Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wildschweinfamilien in Gärten versetzen Anwohner in Angst

Cahyo Marzen und seine Oma Anne-Marie Marzen aus der Saarbrücker Puccinistraße demonstrieren mit einem Erdhaufen, wie schlimm di
Cahyo Marzen und seine Oma Anne-Marie Marzen aus der Saarbrücker Puccinistraße demonstrieren mit einem Erdhaufen, wie schlimm die Wildschweinplage im ganzen Stadtviertel ist.

Dass Wildschweine ab und zu aus den Wäldern kommen und auf Menschen treffen, ist nichts Neues. In Saarbrücken versetzen die Tiere aber ein ganzes Stadtviertel in Angst. Einige Betroffene machen auch der Stadt Vorwürfe.

Wildschweine sind nachtaktiv? Im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual halten sie sich nicht daran, wie das Video eines Anwohners beweist. Auf dem Video sieht man die Tiere bei Tageslicht. Eine Bache mit fünf Frischlingen springt durch den frühlingshaften Garten. Der Mann hat es gefilmt, die Tiere haben Spuren hinterlassen. Die Wildschweine seien Gesprächsthema in der Nachbarschaft des St. Arnualer Wohnviertels am Schenkelberg. In einigen Straßen seien die Wildschweine ein Problem, sagt der Mann und schreibt uns, dass er nicht wisse, was er noch machen könne, um seinen Garten zu schützen.

Namentlich möchte er nicht genannt werden, das Problem beschreibt uns daher eine Nachbarin. Anne-Marie Marzen wohnt seit 46 Jahren im Viertel und hat so etwas bisher noch nie erlebt: „Alle haben neue Zäune installiert, das bringt ein bisschen was. Doch sobald die Frischlinge durch die Zäune kommen, folgen die Muttertiere natürlich“, sagt Marzen. Seit Anfang April kommen ganze Wildschweinfamilien in die Gärten und treiben dort ihr Unwesen. Sowohl Eber als auch Bachen mit Frischlingen wurden zu fast allen Tageszeiten beobachtet, klagt sie und betont, dass die Wildschweine durch die Anwohner kaum aufzuhalten seien.

Betroffene: „Stadt sollte Population der Tiere reduzieren“

„Im Viertel leben viele junge Familien mit Kindern. Wir machen uns Sorgen um die Kinder. Ich sage meinen Enkeln immer, dass sie anrufen sollen, wenn sie sicher zu Hause angekommen sind. Meine Enkelin ist auch schon einem Schwein begegnet“, berichtet die Saarbrückerin. Sie sorgt sich, da den Medien auch schon über Bisse durch Wildschweine berichtet wurde. Zahm seien die Tiere nun mal nicht. Die Dame habe über Jahrzehnte Arbeit in ihren Garten investiert. Nun sei vieles kaputt.

„Die Stadt sollte die Population der Tiere reduzieren. Die Jäger haben früher viele Tiere erlegt. Natürlich darf das nicht im Wohngebiet passieren. Alle Eigentümer mussten sich selbst neue Zäune anschaffen. Die Stadt hat dabei aber nicht geholfen“, so die Rentnerin. Laut einem Jäger beherbergt der Schenkelberg mehr als hundert Tiere. In einem weitläufigen Garten des Viertels soll sogar eine Wildschweinfamilie leben, sagt Marie Marzen. Sie glaubt, dass sich die Tiere rund um den Winterberg und den Schenkelberg gut eingerichtet haben.

Jagdgesetz verbietet Jagd in betroffenen Bereichen

Bei der Stadt Saarbrücken ist das Problem bekannt: Stadtpressesprecher Thomas Blug sagt: „Die Landeshauptstadt Saarbrücken ist eine der waldreichsten Großstädte Deutschlands. Wildtiere wie Wildschweine, Rehe oder Füchse werden daher immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern im Stadtgebiet auf Grundstücken, Straßen und an Containerstellplätzen gesichtet. Bei den aktuell betroffenen innerörtlichen Bereichen in St. Arnual und am Deutsch-Französischen Garten (DFG) handelt es sich um befriedete Bezirke. Das heißt, nach dem saarländischen Jagdgesetz darf dort nicht gejagt werden. Behörden können nur handeln, wenn von Wildtieren eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht. Sollte das der Fall sein, muss die Polizei benachrichtigt werden. Die Beamtinnen und Beamten entscheiden dann vor Ort, wie reagiert werden kann – immer unter Beachtung der gesetzlichen Regelungen.“

Zum Verhalten der Tiere ergänzt Blug: „Wildschweine sind Fluchttiere. Begegnet man einem Wildschwein, sollte man Ruhe bewahren und den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit geben. Einige Stadtbereiche sind für Wildschweine besonders interessant. Dort gibt es in der Regel gute und ruhige Rückzugsmöglichkeiten und Nahrung ist leicht verfügbar.“ Grundstückseigentümer könnten die Wildschweine durch Zäune davon abhalten, aufs Grundstück zu gelangen. „Mit den gesetzlichen Möglichkeiten wird auch heute schon auf bejagbaren Flächen der Landeshauptstadt eine reduzierte Wildschweinpopulation durch die Jägerschaft angestrebt. Allein im städtischen Bereich der Jagdgenossenschaft Saarbrücken konnten so im letzten Jagdjahr fast 150 Wildschweine erlegt werden.“

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