Speyer 30 Minuten Engagement

Lässt die Kinder sicher über die Iggelheimer Straße an der Grundschule in Dudenhofen: Schülerlotsin Tanja Amann.
Lässt die Kinder sicher über die Iggelheimer Straße an der Grundschule in Dudenhofen: Schülerlotsin Tanja Amann.

Exakt 30 Minuten dauert der Dienst der ehrenamtlichen Schülerlotsen vor der Clemens-Beck-Grundschule in Dudenhofen jeden Morgen. Nicht immer spielt das Wetter mit, aber selbst bei Regen und Kälte beißen sich die Eltern durch. Seit den 1980er-Jahren gehört der Einsatz für eine sichere Straßenquerung dazu. Ein Engagement mit Vorbildcharakter, meint die Jugendverkehrsschule der Polizei.

Zur genauen Entstehungsgeschichte des Elternlotsendienstes in Dudenhofen kann Eva Nuber-Hoffmann nichts sagen. Sie hat erst vor zwei Jahren die Koordination übernommen, als ihr Sohn eingeschult wurde. Die Mutter weiß aber, dass es der Schulelternbeirat gewesen ist, der die Aktivität vor gut 40 Jahren gestartet hat. „Durch die zweite Kindertagesstätte ist der Verkehr noch stärker geworden“, berichtet Nuber-Hoffmann der RHEINPFALZ, die gestern Morgen vor Ort ist. Notwendig sei der Lotsendienst insofern allemal. Als „Amt mit relativ vielen Pflichten und einer hohen Verantwortung“ bezeichnet Matthias Michel die Position. Der Polizeioberkommissar gehört zum Team der Jugendverkehrsschule Speyer und lobt die Dudenhofener Elterngruppe: „Der Lotsendienst funktioniert hier recht gut.“ Hauptproblem sei, dass die Eltern den Verkehr nicht anhalten dürfen. Stattdessen sollen Lücken gesucht werden, um Kinder sicher über die Straße zu bringen. An diesem Morgen zeigen Tanja Amann und Jürgen Backof, wie das geht. Die nahenden Autos stets im Blick sorgen sie dafür, dass ankommende Mädchen und Jungen – mit Rollern, auf Rädern oder zu Fuß – problemlos und zügig die Iggelheimer Straße queren und auf das Schulgelände gelangen können. Ausgestattet sind die beiden mit Warnweste und Kelle. „Die stellt die Verkehrswacht zur Verfügung“, erklärt Polizeioberkommissar Michel. Die Ausstattung wird an die jeweils diensthabenden Lotsen weitergegeben, ergänzt Nuber-Hoffmann. Rund 20 Elternteile wechselten sich mit regelmäßigen Wochenschichten ab. „Es ist schwer, jemanden zu finden, der sich bei Wind und Wetter hinstellt“, sagt die Koordinatorin. Sie ist froh, dass sie bislang auf ausreichend viele Freiwillige zurückgreifen kann. Wünschenswert ist laut Michel, dass die Gemeinde das Engagement entsprechend würdigt, denn es sei immens wichtig. „Die Kinder haben noch keinen Blick für Gefahrenquellen“, betont der Polizeioberkommissar. Im wahrsten Sinne des Wortes sollte der Elternlotsendienst, wie er in Dudenhofen läuft, Schule machen. Zurzeit gibt es ein solches Engagement der Eltern noch nicht überall in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. „In Harthausen gibt es noch einen funktionierenden Dienst, Berghausen trägt sich mit dem Gedanken“, sagt Michel. Ansonsten seien Elterneinsätze in dieser Form im Rhein-Pfalz-Kreis und auch in der Stadt Speyer aktuell nicht üblich. Für die morgendliche Aktion werden die Erwachsenen in einem dreistündigen Kurs geschult. Stresssituationen bewältigen, Anhaltewege beachten, Situationen einschätzen – alles wird trainiert. „Versichert sind die Eltern über die Schule“, sagt Michel. Nuber-Hoffmann hofft, mit Beginn des nächsten Schuljahres wieder neue Unterstützer unter den Eltern zu finden.

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