Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Alarm aus dem Rathaus: Mehr Geld für Straßen und Brücken nötig

Leitungsbau in der Schwerdstraße Ende 2024: Mit solchen Projekten ist nicht immer eine Erneuerung der kompletten Straße verbunde
Leitungsbau in der Schwerdstraße Ende 2024: Mit solchen Projekten ist nicht immer eine Erneuerung der kompletten Straße verbunden.

Der Zustand vieler Straßen und Brücken in Speyer ist alarmierend. Bei den Brücken stehen teure Entscheidungen an, auf den Straßen mehr Baustellen. Ein Blick auf fünf Probleme.

1. Straßen in schlechtem Zustand: Eine Erhebung aus dem Jahr 2024 mit Videobefahrungen und Auswertung über Künstliche Intelligenz zeigt laut Stadtverwaltung: Mindestens 25 Prozent der Fahrbahnflächen sind in einem kritischen Zustand. Das entspreche circa 132 Verkehrswegen und 55 Kilometer Strecke, erläuterte Darleen Stenger, Sachgebietsleiterin im Rathaus, politischen Vertretern. „Es müsste also für jede vierte Straße in Speyer eine Erhaltungs- beziehungsweise Ausbauplanung erstellt werden.“ Seit der Erhebung im Vorjahr seien 1546 Schäden im Stadtgebiet dokumentiert worden. Zehn Prozent davon seien als Unfallgefahr eingestuft worden, weitere 35 Prozent als akute Schäden, die zeitnah behoben werden müssten. Zwischenbilanz: „Es wurden bisher 22 Prozent aller erfassten Schäden behoben, knapp 10 Prozent sind in Bearbeitung, die restlichen über 1050 Schäden können aus finanziellen und personellen Gründen nicht zeitnah behoben werden.“ Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) sprach von einem „Investitionsstau von 30 bis 40 Jahren“.

2. Nicht alles kann repariert werden: Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, den die Stadt nach eigener Einschätzung derzeit nicht gewinnen kann. Allein für die laufende Unterhaltung der insgesamt 209 Straßenkilometer müsste sie nach eigener Einschätzung 3,3 Millionen Euro im Jahr investieren. Im Mittel der Jahre 2020 bis 2024 seien jedoch nur 1,2 Millionen Euro aufgewendet worden. „Wenn wir weiterhin nur ein Drittel des Nötigen schaffen, wird sich der Zustand der Straßen weiter verschlechtern“, so Florian Benner, Leiter der Tiefbauabteilung. In der Zustandsbewertung sei die Durchschnittsnote von 2,6 im Jahr 2013 auf 2,8 gesunken – bei einer nur bis 4 reichenden Notenskala. Auf vielen Gehwegen sehe es nicht besser aus. Um alle Straßen in Top-Zustand zu versetzen, fielen rund 120 Millionen Euro an. Das Hauptaugenmerk in den kommenden Jahren müsse auf Erneuerung und Instandsetzung liegen, so Benner. Dafür würden erstmals auch Wiederkehrende Ausbaubeiträge anfallen. Der Umbau von Straßen, etwa für mehr Radwege oder mehr Bäume, könne erst an zweiter Stelle stehen.

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3. Der Teufel liegt im Detail: Die regelmäßige Erneuerung der Verschleißschichten – die oberen vier Zentimeter eines Fahrbahnbelags – sei mit überschaubaren Bauzeiten und Kosten verbunden, aber nur eingeschränkt umsetzbar, so Benner. Eine solche Maßnahme wäre alle zehn bis 15 Jahre wünschenswert, um größere Schäden zu vermeiden. Auf vielen wichtigen Strecken reiche das aber nicht aus. Als Beispiel wurde die Landauer Straße genannt, die „eigentlich ein Totalschaden“ sei, aber nicht saniert werden könne, weil unter dem dünnen Überbau gleich Schotter und Steine kämen, die nicht zu erhalten seien. Folge: Der wichtige Verkehrsweg müsse irgendwann „komplett neugemacht werden“ – und das werde kosten und dauern. Bis dahin könne nur geflickt werden. In Ludwig-, Hirsch- oder Schwerdstraße sei der Unterbau teilweise ähnlich schlecht. Die Anzahl und Frequenz der Bauarbeiten müsse zunehmen, sagte OB Seiler. Derzeit sehe man allenfalls die „Spitze des Eisbergs“. Auf die Kosten und auch die damit verbundenen Umleitungen werde man sich „gesellschaftlich einstellen müssen“.

4. Die Brücken bereiten Sorgen: Brücken stellen besondere Anforderungen an die Tiefbau-Planer im Rathaus. Allein 115 gibt es im Stadtgebiet, davon 52 im Besitz der Stadt. Die restlichen gehören dem Bund (54), dem Land (3) und der Bahn (6). Abteilungsleiter Benner berichtete von zahlreichen Sanierungen in seiner Verantwortung seit 2004, sodass sich der Zustand insgesamt verbessert habe. Es gebe jedoch immer noch viele Übergänge mit den beiden schlechtesten Noten 3 und 4. Allein um diese instandzusetzen, müsse mit Kosten von 6,7 Millionen Euro gerechnet werden. Das Viadukt am Bahnhof, das derzeit erneuert wird, sei dabei nicht berücksichtigt. Es verschlingt nochmals einen Betrag in ähnlicher Höhe. Als Beispiele für Bauwerke, die mittelfristig an die Reihe kommen müssten, nannte Benner den Mittelsteg in der Altstadt, die Brücke in der Bahnhofstraße bei der Tankstelle sowie – aus einer anderen Kategorie – die Stützwand zwischen Schützenstraße und Stadthalle.

5. Teure Entscheidungen stehen an: Es gibt wichtige Brücken in Speyer, bei denen Grundsätzliches zu entscheiden ist: nochmals instandsetzen oder gleich neubauen? Genannt wurde an erster Stelle die Theodor-Heuss-Brücke über das Woogbachtal – ein „Großprojekt“, so Abteilungsleiter Benner. Ähnliches gelte für die Mörschgassenbrücke, die im jetzigen Zustand für schwere Lkw nicht nutzbar sei. Bei der Vincentiusbrücke zwischen der Hans-Purrmann-Allee und der Holzstraße stelle sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Politik müsse entscheiden: „Zahlen wir den Neubau oder machen wir sie wegen der Gießhübelbrücke nebenan ganz weg?“ Bei einer Brücke am Ölhafen müsse mit der anliegenden Firma beraten werden, die einzige Nutzerin sei. Mit 4,0 am schlechtesten benotet sind die Sonnenbrücke – bei der es darum geht, wann die längst angekündigte Instandsetzung samt Brüstungserhöhung angepackt wird – und die Brücke über die Bahnlinie in der Oberen Langgasse. Letztgenannte soll neugebaut werden. Mit der für 45 Prozent der Kosten verantwortlichen Bahn sei sich die Stadt 2019 schon weitgehend einig gewesen. Dann sei eine Pause eingekehrt, und Zuständigkeiten hätten sich verändert. Es müsse neu verhandelt werden, voraussichtlich ab 2026. Keine der genannten Brücken sei so gefährdet, dass sie in den nächsten fünf Jahren gesperrt werden müsse, betonte Benner.

Nikolausbrücke: Sanierungsbedarf schon lange bekannt.
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