Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Angeklagter soll weitere Frau verletzt haben

Polizei verständigt: Frau hupt in der Tullastraße.
Polizei verständigt: Frau hupt in der Tullastraße.

Die Hauptbelastungszeugin ist zwar weiterhin nicht zu finden. Polizisten haben aber im Körperverletzungsprozess über den angeklagten 27-jährigen Speyerer berichtet.

Seit Juni läuft vor der Großen Strafkammer im Landgericht Frankenthal ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 27-jährigen Speyerer, der angeklagt ist, im vergangenen Jahr über Monate seine damalige Lebensgefährtin körperlich und seelisch misshandelt zu haben. Bereits am zweiten Verhandlungstag in dieser Woche hatte die Polizei ihres Heimatortes in Nordrhein-Westfalen vergeblich versucht, sie in ihrer Wohnung oder der ihrer Eltern morgens zu finden und sie nach Frankenthal zu bringen. Sie war und ist verschwunden. Das Gericht verhängte daher am Ende der Verhandlung eine Ordnungsstrafe von 200 Euro.

Als Zeugen vernommen wurden an diesem Tag drei Speyerer Polizisten, die zwar nichts zum Hauptanklagepunkt sagen konnten, jedoch zu anderen Auftritten des Angeklagten im Vorjahr. Er sei „amtsbekannt“, sagten alle drei unabhängig voneinander.

Zwei Verletzte

Zunächst ging es um ein Ereignis aus dem Frühjahr 2020. Ein Nachbar war bei der Speyerer Polizeiinspektion erschienen und hatte Anzeige erstattet gegen den Angeklagten. An der Bushaltestelle Spaldinger Straße sei der Angeklagte auf ihn zugekommen, habe ihn erst beleidigt und dann geschlagen, mit beiden Händen auf den Kopf. Dann habe er ihn zu Boden gestoßen, auf den Liegenden weiter eingeschlagen, bis ihn seine „Schwester“ weggezogen habe. Die Schwester habe es nicht sein können, meinte der Bezirksbeamte für Speyer-Nord, der die Familie kennt. Es müsse die Freundin gewesen sein. Der Verletzte hatte Kratzer im Gesicht und sagte, auch seine Uhr sei beschädigt worden.

Eine Zeugin war die Polizistin, die nach diesem Vorfall zum Angeklagten nach Hause gefahren war. Sie habe bei ihm deutlichen Alkoholgeruch wahrgenommen, sonst jedoch keine Einschränkungen. Ein Atem-Alkoholtest ergab 1,27 Promille. Auch er hatte Kratzer und eine aufgeplatzte Lippe – was die Aussage des anderen widerlegte, er habe sich nicht gewehrt.

Junge Holländerin hupt

Der zweite Zeuge war der Bezirksbeamte der Polizei. Er habe am Fenster mit der Freundin als Zeugin allein sprechen wollen, dies sei jedoch nicht möglich gewesen, weil der Angeklagte immer in der Nähe gewesen sei. Der Polizist berichtete von einem weiteren Vorfall, bei dem der Angeklagte einen dunkelhäutigen Mann, der ihn wohl auf der Straße nach Drogen gefragt hatte, sehr aggressiv vertrieben habe. Der mutmaßliche Geschädigte sei aber nicht gefunden worden.

Die Verteidiger Ute Mannebach-Junge, Matthias Scheller und Andreas Flory nahmen die Aussagen der Zeugen stundenlang in den Details auseinander. Der dritte Polizist brachte eine bisher nicht erwähnte Geschichte vor: Als er an einem späten Abend im Februar 2020 in der Tullastraße Streife fuhr, habe die Insassin eines Autos am Straßenrand mit der Hupe auf sich aufmerksam gemacht. Es sei eine junge Holländerin gewesen, die erklärt habe, dass sie nach einem Streit mit dem Angeklagten, bei dem er sie mit einer Nagelschere bedroht und eine Zigarette auf ihrer Wange ausgedrückt habe, geflohen sei. Sie sei drei Wochen mit ihm zusammen gewesen, und bis auf diesen Fall sei alles gut gewesen. Sie habe die Polizisten gebeten, sie zu seiner Wohnung zu begleiten, um ihre Sachen abzuholen. Danach wolle sie weg, nach Hause. Die Polizisten hätten sie begleitet, der Mann sei ganz ruhig gewesen und habe die Sachen herausgegeben.

Smartphone sichergestellt

Für Ärger im Gerichtssaal sorgte die Verlobte des Angeklagten. Einer der Wachtmeister bemerkte, dass diese illegal auf ihrem Smartphone sowohl Fotos von der Gerichtsverhandlung als auch Videofilme aufnahm, wie sich herausstellte, als sie das Smartphone sichergestellt hatten. „Ein dicker Hund“, so der Vorsitzende Uwe Gau.

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