Speyer Alte Bekannte
Was verbindet, was unterscheidet uns: Dieser Frage sind rund 40 junge Katholiken und Muslime am Samstagabend in der Rhein-Pfalz-Halle in Heiligenstein nachgegangen. Die Veranstaltung war der Auftakt zum gemeinsamem Pfarrfest der Gemeinden Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen, Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim.
Es ist heiß am Samstagabend: Für die ersten Kennenlern-Aktionen bevorzugen die Kinder und Jugendlichen zwischen neun Jahren und Mitte 20 deshalb die etwas luftigere Wiese neben der Rhein-Pfalz-Halle. Auch Pfarrer Josef Metzinger spielt mit beim Knoten-Entwirren. Ihm bliebe nicht viel zu tun, sagt er zu der guten Vorbereitung der Gruppe junger Katholiken aus den sechs Pfarrgemeinden. Dabei sind auch die 18-jährigen Zwillingsschwestern Lisa und Lena. „Ich habe eins von zwei Kilogramm Stockbrotteig hergestellt“, sagt Lena. Nach der geplanten Nachtwanderung soll es zum Friedenskreuz der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) gehen. Am Lagerfeuer wollen Katholiken und Muslime einen Mitternachtsimpuls auf Grundlage der zehn Gebote der Christen und entsprechenden Regeln des Koran geben. „Danach geht es für die meisten zurück in die Rhein-Pfalz-Halle“, sagt Lisa. „Wir übernachten da.“ Am nächsten Morgen ist ein gemeinsames Frühstück vorgesehen. „Dann ist Gottesdienst für alle.“ „Hoffentlich kommen die von der Speyerer Moschee“, sagt Team-Kollege Timo mit Blick auf die Uhr. Wenige Minuten später rennen die Christen sieben jugendlichen Muslimen entgegen. „Der Bus hatte Verspätung“, entschuldigt Faruk die Gruppe de türkisch-islamischen Gemeinde. Die meisten kennen sich bereits vom Fastenbrechen im Ramadan. Lisa erzählt von der Einladung in die Moschee im Juni. „Aus dem Besuch sind Freundschaften entstanden“, sagt sie und erklärt somit die Gegeneinladung zum interreligiösen Pfarrfest nach dem Vorbild der Premiere vor drei Jahren in Harthausen. Neben der Bühne in der Halle steht eine Dattelpalme. „Wir werden sie morgen der türkisch-islamischen Gemeinde schenken“, kündigt Metzinger an. Er und Diakon Markus Fleischer sind als einzige Erwachsene zum Jugend-Pfarrfest zugelassen. Gemeinsames Abendessen mit Berücksichtigung islamischer Speise-Vorschriften ist der erste Programmpunkt des Abends. „Alles halal“, betont Metzinger. „Alles erlaubt.“ Nach einem lustigen englischen Tischlied und kurzem Gebet verteilt Julian Rindswürstchen, als habe er nie etwas anderes getan. Alle greifen zu Brötchen und Käse und nehmen sich ein Getränk. „Wir essen draußen“, sagt Timo. „Die Halle ist zu heiß.“ Sarah (19) aus Hanhofen hat sich zu Dudenhofener Katholiken gesetzt. Mazen, vor vier Jahren aus Syrien geflüchtet, begrüßt sie freudig. „Wir kennen uns aus der AfA“, sagt Sarah, die sich ehrenamtlich in der Speyerer Landesaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende engagiert. Mittlerweile wohnt und arbeitet Mazen in Speyer. „Wir kennen uns auch nicht alle“, klärt die Katholikin Amelie (21) die Muslima Sevcan (21) über die Pfarrgemeinschaft auf. Eigentlich steht jetzt der französische Film „Monsieur Claude und seine Töchter“ auf dem Programm. „Wir ziehen den Impuls vor“, berichtet Lisa von der einstimmigen Entscheidung des Planungsteams. Metzinger unterbricht die Vorbereitungen für sein Nachtlager in der Halle. „Hier ist Zeit für private Gespräche“, sagt er. Diakon Fleischer wird nach dem Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ am Lagerfeuer zur Familie nach Hause fahren. „Zum Gottesdienst bin ich wieder da“, versichert er.