Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ärztin: „Wir brauchen keine Politiker zum Impfen“

Maria Montero-Muth
Maria Montero-Muth

Seit mehr als einer Woche können sich Menschen auch in Haus- und Facharztpraxen gegen das Coronavirus impfen lassen. Das geht teilweise schleppend voran. Der Grund: Das Impfen ist zu bürokratisch, zu wenig Vakzin steht zur Verfügung, kritisiert die Speyerer Ärztin Maria Montero-Muth. Sie richtet eine klare Ansage nach Mainz und Berlin.

Sechs vollbeschriebene Seiten umfasst die Warteliste in der Praxis von Maria Montero-Muth im Cura-Center. Jeden Tag klingelt das Telefon, Patienten fragen ungeduldig, wann sie endlich gegen das Coronavirus geimpft werden können. „Die Nachfrage ist riesig“, berichtet die Medizinerin, die auch für die CDU im Speyerer Stadtrat sitzt. Den Wunsch erfüllen kann sie wöchentlich aber nur ein paar Patienten – weil der Impfstoff nach wie vor knapp ist.

Bis zu 50 Impfdosen habe sie pro Woche für ihre Praxis bei der Apotheke bestellen können, berichtet Montero-Muth. Da wisse man schon, dass meist weniger Vakzin geliefert werde. Ihres Wissens nach würden nur gut ein Drittel aller Haus- und Facharztpraxen aktuell überhaupt Impfstoff bekommen. „Das ist vollkommen unverständlich.“ Jetzt sei die Anzahl der Ampullen auch noch reduziert worden, von 50 auf 42, berichtet sie. „Wir müssen im Grunde von Woche zu Woche schauen, wie viel Impfstoff wir bekommen und dann entsprechend Patienten in die Praxis einladen.“ Gut eine Woche Vorlaufzeit habe ihr Team da, dann müsse der Impfplan stehen. „Das ist ein Riesen-Aufwand und die bürokratischen Hürden sind hoch.“

„Steuergeldverschwendung“

Montero-Muth spricht nach eigenen Angaben aus 30 Jahren Erfahrung. „Wir sind ausgebildete Mediziner und impfen seit Jahren, wo es nur geht.“ Dass die Politik in Berlin und Mainz die Strukturen der niedergelassenen Ärzte vor Ort aus ihrer Sicht ignoriere, geschweige denn für die Impfkampagne vollumfänglich anzapfe, mache sie traurig. „Ich verstehe nicht, warum man diese Strukturen nicht nutzt.“ Eine landesweite Hotline zur Terminvereinbarung, unter großem Aufwand umgebaute Sporthallen – das alles sei nicht mehr nötig. Doch die Politik wolle die ihrer Meinung nach teuer betriebenen Impfzentren aufrechterhalten. „Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern der Bürger“, so Montero-Muth. Sie findet: „Wir brauchen keine Politiker zum Impfen.“

Ein großes Problem bereite zudem immer noch der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Viele Patienten, die für einen Impftermin im Impfzentrum registriert seien und dann per Post die Ankündigung für eine Impfung mit diesem Vakzin erhielten, stünden bei ihr vor der Praxis – aus Sorge um den schlechten Ruf des Impfstoffs. „Und ab nächster Woche werden wir in unserer Praxis auch mit Astrazeneca impfen müssen,“ so Montero-Muth. Ablehnen könne sie die Lieferung der Apotheke nicht, „sonst können wir gar keinen Impfstoff mehr bestellen“, berichtet Montero-Muth. Dass Patienten in den kommenden Tagen Termine absagen werden, sei wahrscheinlich. „Das wird Diskussionen geben.“

Unbeliebter Impfstoff: Das britisch-schwedische Vakzin von Astrazeneca (rechts) hat aktuell mit Image-Problemen zu kämpfen, die
Unbeliebter Impfstoff: Das britisch-schwedische Vakzin von Astrazeneca (rechts) hat aktuell mit Image-Problemen zu kämpfen, die sich auch in Speyer bemerkbar machen.
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