Speyer 1955: Notstand im Hasenpfuhl gut dokumentiert
Die Altstadt stand unter Wasser – das ist das, was viele ältere Speyerer von dem 8,67-Meter-Ereignis vor 66 Jahren in Erinnerung haben. Der Rhein drückte die Fluten teilweise in den Speyerbach. Fast eine Woche lang galt der Notstand, rund 100 „Hasepiehler“ mussten evakuiert werden, Holzbohlen wurden zu Behelfsbrücken, Boote schipperten durch die Gassen. Belegt ist das alles auf Schwarz-Weiß-Fotografien von damals, die seither mal mehr, mal weniger sorgsam aufbewahrt wurden. Die Besitzer teilen sie dankenswerterweise mit der Redaktion und den Leserinnen und Lesern.
„Das Foto fand ich im Sperrmüll“, schreibt Axel Elfert über den Blick in die Salzturmgasse, an deren linkem Rand noch ein Eindruck von der früheren Bebauung des Fischmarkts zu gewinnen sei. Manfred Kinscher besitzt – neben seinen eigenen Erinnerungen als damals zwölfjähriger Junge – gleich „eine Reihe von interessanten Bildern“, die sein Vater Josef gemacht hat. „Das sind bestimmt 50 Stück. Er war Berufsfotograf und beim Hochwasser in der ganzen Stadt unterwegs.“ Leserin Birgit Tenspolde ist ein Foto aus der Steinmetzergasse in die Hände gefallen. Sie schreibt dazu: „Meine Großeltern haben lange dort gewohnt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich in diesen trüben Zeiten nicht auch noch so ein Hochwasser wiederholt. Es bewahrheitet sich mal wieder, dass es schlimmer immer geht!“
Situation hat sich verbessert
Tatsächlich zeigt sich in Speyer, dass der Hochwasserschutz seit den 1950er Jahren wesentlich verbessert worden ist. Unter anderem das Domgarten-Schöpfwerk am Speyerbach hilft, dass dem Hasenpfuhl das Wasser nicht mehr bis zum Knie(stock) steht. Auch heutige Fotografen nähern sich dem Wasser – vorsichtig natürlich und ohne die Einsatzkräfte zu behindern – und schießen eindrückliche Fotos. RHEINPFALZ-Leser Richard Kuhn überschreibt seine Aufnahme vom Helmut-Kohl-Ufer mit dem bekannten Kunstwerk im Fokus etwa so: „Sie trotzt der nächsten Hochwasser-Welle: die Speyerer Welle“.