Neunkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Lilli Nonnweiler mit Ameisenbildern tätowiert

Die 18-jährige Lilli Nonnweiler ist bereit, mit ihrer Nadel Haut zu verschönern. Unser Foto zeigt sie im Tattoostudio ihres Vate
Die 18-jährige Lilli Nonnweiler ist bereit, mit ihrer Nadel Haut zu verschönern. Unser Foto zeigt sie im Tattoostudio ihres Vaters.

Mit sechs Jahren hat sie ihr erstes Tattoo gestochen – auf das Bein ihres Vaters. Mittlerweile sind die Bilder der 18-Jährigen sehr gefragt. Das hat einen Grund.

Die frischgebackene Abiturientin Lilli Nonnweiler aus Neunkirchen hat ein außergewöhnliches Hobby: Sie tätowiert leidenschaftlich gerne. Diese im wahrsten Sinn tief gehende Leidenschaft wurde Nonnweiler in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist einer der gefragtesten Tätowierer Deutschlands und besitzt viele Tattoostudios.

Als sie gerade einmal sechs Jahre alt war, stach Lilli Nonnweiler ihr erstes Tattoo. Die menschliche Leinwand war dabei das Bein ihres Vaters. Das war prädestiniert zum Ausprobieren – auch ihre jüngeren Geschwister nutzten es als Spielfläche. „Dann habe ich eine ganze Zeit nicht mehr tätowiert“, erzählt Lilli Nonnweiler die Geschichte weiter – bis zu ihrem 15. Lebensjahr. Damals kam sie durchs Malen und ihre kreative Ader wieder auf den Tattoo-Geschmack. Aber dann ging es richtig los, und sie begann, professionell zu tätowieren.

Mit dem Kamerateam nach New York

Kurz nach ihren ersten Bildern reiste sie dann mit ihrem Vater auf den Tattoo-Kongress nach New York. Der hat gute Verbindungen in die Tattooszene und ist von Tattoo-Conventions bekannt. Sogar ein deutsches Boulevard-Magazin begleitete sie damals mit einem Kamerateam – erst wollten sie einen Beitrag über die ganze Familie drehen, die zweite Klappe fiel dann nur für Lilli. „Ich war sehr aufgeregt und gestresst“, erzählt die Hautkünstlerin. Ganz so schlimm, wie es in dem damaligen TV-Beitrag gezeigt wurde, war es für die mittlerweile 18-Jährige jedoch nicht.

Dennoch: Der Kongress am Big Apple war für Nonnweiler überwältigend und auch ein stückweit prägend. Und sie erarbeitete sich mit der Zeit ihren eigenen Stil. Einen ganz besonderen: Denn sie setzt ihre Bilder aus zahlreichen kleinen Ameisen zusammen.

Wie funktioniert das? Die kleinen Ameisen als einzelne Bildchen zeichnet sie vorher, und setzt sie dann auf der Haut des Kunden zu einem Gesamtbild zusammen. Man kann sich das wie kleine Mosaiksteinchen vorstellen, die zusammengesetzt ein großes Ganzes ergeben.

Mit einem Totenkopf kamen die Ameisenbilder

„Ich habe mir da keinen richtigen Plan zurechtgelegt. Und die Ameise ist auch nicht mein Lieblingstier“, sagt sie beim Gespräch in einem der Tattoostudios ihres Vaters in einem ehemaligen Wasserturm bei der Neunkircher Gebläsehalle.

„Die Tattoo-Szene wird immer größer. Man braucht also etwas, um aus der Masse herauszustechen“. Nonnweiler hat sich damals überlegt, wie sie das Motiv eines Totenkopfes interpretieren könnte. Eine Idee war dabei die mit den Ameisen. Sie veröffentlichte ihre Zeichnung auf Instagram und bekam von ihrer Community enormen Zuspruch. Die Nachfrage nach den Ameisen-Tattoos ist riesig.

Ein Tattoo für ihre ehemalige Lehrerin

Nonnweiler hat sogar einigen ehemaligen Mitschülern und einer Lehrerin das Insekt unter die Haut gestochen. Mittlerweile bekommt sie Anfragen aus aller Welt für eins der Ameisen-Tattoos. „Letztens ist einer dafür extra fünf Stunden hergefahren“, ergänzt die 18-Jährige. Aber wird das nicht irgendwann eintönig? „Nein. Auch bei der zweitausendsten Ameise wird das für mich nicht langweilig“, antwortet die junge Haut-Schmückerin und lacht. Das größte Motiv, welches sie aus den Ameisen gezaubert hat, war das Logo des Superhelden-Franchise „Marvel“ – gestochen hat sie es auf einen Oberschenkel.

Auffällig im Gespräch ist, dass Nonnweiler selbst vollkommen unbebildert scheint. „Ich habe nur dieses kleine Tattoo hier. Es ist ein Freundschaftstattoo“, sagt sie und zeigt auf das Motiv eines kleinen Toastbrotes in ihrer Armbeuge. Ansonsten hat sie keine Tattoos auf ihrer Haut – „noch nicht“, fügt sie hinzu. Bevor sie sich etwas sticht, will sie sich zu einhundert Prozent sicher sein. Denn: „Das bleibt ja dann ein Leben lang“. Und auch ihr Vater ist – ganz untypisch für einen Tätowierer – nicht am gesamten Körper bebildert.

Beruf: Was Kreatives soll es sein

Und wie geht die Reise weiter? Nonnweiler kann sich gut vorstellen, irgendwann ihr eigenes Tattoostudio zu besitzen. „Früher wollte ich immer ein Studio in Los Angeles“, schwelgt sie in ihren frühen Träumen. Aber auch die Modebranche hat es der 18-Jährigen angetan. Ein Studium in diese Richtung kann sie sich gut vorstellen. Fest steht: Nonnweilers Beruf muss ihre kreative Ader beanspruchen. Ein traditioneller Job im Büro ist nichts für die Neunkircherin.

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