Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Aktuelle Situation der Bibliotheken

Die Villa Ecarius, der Sitz der Speyerer Stadtbibliothek.
Die Villa Ecarius, der Sitz der Speyerer Stadtbibliothek.

Die Speyerer Stadtbibliothek und auch die Bibliotheks- und Medienzentrale der Evangelischen Landeskirche haben wieder geöffnet. Die Bedingungen sind so außergewöhnlich wie die Zeit. Beide Institutionen sind seit Pandemie-Ausbruch beliebter denn je.

„Wer einen Mund-Nasenschutz trägt, kann zu uns hereinkommen.“ Kerstin Bürger, bei der Stadtbücherei auch zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, und Traudel Himmighöfer, Leiterin der Landeskirchen-Bibliotheks- und Medienzentrale (BMZ), sind erleichtert. „Die Wiedereröffnung ist der erste Schritt hin zur Normalität“, betont Himmighöfer. Allerdings sei der Aufenthalt zum Lernen und Arbeiten im Lesesaal noch nicht möglich.

Auch die Stadtbibliothek bietet ihre Dienstleistungen derzeit reduziert an. Möglich sind derzeit demnach Rückgabe und Ausleihe, Verlängerung abgelaufener Benutzerausweise, Neuanmeldungen. Zeitungen, PC-Arbeitsplätze und Sitzgelegenheiten gebe es in der Bücherei derzeit nicht, sagt Bürger.

Als Musterbücherei eingerichtet

Solche oder ähnliche Einschränkungen waren in der 1921 als „Volksbücherei Speyer“ gegründeten Stadtbibliothek bisher nicht nötig. Die ersten Bücher stammten demnach aus Beständen der Speyerer Lazarette des Ersten Weltkrieges. Mit „bayrisch-staatlicher“ Unterstützung konnte diese Büchersammlung zu einer „Musterbücherei“ eingerichtet werden. Im gleichen Jahr entstand auch der „Pfälzische Volksbildungsverband“, der sich der Sammlung annahm. Zu dieser Zeit gab es finanziell keine städtische Unterstützung der Stadtverwaltung. Die Bücherei wurde bis 1936 ehrenamtlich von Lehrern geleitet.

Ab 1949 führte eine bibliothekarische Fachkraft die Bibliothek, die bis 1980 wechselhafte Umzugsgeschichten schrieb. Heimat hat die Stadtbücherei in der „Villa Ecarius“ in der Bahnhofstraße 54 gefunden. Der Bestand umfasst nach Angaben von Bürgermeisterin Monika Kabs mittlerweile mehr als 70.000 Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Hörbücher, Musik-CDs, DVDs, Spiele und CD-ROMs.

Die Onleihe

Die Geschichte der BMZ beginnt 1818, als sich Reformierte und Lutheraner in einer Kirchenunion zur Evangelischen Kirche der Pfalz vereint haben. Aus der zunächst kleinen Dienstbücherei entstand eine Ausleih-Bibliothek. Spenden und Nachlässe einzelner Pfälzer Pfarrer vergrößerten den Bestand um 1880 auf rund 2500 Bände. 1925 gründete sich der „Protestantische Büchereiverband für die Pfalz“, 2005 wurde er aufgelöst. Seit 1998 wohnt die BMZ in der Roßmarktstraße 4. 2006 übernimmt sie die „Notenbibliothek“ des Amts für Kirchenmusik. Die Sammlung vorwiegend geistlicher Musik umfasst rund 1000 Werke mit 100.000 Notenblättern.

„Onleihe“ erfreut sich bereits seit Jahren in beiden Bibliotheken großer Beliebtheit. „Im Bereich digitaler Ausleihe hat es Speyer 2019 unter die ersten fünf von 35 Bibliotheken geschafft, die sich im „Metropol-Card-Bibliotheken Rhein-Neckar e.V. zusammengeschlossen haben“, berichtet Kabs, selbst stellvertretende Vorsitzende des Vereins, in dem Bibliotheken aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen vertreten sind. Die „Metropol-Card“ gibt es für jährlich 24 Euro. Sie kombiniert Bibliotheksausweis, Onleihe-Verbund und Angebote wie PressReader, Munzinger-Datenbanken der „Länder“ und „Personen“ sowie Brockhaus-Enzyklopädie.

Kontinuierliche Fortbildung

Corona hat die Stadtbibliothek auf neue Pfade geführt. So war die Teilnahme am traditionellen Lesesommer nur online möglich. Es wurden demnach Bewertungskarten, Buchchecks oder -tipps für E-Books per E-Mail geschickt. Als Zusatzangebot des digitalen Wissenschaftsprogramms „vhs.wissen live“ sind nach Angaben der Bürgermeisterin in Kooperation mit der Volkshochschule von November bis Februar monatliche kostenlose digitale Lesungen anerkannter Kinder- und Jugendbuchautoren geplant.

„Das Team der Stadtbibliothek bildet sich kontinuierlich online fort“, betont Kabs. Künftig soll es weitere Actionbound-Führungen, kleine Workshops sowie Beebot- und Ozobot-Nachmittage in der Stadtbibliothek geben.

Jubiläum 2021

Für Oktober 2021 planen die Bibliothekare wieder analog. Dann soll der 100. Geburtstag der städtischen Bibliothek rund um die Villa Ecarius gefeiert werden.

Das Team der Bibliotheks- und Medienzentrale der Evangelischen Landeskirche (BMZ) hat die Herausforderungen der Krise angenommen und gemeistert. „Auf Wunsch haben wir vorbestellte Medien an Kunden versandt, die weiter als 20 Kilometer entfernt von Speyer wohnen“, berichtet Himmighöfer von an den Bedürfnissen der Nutzer orientierten Angeboten. Auch nach der Wiedereröffnung der BMZ für Publikum gelte dieser Service weiterhin für ältere oder körperlich eingeschränkte Kunden, betont sie. BMZ-Mitarbeitende brächten betroffenen Nutzern ausgeliehene Medien in den Briefkasten, so die Bibliotheksleiterin.

Rückgabebox soll kommen

Während der Schließzeit hätten Mitarbeitende Tätigkeiten zurückfahren müssen, die im Homeoffice so gut wie unmöglich geworden seien, räumt Himmighöfer reduzierte Abläufe ein. Inzwischen würden wieder neue Bücher bestellt, elektronische Katalogisierung der Bestände und der Notenbibliothek werde vorangetrieben. Himmighöfer setzt sich für eine Rückgabebox im Vorraum ein. „Damit sind die Kunden nicht auf die Öffnungszeiten angewiesen“, erklärt sie.

Der neue Ablauf sieht so aus:

Unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln melden sich registrierte Kunden nach Terminvereinbarung an der Pforte. „Bücher und Medien sollten sie vorbestellen“, so Himmighöfer.

Kontakt

BMZ: Roßmarktstraße

4, Speyer; Telefon

06232667415;

Mailto: bibliothek@evkirchepfalz.de

Stadtbibliothek: Bahnhofstraße 54,

Speyer, Telefon: 06232141380;

Mailto: stadtbibliothek@stadt-speyer.de

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