Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Zwang statt Wollen: Warum Schüler in Containern lernen

Links stehen einige der Container an der Grundschule Einöd, in denen die Schüler lernen.
Links stehen einige der Container an der Grundschule Einöd, in denen die Schüler lernen.

Im Homburger Stadtteil Jägersburg steht ein Schulgebäude leer – und trotzdem muss die Stadt für 2,2 Millionen Euro neue Container kaufen, damit genug Platz für die vielen Schüler da ist. Wie passt das zusammen?

Für 2,2 Millionen Euro muss die Stadt Homburg neue Container kaufen. Das Thema, das im Stadtrat am Donnerstag besprochen wurde, sorgte für viele Seufzer. Auch Bürgermeister Michael Forster zeigte sich mit der Lösung nicht zufrieden.

In den nächsten Jahren werden noch mal mehr Kinder in den Grundschulen und den Freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) die Schulbank drücken. Deshalb braucht die Stadt Container, in denen die Schüler unterrichtet werden können. Betroffen sind die Homburger Stadtteile Einöd, Erbach mit der Luitpoldschule, Bruchhof-Sanddorf, Kirrberg und die Sonnenfeldschule in Homburg.

Kaufen ist sinnvoller als Mieten

„Bisher haben wir es so gehandhabt, dass wir diese Container gemietet haben“, sagte Bürgermeister Forster. Die Verwaltung sei nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung zu dem Ergebnis gekommen, dass es günstiger wäre, die Container zu kaufen. Die könnten per Genehmigung auch fünf Jahre auf dem Gelände stehenbleiben.

Bei den gemieteten Containern sieht das anders aus – die sind nur für zwei Jahre genehmigt. „Das heißt, wir müssen alle zwei Jahre noch mal Container umstellen“, so Forster. Etwa in Bruchhof-Sannddorf, wo die Genehmigung momentan abläuft. Das übliche Verfahren: Die Container, für die die Genehmigung abläuft, entfernen und neue anmieten. Nicht nur organisatorisch umständlich, sondern auch im Vergleich zum einmaligen Kauf mit mehr Kosten verbunden.

Paradoxon schmeckt selbst dem Bürgermeister nicht

Trotzdem ist das nur eine Notlösung. „Unser Bestreben ist nicht, uns auf Containeranlagen zu beschränken – sondern, wir wollen bauen an den Schulstandorten“, erklärte Forster. Das Bauamt werde in die Planungen einsteigen. Das Ziel: Alte Schulstandorte, die vor Jahren geschlossen worden sind, ertüchtigen. Aber: „In fünf Jahren wird das nicht gelingen, da muss man einfach ehrlich sein.“ Dazu müssten aber auch erst einmal die Schulbezirksgrenzen verändert werden, „dass das auch Luft schaffen wird an der einen oder anderen Stelle“, meinte Forster.

Siegfried Stolz (SPD) brachte das offensichtliche Paradoxon auf den Punkt: „In Jägersburg steht ein Schulgebäude leer, und man gibt dann 2,2 Millionen für Container aus.“ Stolz verstehe „die Zwänge, dass man das jetzt so machen muss, aber ich kann das mit meinem Gewissen jetzt nicht vereinbaren“.

Bildungsministerium lehnte Eröffnung von Schule in Jägersburg ab

Bürgermeister Forster klärte über diese Zwänge auf: „Wir können nicht entscheiden über die Eröffnung von neuen Schulen. Da ist das Bildungsministerium gefragt, und in der Vergangenheit wurde das schon mal in Jägersburg versucht. Was aber nicht gestattet wurde.“ Ihm wäre es lieber, die Schulen in Jägersburg oder in Schwarzenbach wieder zu eröffnen. „Auch die Hohenburgschule. Dann würden wir dort Geld investieren, hätten Platz für unsere Kinder.“ Weil dadurch schon genügend Räume zustande kommen würden, wären Container nicht mehr nötig.

Lehrermangel ist auch ein Problem

Es gibt aber einen weiteren Haken: Dafür werde auch das nötige Lehrerpersonal gebraucht. „Das ist ein Problem. Deshalb müssen wir mit den Realitäten jetzt leben, wie sie sind.“ Container kaufen – das ist eine Lösung, die auch Forster „nicht gefällt.“ Und was passiert jetzt? Der neue Beigeordnete der Stadt Homburg, Manfred Rippel (SPD), wird sich mit diesem Thema befassen, kündigte Forster an. Die zentrale Frage: Wie kann man den Schulstandort Homburg weiterentwickeln?

„Die Basis dafür ist gelegt. Wir werden alles daransetzen, dass wir in den nächsten Jahren weiterkommen und dass die Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen und auch in der Betreuung so viele Räume und Plätze zur Verfügung haben, dass dort keine Not entsteht.“ Mit einer Gegenstimme beschloss der Stadtrat die Containerkäufe.

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