Saarbrücken / Saarpfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wie man Menschen mit Rollator oder Rollstuhl beim Busfahren hilft

Für Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, wird das Bus- und Bahnfahren oft zu einer Herausforderung.
Für Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, wird das Bus- und Bahnfahren oft zu einer Herausforderung.

Einer älteren Dame wurde ihr Rollator fast unterm Bus eingeklemmt, als sie aussteigen wollte. Der Busfahrer musste reagieren. Damit solchen Menschen geholfen wird, gibt es den kostenlosen Begleitservice Mobisaar für Bus und Bahn im Saar-Liniennetz. Durch eine Millionenförderung kann es nun weitergehen. Aber auch die Lotsen haben was davon.

Eigentlich muss man sich nicht gerade viele Gedanken darüber machen, wie man im Alltag von A nach B kommt. Der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, in die Stadt oder zum Treffen mit Freunden oder Familie wird oft mit dem Auto zurückgelegt. Wer kein Auto fährt, hat die Möglichkeit, in den Bus oder Zug zu steigen. Im Saarland taten das jedes Jahr laut Statistiken vom saarländischen Verkehrsverbund (Saar VV) über 50 Millionen Menschen in den letzten Jahren. Der Verkehrsverbund wurde 2005 gegründet und betreibt den Busverkehr und neben der Deutschen Bahn auch teilweise den Bahnverkehr.

Wer aber beispielsweise auf Krücken gehen muss, auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist oder sonst wie beim Gehen eingeschränkt ist, für den sieht die Sache anders aus. Und das Fahren mit den Öffentlichen wird schnell zu einem Problem. Das hat der Verfasser dieses Textes selbst miterlebt, als er am Freitagmorgen mit dem Bus von Spiesen-Elversberg nach St. Ingbert fuhr: Eine ältere Dame wollte aus dem Bus aussteigen, war zu langsam, und fand ihren Rollator fast unter dem Bus eingeklemmt. Der Busfahrer musste erst mal den Bus absenken, sodass der Abstand zur Straße geringer wurde. Solche Vorfälle sind zwar selten – aber wenn man regelmäßig Bus und Bahn fährt, sieht man sehr oft Menschen, die auf den Rollstuhl oder den Rollator angewiesen sind.

Der kostenlose Begleitservice hilft

Die Frau wäre vielleicht gar nicht in diese Lage geraten, wenn sie einen Begleiter gehabt hätte, der ihren Rollator für sie aus dem Bus gehoben hätte. Oder, der sie selbst gestützt und sicher aus dem Bus geführt hätte. Einen solchen Service gibt es im Saarland. Er heißt Mobisaar, ist kostenlos und mit dem saarländischen Verkehrsverbund verknüpft. Geschulte Mobisaar-Lotsen helfen diesen Menschen bei ihrer Bus- oder Bahnfahrt, sodass sie sicher an ihr Ziel kommen. Sie helfen ihnen dabei, Barrieren, wie etwa Umsteigesituationen an komplexen Haltestellen, zu überwinden. Auch bei Fragen zu den Fahrplänen werden sie unterstützt; die Lotsen suchen dann mit ihnen die für sie passende Verbindung raus.

Falls sie Schwierigkeiten haben, die Fahrkartenautomaten (etwa beim Scannen des 49-Euro-Tickets im Bus) zu nutzen, wird ihnen auch da geholfen. Die Lotsen holen die Personen, wenn das gewünscht wird, auch daheim ab und fahren mit ihnen bis zum Zielort. Denn obwohl es schon einige Hilfen gibt, etwa die Möglichkeit, den Bus abzusenken, oder Extra-Plätze im Bus, wo man Rollstühle und Ähnliches abstellen kann, sind die Fahrten für solche Menschen trotzdem oft eine Herausforderung.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll zwar barrierefrei werden, das passiert aber nur nach und nach. Die schlimmste Variante: Mobilitätseingeschränkte Menschen können vielleicht gar nicht mehr aus dem Haus und nur noch kurze Wege zu Fuß zurücklegen. Mobisaar hat zwischen Januar und Oktober 2023 rund 6000 Fahrten begleitet. Etwa 900 Kunden haben das Angebot laut Ministerium genutzt; 125 neue seien im letzten Jahr dazugekommen. Zudem steige der Bedarf weiter an, berichtet das Mobilitätsministerium.

„Eine Herzensangelegenheit“

So ein Begleitservice muss natürlich auch finanziert werden. Das Mobilitätsministerium hat nun 1,3 Millionen Euro zugeschossen, um Mobisaar bis 2027 zu fördern. Für Mobilitätsministerin Petra Berg (SPD) sei es eine Herzensangelegenheit, das Projekt weiter zu fördern. Die Arbeit der Lotsen ermögliche es vielen Saarländern, „selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilzunehmen – auch ohne ein eigenes Auto. Dies ist ein elementar wichtiger Beitrag zur Inklusion. Nicht nur für körperlich eingeschränkte Menschen, sondern auch im Falle psychischer Erkrankungen“, sagte Berg.

Projektkoordinator von Mobisaar ist die saarländische Nahverkehrsservice GmbH. Die Betriebskosten werden aus Fördermitteln des Ministeriums für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz finanziert.

Langzeitarbeitslose haben durch Lotsenjob eine Perspektive

Aber nicht nur die Fahrgäste haben vom Begleitservice etwas: Die Lotsen sind in der Regel Langzeitarbeitslose, „denen durch die Arbeit in diesem Projekt eine Chance für den Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt gegeben wird“, berichtet Berg. Ermöglicht werde das durch eine Kooperation mit mehreren Bildungsträgern.

Infos

Der Mobisaar-Service ist werktags von 8 bis 18 Uhr im Saarpfalz-Kreis, im Regionalverband Saarbrücken, im Landkreis Neunkirchen und im Landkreis Saarlouis verfügbar. Er ist für Fahrgäste kostenlos, sie brauchen nur einen gültigen Fahrschein. Wenn man den Service zum ersten Mal nutzen möchte, empfiehlt das Mobilitätsministerium, ihn unter der Telefonnummer 06898 5004000 zu buchen.

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