Hockey RHEINPFALZ Plus Artikel Ü40-Nationalspieler als Ausgleich zwischen Familie und Beruf

Im Jahr 2013: Johannes Rillig treibt den Ball im grünten Trikot der TG Frankenthal nach vorne.
Im Jahr 2013: Johannes Rillig treibt den Ball im grünten Trikot der TG Frankenthal nach vorne.

Der frühere Bundesligaspieler Johannes Rillig aus Speyer ist auch mit 46 Jahren noch international im Hockey im Einsatz. Er lebt mit seiner Familie in Nürnberg, arbeitet in Dudenhofen.

Der gebürtige Speyerer Johannes Rillig hat mit der deutschen Ü40-Nationalmannschaft im Hockey bei den World Masters in Kapstadt Platz fünf belegt. Der ehemalige Bundesligaspieler der TG Frankenthal und des Mannheimer HC lebt seit 2010 in Nürnberg, betreibt aber weiterhin eine Versicherungsagentur in Dudenhofen und verbringt immer noch drei bis vier Tage pro Woche in der alten Heimat.

Rillig, dessen beide Brüder ebenfalls Hockey gespielt haben, hat inzwischen seine eigene Hockeyfamilie gegründet. Auf einem Osterturnier des Nürnberger HTC im Jahr 2004 traf er seine heutige Frau Jana Schwarzer, die damals für Buchenbühl, einem Stadtteil von Nürnberg, gespielt hat. Mit ihr hat er zwei Töchter, die inzwischen ebenfalls beide Hockey spielen.

Konfliktpotenzial auf dem Kunstgrün

Eine Zeitlang trainierte der 46-jährige sogar das Team seiner Frau, was naturgemäß ein gewisses Konfliktpotenzial birgt. Rillig: „Sie war eine der besten Spielerinnen im Team, deshalb gab es keine Kontroversen, ob sie regelmäßig spielt. Trotzdem gab es auch Situationen, in denen sie mir Ideen vor der Mannschaft präsentiert hat und ich als Trainer sagen musste: Nein, das machen wir nicht so. Aber im Großen und Ganzen haben wir das gut hinbekommen.“ Test bestanden, inzwischen trainiert der Pfälzer mit seiner Frau das Hockeyteam seiner Tochter.

Der Speyerer schätzt sich glücklich, dass er immer noch fit genug ist, um in der Zweiten Mannschaft in Nürnberg zu spielen. Viele der Alterskollegen, die in der aktiven Karriere zudem noch die Doppelbelastung durch die Nationalmannschaft wegstecken mussten, können das heute gar nicht mehr. Hockey ist für Rillig nicht nur Ausgleich zum Beruf, sondern ebenso eine Art Familie: „Einige meiner Ex-Bundesligakollegen sind inzwischen gute Freunde geworden. Und zu meinem Freundeskreis gehören auch viele Spieler aus unserer Zweiten Mannschaft. Mit einigen spiele ich seit fast 20 Jahren zusammen.“

Nicht nur sportliche Qualifikationskriterien

Die Ü40-Nationalmannschaft, mit der Rillig gerade in Südafrika war, setzt sich eher nicht aus ehemaligen Nationalspielern zusammen. Im Gegensatz zu anderen Hockeynationen, bei denen viele frühere „Internationale“ spielen. In Deutschland gibt es einige Sichtungen und Lehrgänge, aber die Spieler können ebenfalls auf Empfehlung anderer Spieler berufen werden. Die Ü-Nationalspieler müssen nicht nur fit sein und Qualität mitbringen, sie müssen sich auch die Nationalmannschaftstermine freihalten können und in der Lage sein, die Teamreisen selbst zu bezahlen. Und wenn das alles gegeben ist, gibt es noch eine Belastungshürde: „Wir hatten sieben Spiele in zehn Tagen. Da darf man nicht verletzungsanfällig sein, denn der Kader ist nicht sehr groß.“

In Speyer Kopf frei für die Arbeit

Seit 20 Jahren pendelt der Speyerer nun zwischen seinem Familienwohnsitz in Nürnberg und seiner Agentur in der alten Heimat hin und her. Ein bis zwei Tage pro Woche verbringt er in Nürnberg im Homeoffice, die restlichen Tage in seiner Speyerer Wohnung. Ein Arrangement, das Herausforderungen mit sich bringt, aber Vorteile für ihn hat: „Wenn ich in Speyer bin, habe ich den Kopf frei für die Arbeit und habe dann auch drei Tage lang nur berufliche Termine.“

Seine Dudenhofener Agentur nach Nürnberg zu verlegen, wäre aus mehreren Gründen unpraktisch: „Ich habe in Speyer viele Kunden, die ich über den Sport kennengelernt habe. Außerdem ist meine Agentur relativ groß und hat einen großen Kundenbestand. In Nürnberg wäre es ein Neuanfang für mich gewesen. Außerdem hätte ich mein Personal aus Speyer auch nicht mitnehmen können.“

Nächstes Ziel: Ü45-Europameisterschaft?

Wie viele Arbeitsbereiche hat sich auch die Versicherungsbranche deutlich gewandelt: „Die Stimmung ist nicht mehr so familiär wie früher. Es ist schnelllebiger und auf Dividenden fokussiert geworden. Die Kosten steigen ständig. Und wir müssen mehr arbeiten, um das gleiche Geld wie vorher zu verdienen. Aber ich will mich nicht beklagen. Große Agenturen wie unsere können die Einschnitte noch verkraften, kleinere dagegen haben inzwischen richtige Probleme.“

Als Ausgleich für den Stress im Job bleibt aber immer noch das Hockey, als Spieler in der Zweiten Mannschaft, als Trainer der Mannschaft seiner Tochter und vielleicht bald als Ü45-Nationalspieler. Nächstes Jahr wird in Valencia die Ü45-Europameisterschaft ausgetragen. Möglicherweise ist Johannes Rillig aus Speyer dann wieder mit dabei.

2024: Johannes Rillig im Hockey-Ü40-Nationaltrikot.
2024: Johannes Rillig im Hockey-Ü40-Nationaltrikot.
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