TANZEN
Alle Wege führen aufs Parkett
Im Sauseschritt aufs Treppchen – das Paar Stefanie Wesch (36) und Patrick Hoffmann (29) vom TSC Grün-Gold Speyer hat sich innerhalb eines Jahres zu Pokalen und Medaillen hochgetanzt. „Ich bin manchmal schon etwas faul“, gibt Patrick Hoffmann nach seiner Motivation befragt zu. Und das Tanzen war lange nicht seine Baustelle.
„Meine Eltern sind nicht so tanzbegeistert“, erzählt er. Und er hat, für Jungs typisch, seine sportliche Karriere erst einmal mit Fußball begonnen. Weil aber im Laufe der Zeit viele seiner Freunde aufhörten oder wegzogen, hörte er mit Kicken auf und wechselte zum Tennis. Denn die Großeltern schwangen das Rackett.
Viel ausprobiert
Aber auch da gingen die Freunde weg oder hörten auf. Am Tag des Sports entdeckte Hoffmann Tischtennis für sich und durch den Tanzkurs schließlich den Spaß am neuen Hobby. Auch Wesch kam erst über Umwege dazu: „Ich habe jahrelang Karate gemacht.“
Das sei aber für das Tanzen gut gewesen. Beides verlange Körperbeherrschung und das Verstehen des eigenen Körpers. Zwischenzeitlich „war ich nicht mehr so sportbegeistert. Mir hat dann auch nichts gefehlt“ – bis sie ebenfalls einen Tanzkurs machte und einem Abschlussball zuschaute.
So schön
„Da dachte ich, ach, wäre das schön, wenn ich das auch könnte. Aber das kann ich sowieso nicht“, sagt Wesch. Und obwohl sie sich höhere Ziele beim Tanzen nicht zutraute, verlor sie nie den Spaß daran. Denn Partys von Tanzschulen besuchte sie gern.
Über die Vermittlung eines Freundes lernte sie vor einem Jahr Patrick kennen. Der suchte damals nach einer Tanzpartnerin. Beide geben zu, dass Tanzen auch mal nicht Spaß machen kann. Das sei wie in jeder anderen Sportart auch. „Es gibt Momente, in denen nichts funktioniert“, meint Wesch .
Üben, üben
Hoffmann ergänzt: „Man muss manche Sachen 100 bis 1000-mal wiederholen, bis der Körper die Bewegungsabläufe kennt und macht, was er soll.“ Diese Momente laufen manchmal ab wie bei einem Ehepaar: Man gibt dem anderen die Schuld ,oder man versteht den Trainer unterschiedlich.
Aber: Jeder kennt schließlich die Stimmungen des anderen und reagiert entsprechend, wenn sie oder er einen schlechten Tag hat. Natürlich hat die Zweisamkeit auch Vorteile: „Man kann sich gegenseitig motivieren und trainiert auch, wenn man eigentlich auf die Couch wollte“, sagt Hoffmann. „Beruhigen, bestätigen, anfeuern hilft ungemein“, meint Wesch.
Freudentränen fließen
Denn Training bedeutet bis zu fünfmal die Woche, allein oder zu zweit. Disziplin ist also wichtig. Aber vor allem soll Tanzen Spaß machen, betonen beide. „Es gibt nichts Schöneres, als Freude zu teilen“, teilt Wesch mit. Hoffmann: „Da fließen auch mal Freudentränen“ – kein Wunder, geht doch die Karriere steil bergauf.
Januar 2022 absolvierte Wesch ihr erstes Turniertraining, Juni 2022 „haben wir unser erstes Turnier gewagt“. Der erste Erfolg stellte sich Juli 2022 ein: In Wuppertal beim großen internationalen Wettbewerb staubten sie gleich Bronze ab. Erstes Highlight bedeutete die Landesmeisterschaft in der Anfängerklasse, die sie gewannen.
Damit stiegen sie für sie überraschend in die C-Klasse auf. „Wir wären nicht so entspannt gewesen, hätten wir das gewusst“, meint Wesch. Das erste Turnier in der neuen Klasse fiel „ernüchternd“ aus. Aber auch „erdend“, denn es zeigte, woran sie noch arbeiten mussten.
Dann folgte ein weiterer Höhepunkt, nämlich „Hessen tanzt“ im Mai, „das größte Simultanturnier der Welt. Das war etwas ganz anderes als die Turnhalle im Dorf.“ Dort schafften sie es auf den dritten Platz und ergatterten somit eines der begehrten Fähnchen. „Das macht ein bisschen stolz“, bilanziert Wesch.
Große Ziele
Es folgten viele Siege. Zum Beispiel holten sie in Darmstadt ihren ersten Pokal. Auch in Weinheim gewann das Duo alle vier Tänze, kletterte in die B-Klasse. „Das war unerwartet früh.“ Aufstiege motivierten, sagt Hoffmann, auch für weitere Ziele. Internationale Turniere stehen bei den beiden auf der Wunschliste, deutsche und eventuell die Weltmeisterschaft.
Sie streben die Kategorien A und S an. Anstachelnd sei aber auch die Gemeinschaft beim Tanzen: das Gefühl, angefeuert zu werden, Kenntnisse weitergeben und mehr Wissen von Erfahreneren erhalten, Leute kennen lernen: „Tanzen sollte man einfach mal versuchen und machen“, so Hoffmann.
Es gebe viele Möglichkeiten beim Sport, auszuprobieren, was zu einem passt, wie Single-Tanzkurse, Standardtanz, lateinamerikanische Tänze, Hiphop, Breiten- oder eben auch der Leistungssport. „Tanzen kann man bis ins hohe Alter“, ergänzt Wesch. Weiterer Pluspunkt: Es fördert die Beweglichkeit und Ausdauer.