Speyer Abenteuer Kolumbien wartet
Vera Bechmann sitzt auf gepackten Koffern. Ende August verlässt sie die Pfalz, Deutschland und Europa in Richtung Südamerika. Kolumbien ist das Ziel der 26-jährigen frisch gebackenen Lehrerin. Bevor sie den Schuldienst antritt, will sie ein Jahr entwicklungspolitischen Freiwilligendienst leisten. Ermöglicht wird ihr das mit „Weltwärts“, dem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 2008 gestarteten Projekt.
Abitur 2009 am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium, Germanistik- und Geschichtsstudium in Heidelberg, Referendariat im Schwarzwald: Bisher ist Bechmann im weiteren Umkreis ihrer Heimatstadt geblieben. Ab Ende nächsten Monats legt sie fast 10.000 Kilometer dazwischen. Im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Weltwärts-Freiwilligen will sie sich erst nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss in der weiten Welt umschauen. In diesen Tagen beendet die angehende Lehrerin ihr Referendariat. Bewerbungen für ihre erste Anstellung im Schuljahr 2019/20 will sie noch vor ihrer Abreise abgeben. Südamerikanisches Temperament, Sprache und Kultur hätten sie schon immer fasziniert, erklärt Bechmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ ihre Entscheidung, ein Jahr in diesem Teil der Welt zu verbringen. In Kolumbien will sie mit Gleichgesinnten gegen Armut und Kindersterblichkeit kämpfen. „Viele Jugendliche werden schwanger“, weist sie auf ein großes Problem hin. Bechmann will sich dafür einsetzen, dass Betroffene dennoch ihren Schulabschluss machen und sich um einen anschließenden Job bemühen können. Bechmann spricht fließend Spanisch. „Ich werde die jungen Frauen aber auf Englisch unterrichten“, betont sie. „Das erhöht ihre Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt.“ Für Bechmann ist Kolumbien nicht der erste Auslandsaufenthalt. In Italien hat sie bereits einen achtmonatigen Freiwilligendienst abgeleistet. „Das hat mich sehr geprägt“, sagt sie. „Es war nicht leicht zurückzukehren.“ Die Speyererin erzählt von den Menschen, dem Leben direkt am Meer und dem tränenreichen Abschied. „Es ist einfach toll, solche Erfahrungen machen zu dürfen.“ Sie erwartet in Kolumbien ganz andere Eindrücke als die für Touristen üblichen. Dazu gehören für Bechmann Einblicke in Traditionen, Gewohnheiten und Mentalität. 75 Prozent ihrer Kosten übernehme das Bundesministerium, weist sie auf das Verfahren hin. „Den Rest muss ich selbst über Spenden aufbringen.“ Einfach sei es nicht, Menschen dafür zu begeistern, weiß sie aus ihren Erfahrungen mit dem Geldsammeln. Aufgeben ist aber keine Option für Bechmann. „Gerade für eine Lehrerin ist die kolumbianische Erfahrung ganz besonders sinnvoll“, ist sie überzeugt. Voller Spannung sieht sie dem Abenteuer Kolumbien entgegen. Untergebracht werde sie in einer ihr noch unbekannten Gastfamilie, sagt Bechmann. „Was ich in den ganzjährigen Sommer mitnehme, muss gut geplant sein“, betont sie. „Auf jeden Fall ist der Reiseführer im Koffer.“ Bechmann plant mit wenig Gepäck. „In dem Jahr wird so viel zusammenkommen, dass ich Platz für die Rückkehr brauche.“ Ihre letzte Möglichkeit für Entwicklungshilfe vor Beruf und Familiengründung will Bechmann gut nutzen. Mit spanischer Musik, Dokus und Büchern über Kolumbien stimmt sie sich auf das ein, was in wenigen Wochen auf sie zukommt. Bis dahin will Bechmann die Zeit in Speyer genießen, Freunde treffen, Rad oder Kajak fahren, kochen. Mit der einjährigen Trennung von Familie und Freunden hat sie kein Problem. „Es gibt schließlich Internet, Skype, Telefon und die Möglichkeit, mich in Kolumbien zu besuchen.“ Spendenkonto Via e.V., Iban: DE79240501100065088783, Bic: NOLADE21LBG, Sparkasse Lüneburg, Verwendungszweck: Spende Vera Bechmann.