Speyer „Alles so angepasst“

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Rocksänger Marius Müller-Westernhagen macht auf seiner aktuellen Tournee heute, 20 Uhr, Station in der Mannheimer SAP-Arena. Unser Mitarbeiter Olaf Neumann hat vorab mit dem 66-Jährigen gesprochen.

Was ist Ihnen persönlich wichtig in Ihrem Metier?

Ich habe alles erreicht, was ich mir als junger Mensch gewünscht habe. Aber im Endeffekt war ich immer nur glücklich, wenn ich mich in meiner Arbeit wiedererkannte. Das ist nach wie vor meine Triebfeder. Könnte ich mich nicht mehr verbessern, würde ich diesen Job wahrscheinlich nicht mehr machen. Haben Sie sich die Entwicklung der Rockmusik früher so vorgestellt? Als ich aufwuchs, waren Bob Dylan, Jimi Hendrix und Led Zeppelin populär. Alles Leute, die künstlerisch bestehen können. Popmusik stand an der Schwelle, eine Kunstform zu werden wie Jazz. Sie war für ein wesentlich intelligenteres Publikum gemacht, als es heute der Fall ist. Denn es hat sich fordern und überraschen lassen. Popmusik war damals keine reine Unterhaltung, sondern auch ein politisches Statement. Die Musiker standen für eine Idee, eine Haltung. Diese Haltung ist verloren gegangen, als die Musikindustrie begriff, wie sie das Ganze kontrollieren kann. Meine Generation konnte man nicht kontrollieren, weil es uns nicht ums Geld ging. Geht es heute nur noch ums Geld? Das soll kein Vorwurf sein, denn sie sind so erzogen worden. Die meisten Musiker heute wollen auf Platz eins der Charts stehen, viele Platten verkaufen und viel im Fernsehen sein. In meiner Generation war das Gegenteil der Fall. Das hatte zu tun mit Anti-Establishment, während heute jeder Establishment sein will. Wir leben heute in einer hedonistischen Zeit, in der sich alles dem Erfolg und dem Profit unterordnet. Unsere Gesellschaft wird aufgeteilt in Winner und Loser. Beim Zustandekommen des Gewinnens sind die moralischen und ethischen Grenzen weit nach unten gegangen. Was macht einen wahrhaftigen Künstler aus? Einen Künstler macht aus, dass alles, was er tut, ausschließlich aus ihm selbst kommt. Seine Meinung setzt sich nicht aus der Meinung von vielen Leuten zusammen. Er hat keine Angst, diese kundzutun. Er ist bereit, Risiken einzugehen. Er muss damit leben können, dass Leute seine Kunst manchmal gut finden und manchmal schlecht. Er braucht eine Haltung, Rückgrat und die Bereitschaft, politisch ehrlich zu sein. Wir sterben heute in Langeweile, weil alles so fürchterlich angepasst und politisch korrekt ist. (ofn/Foto: dpa)

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