Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Wie mobile Intensivtransporter Leben retten

Das Homburger Team des Intensivtransporters beim Einladen der Spezialtrage.
Das Homburger Team des Intensivtransporters beim Einladen der Spezialtrage.

Sie rollen durchs Saarland, und sie retten Leben: Im Saarland gibt es seit Mitte November zwei neue Intensiv-Transportwägen. Einer ist an der Homburger Uniklinik stationiert. Aber warum sind sie so wichtig?

Wenn man die beiden Fahrzeuge im Vorbeifahren so sieht, könnte man meinen, es seien ganz normale Krankenwagen. Aber der Schein trügt. Denn in ihrem Inneren verbergen sich spezielle Geräte, die Leben retten können.

Genauer gesagt: Das Leben von Menschen, die normalerweise auf der Intensivstation behandelt werden müssten. Wenn sie in ein anderes Krankenhaus oder in eine andere Klinik gebracht werden müssen, kommen die rollenden Intensivstationen zum Einsatz – und sorgen mit Spritzenpumpen, speziellen Beatmungsgeräten und sogar einer Herz-Lungen-Maschine dafür, dass die Patienten auch während der Fahrt stabilisiert werden. Auch eine Intensivtransporttrage, die elektrisch gesteuert werden kann, ist an Bord, berichtet Werner Armbruster im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Oberarzt leitet den Notarztstandort Homburg.

Warum diese Geräte nicht einfach in einen normalen Krankenwagen packen? Weil sie so viel Platz in Anspruch nehmen, dass sie in einem herkömmlichen Rettungswagen gar keinen Platz finden würden. Deshalb sind die Transportwägen „ein kleines bisschen größer, und sie haben ein bisschen mehr Zuladung als die Standard-Rettungswägen“, erklärt Werner Armbruster. Sie dürfen also mehr Gewicht transportieren.

Mindestens eine Fahrt pro Tag

Und das gar nicht so selten, wie man denkt: „Ich würde sagen, dass wir täglich eine Fahrt pro Wagen haben“, so der Oberarzt. Er ist für den zuständig, der auf dem Gelände der Homburger Uniklinik stationiert ist. An der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) steht er und wartet auf seinen nächsten Transport.

Wenn ein Patient transportiert wird, muss immer ein Notarzt von der Klinik für Anästhesiologie (Schmerz- und Intensivmedizin) an Bord sein. Die Voraussetzung: „Die Notärzte müssen eine Zusatzausbildung in der Notfallmedizin haben. Außerdem haben sie vorher an einem speziellen Kurs zur Durchführung von Intensivtransporten teilgenommen“, so Armbruster.

Transportwägen können doppelt eingesetzt werden

Der zweite Wagen kommt von der Rettungswache der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken aus zum Einsatz. Ursprünglich gab es nur diesen einen Rettungswagen, der in Saarbrücken stationiert war. Nun musste das Fahrzeug aber erneuert werden. „Jetzt hat man ein neues System mit zwei Wägen.“ Denn: Die Anzahl der Intensiv-Transporte habe in den letzten Jahren zugenommen. Nur ein Wagen war nicht genug. 315.000 Euro haben sie gekostet. Das Land schießt 25 Prozent (78.750 Euro) zu.

Ein Jahr planten der für den Rettungsdienst im Saarland verantwortliche Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) und der ärztliche Leiter des saarländischen Rettungsdienstes Thomas Schlechtriemen die neuen Wägen. Sie tauschten sich mit beteiligten Kliniken und Organisationen aus, und verbesserten so die Ausstattung der mobilen Intensivstationen.

Die neuen Fahrzeuge, übrigens Mercedes Sprinter, haben aber noch einen Vorteil: Jetzt können sie für gleich zwei Dinge zum Einsatz kommen. Neben den Transporten von Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, „stehen sie auch für den öffentlichen Rettungsdienst zur Verfügung. Sie fahren also auch normale Rettungseinsätze“. Vorausgesetzt, sie werden zur gleichen Zeit nicht für einen Intensivtransport gebraucht. Denn dort liegt ihre Priorität.

Genaue Planung vor der Fahrt ist das Wichtigste

Wie sehen diese Verlegungsfahrten genau aus? „Die abgebende Klinik (von der die Patienten weggebracht werden sollen) bestellt diesen Intensiv-Transporter. Das geht über die Rettungsleitstelle. Vor dem Transport telefoniert der transportierende Arzt mit dem abgebenden und dem annehmenden Arzt.“ Der Arzt, der im Transportwagen ist, fungiert also sozusagen als Bindeglied zwischen den beiden Kliniken.

Dann beginnt die Planung für die jeweilige Fahrt. Es werden Fragen geklärt: „In welchem Zustand ist der Patient? Was hat er alles für Zugänge? Was laufen da für Medikamente?“, erklärt Armbruster. Dann geht es um Details, die für den Transport aber lebenswichtig sind. Denn die Fahrten sind „medizinisch und technisch anspruchsvoll“, so Werner Armbruster. Deshalb muss alles genau geplant sein. „Ob und wie wird der Patient beatmet? Hat er Organunterstützungssysteme? Wenn der Transport machbar ist, fährt man mit dem Wagen in die abgebende Klinik und übernimmt dort vor Ort zusammen mit dem Team den Patienten. Dann wird er in die Zielklinik gebracht.“

Bis nach Trier unterwegs

Gibt es auch Grenzfälle, wo man den Patienten nicht mehr befördern kann? „Wenn der Patient soweit stabilisiert ist, geht das immer. Wenn nicht, muss man manchmal auch vor Ort noch stabilisieren, zusammen mit der Klinik dort vor Ort.

Wohin sind die rollenden Intensivstationen eigentlich überall unterwegs? Außer im Saarland noch in Rheinland-Pfalz. Armbrüster spricht von einem Halbkreis „von Trier über Kusel und Kaiserslautern, bis nach Pirmasens. In dieser Umgebung bewegen sie sich“, erzählt er.

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