Speyer
Ampel-Baustelle: Mit der „Rakete“ durch die Bundesstraße
In dieser Woche war die „Rakete“ da: Mit Hilfe einer Spülbohranlage wurden Leerrohre verlegt. So wurden zunächst die 70 Meter vom Radweg am Speyerer Ortsschild bis zur anderen Seite der Abfahrt auf die B9 in Richtung Ludwigshafen unterquert. Danach ging es ein Stück weiter westlich rund 100 Meter unter der B39 hindurch bis zur Verkehrsinsel an der Abfahrt in Richtung Germersheim. „Sie konnten frei schießen“, sagt Dominik Schardt über die Arbeit des Subunternehmens mit der „Rakete“. Der Fachgruppenleiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) ist zufrieden mit seinem Projekt.
Die provisorischen Ampeln am vielbefahrenen Knoten der beiden Bundesstraßen werden nach sechs Jahren von einer dauerhaften Anlage abgelöst. Sie hätten sich seit 2019 bewährt und erleichterten vor allem in der Hauptverkehrszeit das Linksabbiegen, erklärt Schardt. Dafür muss Strom von der Kreuzung Freiherr-vom-Stein-/Dudenhofer Straße an die Standorte der künftigen Masten gebracht werden. Die neue Ampel soll auch an den städtischen Verkehrsrechner angeschlossen werden.
Zwei Varianten denkbar
Um die Rohre zu verlegen, könnte nun die Straße aufgerissen werden – oder eben die unterirdische Rakete zum Einsatz kommen. Der LBM hat sich für die zweite Variante entschieden, auch wenn dies etwas teurer ist. Zum einen komme man so um weitere Sperrungen in der Bauphase herum, erklärt Schardt. Zum anderen würden auf diese Weise Unebenheiten in der täglich von mehr als 20.000 Fahrzeugen befahrenen Bundesstraße vermieden. „Nach einem Aufbruch ist es schwer, den Boden wieder ganz exakt zu verdichten“, so Schardt.
Nicht nur der Mann vom LBM, auch die ausführenden Baufirmen sind zufrieden. „Der Boden hier ist super“, sagt Josef Theisen, Maschinist des Bohrunternehmens Horbo (Mendig). Die beauftragte Firma Gerst & Juchem (Edenkoben) hat den „Sub“ ins Boot geholt, weil dieser die „Rakete“ hat. Das Gerät mit 16 Tonnen Zugkraft hat an zwei Tagen schneller als erwartet mit dem Bohrkopf den Sand- und Kiesboden durchbohrt. Problematischer wäre es bei felsiger Beschaffenheit geworden. Der so entstandene Tunnel wurde mit einem Ton-Wasser-Gemisch ausgekleidet, Bohrgestände hineingeschoben, wieder herausgezogen und letztlich das 90-Millimeter-Leerrohr verlegt, in das die Stromkabel kommen. Horbo sei eigentlich für viel größere Projekte gerüstet, so Theisen mit Verweis auf Windparks und Landebahnen von Flughäfen.
Ampeln kommen im Juli
„Spätestens Ende Juni ist der Tiefbau abgeschlossen“, sagt Eugen Kaiser. Der Polier verantwortet die Baustelle zusammen mit Bauleiter Peter Hauck vonseiten der Firma Gerst & Juchem. Er hat mit seinen vier Leuten seit Anfang April viel am Radweg entlang der B39 gearbeitet, der erneuert wird. Der erste Bereich am Speyerer Stadtrand ist bereits fertig asphaltiert. Anfang Juli steht der nächste Asphalttermin an, nach dem auch die nordöstliche Verbindung zwischen B39 und B9 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Bis dahin werden unter anderem noch Steine gesetzt, Löcher verfüllt und vor allem die Ampel-Fundamente betoniert.
Mehrere Wochen aushärten kann der Beton dann alleine, bevor Ende Juli die Ampel-Experten der Firma Yunex das Projekt abschließen sollen. Sie stellen Stromkästen, ziehen Kabel und installieren die Ampelmasten, wie Schardt erklärt. Die provisorischen Ampeln am Bundesstraßen-Knoten sind seit Montag abgebaut, sodass es die Linksabbieger nun einige Wochen lang wieder etwas schwerer haben, aber danach sollen die Rot- und Grünlichter leuchten – und knapp 500.000 Euro verbaut sein, wie der LBM-Vertreter vorrechnet.