Speyer
Anke Vondung singt im Dom
Anke Vondung gehört heute zu den international gefragten Sängerinnen in ihrem Fach. Immer wieder mal kommt sie auch in ihre pfälzische Heimat, zuletzt war sie im November mit der Staatsphilharmonie und Verdis Requiem in Ludwigshafen, Kaiserslautern und Mainz. In Speyer allerdings war sie kaum zu hören.
Ihr Auftritt am kommenden Samstag um 19.30 Uhr im Dom beim Eröffnungskonzert der Internationalen Musiktage Dom zu Speyer als eine Solistin in Edward Elgars Oratorium „The Light of Life“ ist deshalb eine ganz besondere Sache.
Mit intensivem Klavierunterricht fing alles bei der 1971 in der Domstadt geborenen und in Mutterstadt aufgewachsenen Anke Vondung an, die zunächst eine Banklehre absolvierte. 1988 begann sie Gesangunterricht zu nehmen, seit 1994 bei Rudolf Piernay, dem angesehenen Professor an der Mannheimer Musikhochschule, der den Grundstein für eine beachtenswerte musikalische Entwicklung der Mezzosopranistin legte. Eine Reihe von Wettbewerbserfolgen standen am Beginn ihrer Karriere, unter anderen auch beim renommierten ARD Wettbewerb in München.
In Salzburg und an der Met
Ihre Opernlaufbahn begann sie am Landestheater Innsbruck, von 2003 bis 2006 war sie Ensemblemitglied der Dresdner Semperoper, der sie bis heute als Gast verbunden ist. Die Partien ihres Faches wie Dorabella in Mozarts „Così fan tutte“, Octavian im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss, Händels Giulio Cesare und Sesto, die Titelpartie in Bizets „Carmen“ gehören zu ihrem Repertoire. An der New Yorker Metropolitan Opera gab sie ihr Debüt als Cherubino (Mozarts „Le Nozze di Figaro“), beim englischen Glyndebourne Festival war sie als Dorabella zu erleben – davon existiert auch ein DVD-Mitschnitt. Auch in Salzburg trat sie mehrfach bei den Festspielen auf.
Parallel zu ihrer Opernlaufbahn hat Anke Vondung immer den Konzert- und Liedgesang gepflegt. Mit ihrem dunkel getönten Mezzo, der nicht nur im technischen Sinne beweglich ist, hat sie über die Jahre ein Konzert-und Liedrepertoire von beachtenswerter Weite aufgebaut. Neben dem Kernrepertoire von Bach und Mozart bis Bruckner oder Verdi, das in bedeutenden Einspielungen seit rund 20 Jahren dokumentiert ist, Bachs h-Moll-Messe mit der Gaechinger Cantorey unter Rademann sowie mit diesem eine Reihe von Bachkantaten, Mozarts Requiem mit der Akademie für Alte Musik Berlin, Bruckners f-moll-Messe mit den Bamberger Symphonikern - hat die Sängerin in den vergangenen Jahren einige bemerkenswerte Erweiterungen ihres schon immer gepflegten Liedrepertoire dokumentiert.
Der Farbenreichtum ihrer Stimme
Bei Naxos (8.574119) ist als zehnte Folge der Schumann-Lieder-Edition eine CD mit Romanzen, Balladen und Duetten mit Vondung, der gelegentlich höhengeschärften Sopranistin Caroline Melzer, dem hellen Tenor Simon Bode und dem Pianisten Ulrich Eisenlohr erschienen, die ihre Affinität zu Schumann unterstreicht. Der Farbenreichtum ihrer Stimme, die Ausdrucksvariabilität, die intelligente Textausformung aber auch ihr Nuancenreichtum kommt bei einer sehr empfehlenswerten Einspielung von Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ mit dem prägnant artikulierenden Tenor Werner Güra und dem markant agierenden Pianisten Christoph Berner (Spektral SRL-4-20182) zum Tragen.
Die Sängerin nimmt den interessierten Zuhörer aber auch auf eine spannende Entdeckungsreise in unbekanntere Repertoiregefilde mit. So ist die Einspielung von Orchesterliedern des jüngst wiederentdeckten Spätromantikers Hans Sommer (Pentatone PCT 5187023) mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin für Liedfans nicht nur wegen der exquisiten Gesangskunst des Mezzosoprans zu empfehlen, mit der Sopranistin Mojca Erdmann, dem Tenor Mauro Peters und Benjamin Appl ist die Besetzung zudem hervorragend. Eine Bereicherung.
„Der Spiegel Jesu“
Welche gestalterischen Qualitäten die Mezzosopranistin verfügt, auch welch dramatisch nuancierten Ausdruck sie der Musik verleihen kann, dafür steht ein packender Livemitschnitt von André Caplets „Le Miroir de Jésus“ (BR Classics 900342) mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter Howard Arman. „Der Spiegel Jesu. Mysterien des Rosenkranzes“ entstand 1923 zwei Jahre vor dem Tod des französischen Komponisten. Manches in der Behandlung der Solostimme, von Vondung ungemein farbenreich und ausdrucksintensiv gestaltet, erinnert stilistisch an Debussys „Pelleas et Melisande“, anderseits auch an Schönbergs „Pierrot lunaire“ in den Sprechgesangspassagen. Der Gebrauch von Kirchentonarten, Impressionismus und einen Ausblick auf die Moderne verbindet dieses sehr selten zu hörende Werk. Frisch aus dem CD-Presswerk kommt zudem ein Beitrag zum Reger-Jahr: Unter der Leitung von Christoph Spering gestaltet Anke Vondung Max Regers „Requiem“ sowie „An die Hoffnung“ nach Hölderlin (Capriccio C5512). Ein weiteres Beispiel der Vielseitigkeit und der Ausdruckskraft der Sängerin.