Speyer Alles, was das Herz begehrt

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Dudenhofen hatte mal wieder den Blues. Allerdings gab es keinen Grund zur Klage, denn das Bürgerhaus war beim Gastspiel des Gitarristen Timo Gross am Donnerstagabend sehr gut gefüllt, und sein Trio ließ niemanden enttäuscht zurück.

Mit Bassist Alexander Broschek und Schlagzeuger Christoph Schnell hatte er zwei Mitstreiter dabei, die seinen Blueslicks ein solides rhythmische Grundgerüst verliehen. Zwischen staubig und nass, zwischen derbem Bluesrock und feinsinnigem Americana war alles dabei, was das Herz begehrte. Immer wieder aufgelockert durch kleine Anekdoten – zum Beispiel wie es ein rostiger Nagel aus dem Kopf in ein Lied geschafft hat – arbeitete sich die Band durch eine Songauswahl von mittlerweile neun Studioalben, die Timo Gross in den vergangenen zehn Jahren aufgenommen hat. Zuvor war er überwiegend im Hintergrund tätig – als Studiomusiker und musikalischer Leiter für Leute wie Chris Norman und Andre Stade. Nach vielen Engagements in Profibands im Blues- und Countrybereich machte er sich 2005 musikalisch selbstständig und tourt seither mit seiner Band durch das Bundesgebiet. Längst hat sich der Gitarrist und Sänger den Ruf erspielt, mit den internationalen Bluesgrößen ohne Weiteres mithalten zu können; nicht umsonst waren bereits drei seiner Alben für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert, bis er ihn 2012 für „Fallen From Grace“ erhielt. Verwurzelt im Blues und doch hoch modern, bewies Gross im Bürgerhaus, dass er ein extrem zeitgemäßer und vielseitiger Gitarrist mit eigenem Sound ist. Alle Songs und Produktionen tragen seine Handschrift. Egal, ob er eine Strat, eine Les Paul oder eine Firebird spielt – sein Ton dringt immer durch, ist immer individuell. Schnell gab das Publikum seine Reserviertheit auf und klatschte begeistert mit. Dabei fiel einigen immer wieder die eine oder andere bekannte Melodie in den Eigenkompositionen auf, die man nicht sofort zuordnen konnte, die aber noch aus Gross’ Zeit als Komponist von Werbesongs stammen könnte. Man konnte auch einige interessante, halb geflüsterte Gespräche überhören, wenn die Band plötzlich mehrere Gänge herunter schaltete und ganz zart und unverstärkt in gefühlvolle Passagen überging. „Der hat ’nen tollen, kernigen Gitarresound“ und „Des kenn’ isch doch irgendwu her“ waren nur einige der Aussagen, die plötzlich deutlich lauter als eine fallende Stecknadel im Raum standen. Weil in der Vergangenheit öfter Beschwerden bezüglich der Lautstärke geäußert worden waren, hatte der Kulturverein mittlerweile ein Messgerät angeschafft, das beweisen konnte, dass selbst bei der vollen Stromgitarrenattacke die 95 Dezibel nicht überschritten wurden, die für ein Rockkonzert eher die untere Schalldruckgrenze darstellen.

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