Speyer 250 Luftballons als letzter Gruß

Rund 250 Sterntaler-Angehörige, Freunde, Mitarbeiter, Förderer, Eltern, Kinder und Wegbegleiter haben gestern Abschied von Ursula Demmer genommen. Die Gründerin und Geschäftsführerin des einzigen stationären Kinderhospizes in Rheinland-Pfalz ist am 4. September gestorben (wir berichteten).
Sie sei angetreten, um dem Sterben den Schrecken zu nehmen: Damit hat Ursula Demmer ihren unermüdlichen Einsatz für unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien begründet. Die dreifache Mutter hatte das Kinderhospiz in Dudenhofen seit seiner Eröffnung im März 2009 geleitet. Ihr unerwarteter Tod habe Fassungslosigkeit hinterlassen, aber die Sterntaler-Familie gleichzeitig noch mehr zusammengeschweißt, beschrieb Pressesprecher Linnford Nnoli Gefühle der Trauer, Erinnerung, Zuversicht und Hoffnung auf eine gute Zukunft der Sterntaler. Ein fröhliches, farbenfrohes Fest habe sich die „Chefin“ für ihre Trauerfeier gewünscht, erklärte Nnoli das bunte Bild, das sich gestern – getreu der Botschaft Demmers, dem Sterben den Schrecken zu nehmen – in Haus und Hof der Sterntaler bot. Gespräche bei Kartoffelsuppe, Kaffee und Kuchen, Wiedersehensfreude, Umarmungen, Lachen und Weinen: Im Gedanken an Ursula Demmer feierten ihre Trauergäste das Leben. Viele schrieben ihre Erinnerungen an die Hospiz-Gründerin in das ausgelegte Kondolenzbuch, Tränen flossen beim Anblick der Fotografie daneben. Nnoli berichtete vom Tod eines kleinen Jungen am Vortag, dessen Eltern im Hospiz-Garten um ihr Kind trauerten. Ihn in die Gebete und Gedanken einzubeziehen, sei Demmers Anliegen, war Nnoli überzeugt. „Es ist nicht leicht, seine Mama zu verlieren“, beschrieb Demmers Tochter Giuliana den großen Verlust auch für ihre Geschwister Louisa und Raphael. Sie seien stolz auf das, was ihre Mutter geschaffen habe, betonte Giuliana. „Sie hat das gemacht, was sie sich immer gewünscht hat.“ Nnoli hob die Unterstützung von Demmers gesamter Familie hervor, die es ihr ermöglicht habe, Berge zu versetzen. Anja Hermann, Nachfolgerin und langjährige Vertraute Demmers, beschrieb die verstorbene Freundin als „Schiffsführerin, die jetzt zur Fährfrau geworden ist“. Dieser Gedanke gebe ihr Trost, Kraft und Mut. Ihre Zuhörer rief sie auf, gemeinsam mit ihr für Ursula Demmer zu beten und an sie zu denken. Mit dem Kinderhospiz habe Demmer einen Ort der Stille, Trauer, Begegnung, Hoffnung und bedingungslosen Liebe geschaffen, würdigte Christiane Hinkel das Werk der Verstorbenen. „Es ist mir eine Ehre, daran mitzuwirken“, sagte die Vertreterin der ehrenamtlichen Sterntaler-Mitarbeiter. Auch weiterhin wollten sie und das gesamte Team betroffenen Kindern, ihren Eltern und Geschwistern im Hospiz zur Seite stehen, versprach Hinkel. „Weinend kommst du, aber lachend wirst zu gehen“, sang Sterntaler-Botschafterin Yvonne Herberger zu Beginn der Trauerfeier. Unter Tränen lächelten die Gäste, als sie 250 bunte Luftballons zum letzten Gruß an Ursula Demmer zu Herbergers „In the Arms of an Angel“ in den Himmel über Dudenhofen aufstiegen ließen. Im Kinderhospiz Sterntaler ist gestern der Schrecken vor dem unausweichlichen Tod neuer Hoffnung auf Leben gewichen. (kya)