Speyer
Am Russenweiher sind noch viele Grundstücke leer
Die Bebauung am Russenweiher ist ein Projekt, bei dem immer wieder zeitliche Ziele verfehlt werden. Dass zwischen der Stadt und weiteren Eigentümern von 2013 bis 2021 allein über die Zuschnitte von Grundstücken verhandelt wurde, war schon bezeichnend. Von 2021 bis Ende 2022 lief dann die Erschließung für die neuen Bereiche der Krummäckerstraße sowie Am Russenweiher, seither könnte gebaut werden. Wer von der Zufahrt an der B39-Unterführung her auf Speyers erstes größeres Neubaugebiet seit Jahrzehnten blickt, sieht jedoch noch viele freie Bauplätze.
Die Stadtverwaltung spricht auf Anfrage von einem kontinuierlichen Fortschritt. „Aktuell sind neun Grundstücke bebaut. Für vier weitere liegen Baugenehmigungen vor, für ein weiteres Grundstück wurde ein Bauantrag gestellt. Damit ist rund ein Drittel der Bauplätze bebaut beziehungsweise in der Umsetzung.“ Es ist ein knappes Drittel, denn ursprünglich war von 50 Grundstücken die Rede, auf denen 120 bis 130 Wohneinheiten entstehen könnten. Als der Stadtrat kürzlich die Grundsteuer C für baureife, aber unbebaute Grundstücke beschlossen hat, war ausdrücklich davon die Rede, dass der auf 1000 Punkte erhöhte Satz am Russenweiher zum Tragen kommen könnte.
2026 soll sich etwas tun
Die Stadt selbst kündigte in diesem Zug an, 2026 bei den sieben Grundstücken weiterkommen zu wollen, die ihr selbst gehören. Dass diese nach dem Einheimischen-Modell „Wohnen für Speyerer“ vergeben werden sollen, in dem einheimischen Familien nach bestimmten Kriterien Vorrang eingeräumt wird, ist schon lange angekündigt. Die konkrete Umsetzung sei noch zu klären, so Robin Nolasco, städtischer Fachbereichsleiter für Bauen und Stadtentwicklung. Dem Stadtrat sollten in diesem Jahr alle Modalitäten zur Entscheidung vorgelegt werden.
Der Auftrag des Kommunalparlaments an die Verwaltung, die entsprechenden Kriterien zu erarbeiten, datiert von 2019. „Zielgruppe hierfür sind insbesondere junge Familien mit mehrjähriger Bindung an Speyer“, so die Stadt auf Anfrage. Bisher gebe es „erste Kriterien als Diskussionsgrundlage“. Diese seien jedoch „weiter zu verfeinern, vor allem vor dem Hintergrund, dass eine rechtssichere Ausgestaltung erhöhte Anforderungen an die Vergabe stellt“. Dies sei auch wichtig, weil eine hohe Nachfrage erwartet werde. Die Stadt hofft auf Fördermittel des Landes für diesen Prozess.
Dass man im Rathaus nicht gleich 2019 mit der Kriterienliste begonnen hat, habe auch damit zu tun, dass zunächst die Erschließung des Baugebiets weitestgehend abgeschlossen werden sollte, bevor die städtischen Grundstücke vermarktet werden. Zwischenzeitlich sei außerdem geprüft worden, ob die städtische Wohnbau-Tochter Gewo die Flächen entwickeln könnte. „Diese Option wurde jedoch verworfen.“ Einen konkreten Vergabetermin für die Grundstücke gebe es bisher nicht, so die Stadt. Wenn alle Formalien erledigt seien, sollten die Grundstücke aber „schnellstmöglich“ angeboten werden.
Baugenossen warten ab
Ein Großteil der Flächen am Russenweiher ist jedoch in privater Hand, die unterschiedlich schnell zupackt. Über drei „Baufenster“ verfügt die Speyerer Baugenossenschaft GBS, die angrenzend schon mehrere Mehrfamilienhäuser besitzt. Ihr ursprünglicher Plan, 2024 zu bauen, ist ebenfalls hinfällig. Die Grundidee bleibe jedoch bestehen, betont Geschäftsführer Bernd Reif auf Anfrage: „Wir wollen diese Potenziale auf jeden Fall heben.“ Entstehen könnten zwei Blöcke im neu erschlossenen Bereich und ein weiterer Block beim bisherigen GBS-Bestand, wo Flächen zugekauft worden seien.
Die Pläne sind laut Reif noch nicht weiter konkretisiert. Dass der frühere Zeitplan nicht eingehalten wurde, habe vor allem mit anderen Großprojekten des in Speyer über 1643 Wohneinheiten verfügenden Unternehmens zu tun. Dass es am Rabensteinerweg 49 Wohnungen bauen kann, habe sich erst nach den Russenweiher-Plänen ergeben, sei aber vorher umgesetzt worden. Wenn diese fertig sind, seien Bestandssanierungen und Aufstockungen in der Conrad-Hist-Straße an der Reihe, danach erst das Großprojekt in Speyer-Süd. Reifs aktuelle Schätzung zum Baubeginn: in drei bis fünf Jahren.
Schwache Konjunktur
Mit dem Speyerer Unternehmer Werner Schick nennt einer der Privateigentümer weitere Gründe für die Verzögerungen am Russenweiher: Das Erschließungsende sei in eine Phase gekommen, als das Zinsniveau stieg und die Baukonjunktur wie die Wirtschaft allgemein in eine schwierige Phase steuerten. Er habe für seine drei Grundstücke, auf denen bis zu sechs Häuser möglich seien, mit einer „Riesen-Nachfrage“ schon 2022/23 gerechnet. Es habe durchaus Interessenten gegeben, aber das erwartete Ausmaß sei nicht erreicht worden, so Schick.
Seine aktuelle Planung geht dahin, den Bauträger J + K Immobilien (Oftersheim), der kürzlich ein Büro in Speyer eröffnet hat, mit der Vermarktung der Flächen zu beauftragen. „Vom Gedanken, selbst zu bauen, haben wir uns verabschiedet“, sagt Schick für sich und seine Familie. Er sei zuversichtlich, dass in diesem Jahr Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Gut Ding braucht Weile“, sagt der Unternehmer. Er stehe zeitlich nicht unter Druck, sei aber auch nicht völlig entspannt, was das Baugebiet angeht: Die Verzögerungen haben aus seiner Sicht nämlich auch mit bürokratischen Hürden zu tun, die symptomatisch für Deutschland seien.
