Speyer Übung für Chemie-Unfälle

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Die Feuerwehr in Harthausen hat ein neues Fahrzeug: Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 10 (HLF 10) ist am Samstag bei einer Übung im Gewerbegebiet „Am Pfaffensee“ ausprobiert worden.

Samstagmorgen, kurz nach zehn. Gisela Uebachs meldet sich aus ihrer Lagerhalle im Harthausener Gewerbegebiet „Am Pfaffensee“ bei der Feuerwache in Dudenhofen. „Beim Rangieren eines IBC-Containers sind Paletten verrutscht. Sie haben den Behälter beschädigt, aus dem Riss strömen Dämpfe, es rinnt eine Flüssigkeit aus. Ein Mitarbeiter liegt bewusstlos auf dem Boden.“ Neben ihr hört Frank Sammet mit. Der Wehrführer von Harthausen will mit den Feuerwehrleuten aus Harthausen und Dudenhofen den Einsatz mit dem neuen Feuerwehrfahrzeug HLF 10 üben. Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug steht seit dem 12. September am Standort Harthausen. Das Vorgängermodell, 25 Jahre in Dienst, hat seine Schuldigkeit getan. Wehrführer Sammet sagt: „Ein normaler Erneuerungs-Zyklus.“ Einige Daten zum HLF 10: Ausgerüstet mit dem „Gams-plus-Satz“, ein spezielles Set für den Umgang mit chemischen Gefahrstoffen, zum Abdichten von Lecks, wie am Samstagmorgen gebraucht, Schaum-Löschanlage, Wärmebildkamera, Atemschutz, 1000-Liter-Wassertank, hydraulischem Rettungsgerät, Hebekissen zur technischen Hilfe bei Verkehrsunfällen. Gekostet hat es 315.000 Euro. Gisela Uebachs wundert die „lange“ Anfahrtszeit. Feuerwehrmann Sammet erläutert: „Wenn in der Wache der Alarm eingeht, sitzen die Männer normalerweise irgendwo an ihrem Alltags-Arbeitsplatz, daheim am Frühstückstisch, sind unterwegs, einkaufen, mit sonstwas beschäftigt.“ Uebachs: „Stimmt, daran denkt man nicht.“ Etwa sechs, sieben Minuten später biegt das Feuerwehrauto ins Gewerbegebiet ein, fährt am Gebäude vorbei, hält um die Ecke. Sammet erklärt: „Bei der Art Einsatz müssen wir einen Gefahrenabstand einhalten.“ Ein Mann aus der Mannschaft informiert sich bei Uebachs, die wiederholt das am Handy Gesagte, händigt ihm die Papiere mit der Auflistung und Beschreibung der (angeblich) gelagerten Gefahrstoffe aus. Während er zum Einsatzfahrzeug läuft und die Kollegen verständigt, surrt in der Halle der Rauchmelde-Alarm, ausgelöst durch die Dämpfe. Zwei Männer in gelben Schutzanzügen, die Sauerstoffmaske tragen, gehen rein, retten den Mitarbeiter (die Puppe), legen ihn auf dem Bürgersteig in eine Art dicker Gummi-Ring, eine Folie zum Abtransport mit dem Rettungsdienst, laufen zurück, kümmern sich um das Leck, dichten es ab. Andere verlegen Schläuche, montieren den Mehrfach-Stutzen an den Straßen-Hydranten. Parallel probt ein zweites Team mit dem neuen HLF 10: In einem Labor kam es zu einer Verpuffung, im betreffenden Raum wird eine vermisste Person vermutet. Der Atemschutz-Trupp rückt zur Personenrettung und Brandbekämpfung aus. Vor lauter Nebel ist die Hand nicht vorm Gesicht zu sehen. Die Wehrmänner belüften den Raum und orientieren sich bei der Rettungsaktion mittels der Wärmebildkamera. Wehrführer Sammet und Gisela Uebachs lernten sich über das Unglück am 28. September 2013 kennen. Damals hatte ein Brandstifter in einem Gashandel Gastanks angezündet. Bei der Explosion wurden 17 Feuerwehrleute verletzt, einige schwer. Einer der explodierenden Gastanks war von der gegenüberliegenden Straßenseite in 700 Meter Luftlinie in die Lagerhalle der Firma Technofond gekracht, hatte sie verwüstet und Uebachs materielle Existenz in Frage gestellt. Im Wissen um das bestellte Fahrzeug, fragte Sammet bei der nächsten Begegnung nach, ob die Wehr auf dem Firmengelände von Gisela Uebachs und Mark Thienel üben könne. (län)

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