Speyer
50 Jahre Gärtnermeister: Grüner Beruf als goldenes Handwerk
Römerberg. Vor exakt 50 Jahren hat Schumacher seine Meisterprüfung in einer Schifferstadter Gartenbauschule abgelegt. „Wir waren zehn, zwölf Mann. Zu den meisten habe ich heute noch Kontakt“, berichtet der 74-Jährige im RHEINPFALZ-Gespräch. Erlernt hat er seinen Beruf in einem Kaiserslauterer Betrieb – obwohl Schumachers Eltern 1949 die eigene Gärtnerei in Berghausen gegründet hatten.
„Ich wollte nicht zuhause lernen“, macht der Blumenexperte deutlich. Drei Jahre dauerte die Lehre. Dann kam er zurück. „Heute noch sind Reste eines Gewächshauses am Bahnhof zu sehen“, erzählt Schumacher. Dort hatten seine Eltern den Betrieb zunächst gepachtet. Zehn Jahre später kauften sie sich ein Gelände in Heiligenstein und bauten selbst.
Reformen im Beruf
Aus eigenem Antrieb ist Schumacher in die Fußstapfen der Eltern getreten, wie er sagt: „Ich bin mit dem Beruf aufgewachsen und er hat mir Spaß gemacht.“ Früher sei die Arbeit körperlich viel schwerer als heute gewesen. Als Beispiel nennt Schumacher die Pflanztöpfe, die damals aus massivem Ton gewesen seien und nicht – wie heute in vielen Fällen – aus Kunststoff. Abgesehen davon habe es damals keine Wagen als Transporthilfe gegeben. „Wir mussten alles per Hand tragen“, so Schumacher.
1974 übernahm er mit seiner Frau den elterlichen Betrieb. „Damals hat es keine 40-Stunden-Woche gegeben“, denkt er zurück. „60, 70 Stunden waren normal.“ Der Tag begann morgens um 5 Uhr auf dem Großmarkt in Mannheim. Auch hier sieht der Gärtnermeister den Wandel der Zeit: „Damals war das am wichtigsten zum Einkaufen. Heute werden die meisten Pflanzen importiert.“
Preisverfall besorgt
Schumacher selbst hat vieles selbst kultiviert: Nelken, Rosen, Chrysanthemen. „Heutzutage sind kaum mehr echte Gärtnereien zu finden“, bedauert er. Stattdessen würden in jedem Supermarkt Blumen verkauft, zu billigsten Preisen. Schnittblumen seien mit den Jahren immer anfälliger für Krankheiten geworden, so Schumacher. „Wir haben diese über den Boden mit Dampf bekämpft“, erinnert er sich an „sauviel Arbeit“. Es folgte chemischer Pflanzenschutz, bis auch hier ein Riegel vorgeschoben wurde.
„Ich war auf dem Wochenmarkt in Speyer. Es war eine Genugtuung und hat mich zufrieden gemacht, wenn ich meine Blumen verkaufen konnte“, bilanziert Schumacher. Er ist glücklich, dass Sohn Jochen ihm nachgefolgt ist. Seit 2011 führt dieser den Betrieb. Der Vater war 40 Jahre als Prüfer für die Landwirtschaftskammer aktiv. Kreisgärtnermeister des Regionalverbands ist er noch immer. „Wir mussten viel arbeiten“, berichtet er, „aber wir haben auch viel verdient.“