobilitätsstationen, Radschnellwege
- Wirtschaft stärken, ökologisch umbauen
- Sozial gerechte Bildungspolitik
- Umweltschutz, Waldschutz und Artenvielfalt, unter anderem mit mehr Grünflächen, beispielsweise durch die Begrünung der Maximilianstraße
Steckbrief: Anne Spiegel
Alter: 40 Jahre
Wohnort: Speyer
Beruf: Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, zudem seit 1. Januar 2021 auch zuständig für das Umweltministerium
Familienstand: verheiratet, 4 Kinder
Sternzeichen: Schütze
Spitzname: habe ich (noch) keinen
Hobbys: Mit den Kindern wandern oder Fahrrad fahren, mit Freunden gemeinsam kochen
Berufswunsch als Kind: Pinguinforscherin
Vorbild: Jacinda Ardern
Lieblingsessen: Alles, was deftig und vegetarisch ist
Lieblingsgetränk: weiße Traubensaftschorle
Lieblingsbuch: Malwine in der Badewanne
Lieblingsfilm: Kings of Kallstadt
Schönster Urlaubsort: Südfrankreich.