Speyer / Frankenthal
27-Jähriger soll Freundin geschlagen und gewürgt haben
Viel erledigen konnte Richter Uwe Gau an diesem ersten Verhandlungstag nicht. Aus einem früheren Urteil des Speyerer Amtsgerichts verlas er die persönlichen Angaben des 27-jährigen Speyerers, die seine aggressive Natur und seine Vorstrafen offenbarten – vor allem in puncto Körperverletzungen gegenüber Frauen. Von frühester Kindheit an fiel er demnach mit seinem Verhalten auf. Die Familie kam damit nicht zurecht, sodass er etliche Einrichtungen und Heime der Jugendhilfe kennenlernte, aus denen er regelmäßig hinausflog. Jetzt versucht der 27-Jährige laut Gericht, den Hauptschulabschluss in der Jugendvollzugsanstalt (JVA) nachzuholen.
Im neuen Verfahren wird ihm zu Last gelegt, im Herbst 2020 seine frühere Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung mit Fäusten geschlagen, gewürgt und mit Zigaretten verbrannt zu haben. Den Hund der Frau soll er blutig getötet haben. Doch zur Verhandlung kam es gar nicht.
Erklärung verlesen
Der 27-Jährige verlas zu Beginn eine Erklärung, dass er seine beiden Pflichtverteidiger aus Speyer, die Anwälte Matthias Scheller und Andreas Flory, ablehne, weil er kein Vertrauen zu ihnen habe. Stattdessen wolle er die ursprünglich ihm beigeordnete Mannheimer Anwältin Ute Mannebach-Junge. Mit Scheller habe er erst vergangene Woche für 20 Minuten in der JVA sprechen können, Flory habe er an diesem Tag zum ersten Mal gesehen. Gau erklärte daraufhin, dass es unmöglich gewesen sei, gemeinsame Gerichtstermine mit der Mannheimer Anwältin und dem psychiatrischen Sachverständigen Ralf Werner zu finden. Da der Angeklagte seit Monaten in Untersuchungshaft sei, bestehe auch großer Zeitdruck. Scheller habe den jungen Mann zudem früher einmal vertreten, mit Flory sei ihm ein Fachanwalt für Strafrecht zur Seite gestellt worden. Er könne dem Angeklagten nur raten, mit den Männern vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Der 27-Jährige entschied sich jedoch dafür, keine Aussage zur Sache und seiner Person zu machen.
Es geht um viel
Flory bat den Richter anschließend darum, ein Gespräch ohne Druck mit dem Angeklagten in der JVA zum Kennenlernen und zur Strategiebesprechung führen zu können – bevor die Hauptzeugin, die für Dienstag geladen war und extra aus Köln anreiste, ihre Aussage machen würde. Das Gericht nahm Florys Antrag an. Es gehe schließlich um sehr viel für den Angeklagten. Am Ende der Verhandlung könnte ihn eine Sicherungsverwahrung erwarten, da solle er alle Möglichkeiten der Verteidigung haben.
Damit endete der erste von sechs angesetzten Verhandlungstagen am Landgericht Frankenthal. Viele Fragen bleiben offen, etwa, wer dem 27-Jährigen die Erklärung diktiert hat, die womöglich nicht von ihm verfasst war. Nächster Termin:15. Juni.