Speyer / Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel 100 Jahre Zerf: Erinnerung und Individualität als Trends

Zerf-Team vor traditioneller Kulisse: Chefin Janet Tarin (rechts) ist aber auch offen für Modernes.
Zerf-Team vor traditioneller Kulisse: Chefin Janet Tarin (rechts) ist aber auch offen für Modernes.

Bestattungen Zerf mit Standorten in Speyer und Dudenhofen wird 100 Jahre alt. Am Traditionsbetrieb werden die Entwicklungen in der Branche sehr gut deutlich. Bei den Aufträgen spielen längst auch Klappräder oder Harley-Davidsons eine Rolle.

Früher war das Handwerk gefordert bei der Herstellung von Särgen. Heute gibt es Fabriken. Was früher von den Hinterbliebenen selbst organisiert werden musste, übernimmt heute der Bestatter. Die Arbeit sei moderner geworden, auch in der Außenwirkung, so Janet Tarin, die seit 2015 als Geschäftsführerin Verantwortung für die Firma Zerf in der Wormser Landstraße in Speyer und in der Iggelheimer Straße in Dudenhofen trägt.

Auf ein Jahrhundert Bestattungsarbeit kann das Unternehmen 2023 zurückblicken. Wann genau der Gründungstag ist, kann Tarin nicht datieren. „Früher war das Bestattungsinstitut ein Holzverarbeitungsbetrieb. Der Schreiner machte die Särge“, sagt sie. Jürgen Zerf von der Gründerfamilie hat das noch praktiziert. In frühen Jahren sei auch „noch im lebenden Zustand bei den Personen Maß genommen worden“, berichtet Tarin.

Keine Leichenfrauen mehr

Die Veränderungen gingen aber noch weiter. Von schlicht zu kunstvoll haben sich etwa die Särge entwickelt. Früher gab es noch Leichenfrauen statt Bestatter, dafür aber keine Kühlhallen. Die Verstorbenen wurden daheim aufgebahrt. Nach drei Tagen ging der Trauerzug zum Friedhof.

Tarin ist über viele Veränderungen froh. Vor allem der separate Raum für Trauergespräche, an den vor 100 Jahren nicht zu denken war, sei wertvoll für sie und die Hinterbliebenen. „Das große Thema ist inzwischen die Individualität“, so Tarin. Traueranzeigen mit eigenen Urlaubsbildern, die Lieblingsmusik oder das Klapprad des Verblichenen in der Trauerhalle, eine Urne nach seinen Vorlieben, zum Beispiel mit Werkbank- oder Harley-Davidson-Motiv – vieles ist machbar.

„Außerdem“, weiß Tarin, „haben die Menschen den Wunsch nach Erinnerung.“ Einen Teil der Asche kann sie abfüllen, einen Fingerabdruck nimmt sie grundsätzlich, falls die Hinterbliebenen sich diesen auf ein Schmuckstück pressen lassen wollen. Bei der Trauerfeier werden Bilder gemacht und als Fotobuch gebunden; ein Relikt der Pandemie, als nur fünf Personen bei der Bestattung dabei sein durften. So herausfordernd Corona für Tarin und ihre Kollegen in der Branche war: Neue Ansätze haben sich entwickelt. Trauerfeiern unter freiem Himmel nennt die Bestatterin als Beispiel. Digital hat sich auch etwas getan. „Wir haben seit ein paar Jahren ein Formalitätenportal, worüber die Kunden sehen können, ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“, erklärt Tarin. Das beinhaltet unter anderem Abmeldungen bei Behörden, Vereinen oder Organisationen.

Vier Firmen im Verbund

Pauschale Bestattungspreise gibt es bei Zerf nicht. „Es wird alles dokumentiert und nach Aufwand abgerechnet“, betont sie. Vier Unternehmen führt die Bestatterin mittlerweile unter dem Namen Pfalz-Bestattungen. Neben Zerf gehören die Häuser Eberle (Speyer), Stier (Neustadt) und Schleicher (Schifferstadt) dazu.

Acht Mitarbeiter hat Tarin bei Zerf. Dankbar ist sie über die Rückendeckung der ehemaligen Geschäftsführer, die immer noch mithelfen. „Die Arbeit heute ist anders, geht aber in die richtige Richtung“, bekommt sie von diesen als Rückmeldung. Modernes und Brauchtum kombinieren will die 40-Jährige. Sie beteiligt sich beim Brezelfest und der Kirchbootregatta.

250 Sterbefälle werden bei Zerf jährlich im Schnitt bearbeitet. 20 bis 30 Stunden pro Person fielen an, so Tarin. Sie wünscht sich, dass Friedhofsverwaltungen flexibler werden, weniger Bürokratie und bessere digitale Ausrüstung, sodass Trauerfeiern auch gestreamt werden können.

x