Speyer Alle hören auf Sotnikovs Kommando
«SPEYER.» Lieber mal die Tür zumachen. Der Gedanke von Gregory Slowak ist begründet. Im Blickfeld des Abteilungsleiter-Vize Boxen geht es hoch her. Rund 20 junge Damen sind mit Sparring-Kämpfen beschäftigt. Aus ganz Deutschland sind sie angereist, um einige Stunden technisch und taktisch aufzurüsten mit gleichwertigen Gegnerinnen. Zum wiederholten Mal bietet der AV 03 Speyer diese Trainingseinheit an, bei der die Deutsche Meisterin Noemi Lo-Curto nicht fehlt.
„Seid ihr bereit?“ Lo-Curtos Erfolgstrainer Robert Sotnikov hat nicht nur die Zügel, sondern auch die Stoppuhr in der Hand. Aufgewärmt haben sich die Mädels zuvor selbstständig. Eine Viertelstunde lang sind sie locker gelaufen und stramm gesprungen. Jetzt sind lange Haare unter stracker Bademütze und Kopfschutz verborgen, lackierte und glitzernde Fingernägel sind unter dicken Handschuhen versteckt. Vorbei mit der Weiblichkeit. Zimperlich sind die Damen sowieso nicht. „Wir sind viel ehrgeiziger“, gibt Fliegengewicht Lo-Curto zu. Stimmt. Ob Testtraining oder nicht: Nicht nur die Wirkung, sondern auch das Ergebnis zählt. Basak Baskaya aus Köln ist der beste Beweis dafür. Die Lady in Black geht nicht nur optisch als schwarzer Panther durch. Sie fixiert ihre Gegnerinnen, windet sich unter deren Angriffen und schlägt im passenden Moment zu – ein Wildfang. Wie Cilina Heilig, die mit ihren gerade mal 50 Kilo Gewichtiges aus sich raus holt. „Cilina ist wild“, sagt Slowak. „Zu wild“, kommentiert Diehl, der Hauptabteilungsleiter. Er hält die Szenen mit dem Smartphone fest. Die nun geschlossene Hallentür macht wirklich Sinn. Sotnikov hat die Mädchen im Griff. Alle hören auf sein Kommando. Und auf die ihrer Trainer, die sich im Raum an exponierten Stellen verteilt haben. Frank Nierhaus ist mit zwei Kämpferinnen des BC Mülheim-Dümpten gekommen. „Das Problem ist: Wir bekommen sie nicht jedes Mal in den Wettkampf“, merkt er an. Das gilt für alle Vereine: Zu wenige Frauen in der Sportart machen große Vorbereitungsprobleme. Oft muss mit Jungs trainiert werden. „Die achten eher darauf, dass sie nicht so fest schlagen“, nennt Lo-Curto ein Problem, das es bei Frauen so definitiv nicht gibt. „Wir sind viel härter“, gibt sie zu und grinst. Recht hat sie. Kühl und konzentriert gehen die Boxerinnen im Sparring miteinander ins Gericht. Falsche Rücksichtnahme ist fehl am Platz. Lo-Curto ist gerade mit Michelle Hatari aus Mülheim zugange – der deutschen Vizemeisterin 2016. Die beiden kommen klar. Hatari freut sich über das Training: „Hier treffe ich auf andere Frauen meiner Leistungsklasse. Das hilft, mich besser einzustellen.“ Nierhaus lässt sie walten. Er haftet mit dem Blick an Verena Teschke. Sie ist bisher kampflos, möchte aber in diesem Jahr noch einsteigen. „Das Sparring ist total schwer für mich, weil ich noch Überwindung brauche“, verrät sie der RHEINPFALZ am Rande. Sie macht die Sache gut. Einige Stunden sind die Boxerinnen beim AV 03 zusammen. Alle drei Minuten werden die Partnerinnen in den einzelnen Gewichtsklassen gewechselt – eine schweißtreibende Angelegenheit und kräftezehrend dazu. Aber die Frauen haben Biss. Und dank der Sondereinheit sind sie bestes vorbereitet auf das internationale Frauenturnier in Bensheim Ende Juni.