Speyer „365 Tage hinter der Eistheke sind zu viel“

Sommergenuss: Eis.
Sommergenuss: Eis.

Traditionell schließt das Eiscafé „Dolomiti“ in Waldsee am morgigen Tag der Deutschen Einheit. Bis zum ersten März-Wochenende ist dann Schluss mit Eis im Dorf. RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Ellen Korelus-Bruder hat Inhaberin Elena Rigoni gefragt, wie sich die Eiscafé-Betreiber im Winter die Zeit vertreiben.

Frau Rigoni, freuen Sie sich auf die eisfreie Zeit?

Ja. Sieben Monate lang sieben Tage in der Woche arbeiten, das langt. Also ist bei Ihnen und Ihrer Schwester Alessia Ausruhen angesagt? Das wäre schön. Aber im Winter müssen wir renovieren, Lampen und Polster im Eiscafé erneuern, zum Steuerberater. Alles erledigen, was im Sommer bei uns liegen bleibt. Kein Besuch in der Heimat? Meine Eltern fahren am Wochenende nach Hause. Ach ja, wir fahren auch. Im Dezember ist Eismesse in Longarone, einer kleinen italienischen Gemeinde in der Provinz Belluno. Dahin fahren wir für fünf Tage. Das ist wirklich wichtig. Im Zweijahres-Rhythmus gibt es auch eine Messe in Stuttgart und Rimini. Auf der Messe erfahren wir, welches Eis im kommenden Jahr neu ins Programm kommen kann. Wir treffen uns mit anderen Eisherstellern, tauschen uns beispielsweise aus über Herstellung, Werbung und Einrichtung. Probieren Sie selbst Eissorten bei Minusgraden draußen? Ja sicher. Wir probieren jede neue Sorte. Wenn uns eine gefällt, geben wir Probe-Bestellungen auf. Wenn das Eis uns dann immer noch überzeugt, machen wir uns an die Herstellung. Mal sehen, was wir nächstes Jahr neu im Angebot haben. Da bin ich selbst gespannt. Die Sorten, die unsere Kunden gerne mögen, bleiben aber selbstverständlich im Sortiment. Solange, bis sie nicht mehr so oft verlangt werden. Geschmäcker sind nicht nur verschieden, sie ändern sich auch. Verbringen Sie Weihnachten in Italien? Vielleicht eine von uns. Eine muss immer in Waldsee bleiben. Wegen der Post und allem anderen. Es gibt keinen Leerlauf bei den Rigonis. Haben Sie schon überlegt, Ihr beliebtes Eiscafé auch in den Wintermonaten zu öffnen? Ja, aber das wollen wir lieber doch nicht. In Waldsee ist nicht so viel Bewegung wie in der Stadt. Es lohnt sich für uns in der kalten Jahreszeit nicht. Fünf Monate Pause sind besser als zwölf Monate mit unterschiedlichem Erfolg. Es gäbe ja auch die Möglichkeit, ein zweites Dolomiti in die Stadt zu verlegen. Was meinen Sie dazu? Ich möchte kein Eiscafé in der Stadt. Wir sind gerne in Waldsee und wollen da auch bleiben. Sonst müssten wir 365 Tage im Jahr hinter der Eistheke stehen. Das wäre wirklich zu viel für uns. Die Rubrik Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen.

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