Speyer
Speyer: Nicole Kaufmann und Martin Risse stellen im Zimmertheater ihre CD „Punk Pot Girl“ vor
Nicole Kaufmann und Martin Risse haben am Montag im Speyerer Zimmertheater die erste Stufe zur Punker-Karriere erklommen. Zur Vorstellung ihrer ersten CD „Punk Pot Girl“ sind mehr Besucher gegangen als in dem kleinen Theater eigentlich Platz hätten.
Erwartet hätten sie 20 bis 30 Fans, erklärt Risse eine halbe Stunde vor Konzertbeginn die lockere Bestuhlung an Bistrotischen. Vor der Eingangstür warten zu diesem Zeitpunkt bereits etwa doppelt so viele auf das „Punk Pot Girl“ und seine Begleitung. Tische raus, mehr Stühle rein, Kissen auf Stufen, ein paar Sitzgelegenheiten im Gang: Um 20 Uhr ist das Platzproblem unter Einhaltung feuerpolizeilicher Bestimmungen gelöst. Kaufmann, Risse betreten mit Hund Kalle die Bühne. Beifall gibt es für sie schon vor dem ersten Akkord.
Ein Ehepaar singt über sich
„Wir sind einigermaßen erschlagen“, beschreibt Risse Gefühle des Künstler-Ehepaares beim Anblick des Ansturms auf ihr neues Bandprojekt. „Dabei verkaufen sich deutschsprachige Schallplatten heutzutage so schlecht“, wundert er sich und greift zu ersten der vier mitgebrachten Gitarren. „Das traurigste Lied der Welt“ eröffnet den Abend, an dessen Ende jeder begeistert nach Hause geht.
Zuvor haben die Besucher erfahren, dass Kaufmann seit knapp 22 Jahren mit Risse verheiratet ist. Was das heißt, erklärt das Paar komisch und berührend zur eigenen Musik. „Wir kriegen das wieder hin. Und dabei hilft uns ganz bestimmt unsere Chorleiterin.“
Hund Kalle live und auf CD
Der Hund sei auch auf der CD vertreten, erklärt Kaufmann Kalles Auftritt auf den Brettern, die seinen Besitzern mehr bedeuten als ihm. Er schläft, wandert hin und wieder durch die Zuschauerreihen, legt sich wieder zwischen Kaufmann und Risse, gähnt. Vor der zweiten Zugabe bellt er vernehmlich. Dem Hund reicht es.
Bis dahin stellen die Künstler mit „Cowboybands und Honigbrot“ ihr Lied über Sex vor und singen „eigentlich Leipzig“ über Berlin.
Nicht auf die CD hat es Kaufmanns überraschendes Liebeslied auf den Hund geschafft. Mit „Du stinkst mir wenn du da bist“ erreicht die kongeniale Sängerin alle Herzen, mitten in die Seelen trifft sie die Zuhörer mit ihrer persönlichen Zustandsbeschreibung „Der eigene Schuh“.
Zwischen Emotion und Humor
Kaufmann und Risse wechseln geschickt zwischen Emotion und Humor. „Mama hat den besten Shit“ sagt Risse als Lied auf seine Schwiegermutter an, sein Text über das Leben der anderen nach seinem Tod wirkt lange nach. Wenig glaubhaft sagt er: „Wir mögen keine Kinder.“ Was folgt ist eine Hymne auf den „Goldfisch“, begleitet von eindeutigem Stöhnen vergleichbar mit der dadurch berühmt gewordenen Restaurant-Szene in der amerikanischen Kult-Komödie „Harry and Sally“.
Dem Hamburger Musiker Thees Uhlmann sprechen Kaufmann und Risse ein „Herz aus Rock'n Roll“ zu, Herbert Grönemeyer gönnen sie mehr Bewegung. In jedem Winkel des Zimmertheaters kommt „irgendwas mit Liebe“ an. „Bis zu dem Tag, an dem wir Geschichte sind“, singt Risse.
Ausverkauft!
Jeder im Raum wünscht Kaufmann und Risse noch mehr Liebe zur angestrebten großen Rock- und Punk-Karriere. Die Chancen für beides stehen gut. „Ich hab' nen Freund gefunden“, singt sich das Paar zum Weinen schön zu. Und die CD ist am Ende des Abends ausverkauft. Kaufmann hofft auf das nächste Konzert am Hockenheim-Ring. „Da gibt es dann auch nicht so ein Gedränge wie heute im Zimmertheater“, ist sie überzeugt.