Saarbrücken Wasserstoffauto für Fahrschüler der „Generation Greta“
Adrian Bredebusch bezeichnet sich selbst als umweltbewusst. Er geht zwar nicht jeden Freitag auf die Straße. Trotzdem unterstützt er die „Fridays for Future“-Bewegung und deren Forderung nach mehr Klimaschutz aktiv. Dass der 23-Jährige aus beruflichen Gründen den Führerschein machen muss, passt da nicht so ganz in sein Denken. Doch sein Unbehagen darüber, dass er mit seinen Fahrstunden selbst zum CO 2 -Ausstoß beiträgt, ist kleiner geworden. Er nimmt jetzt Unterricht in einer Fahrschule in Saarbrücken, die komplett auf herkömmliche Verbrennermotoren verzichtet.
Bei seiner Suche nach einer Fahrschule habe er zwar durchaus preisgünstigere Alternativen entdeckt, sagt Adrian Bredebusch. Doch das Konzept von „Voovoo Drive“ habe ihn überzeugt, „weil dort ein Umweltbewusstsein existiert, das in die richtige Richtung geht. Und weil sie dort Pioniere sind mit Wasserstoff.“ Der Saarländer zeigt sich überzeugt, dass er mit seiner Meinung nicht alleine ist. „Ich bin sicher, das sagt auch anderen jungen Menschen zu. Denn wir sind die, die diesen Planeten auch noch die nächsten 50, 60 oder 70 Jahre erleben werden. Dementsprechend sehe ich mich mit in der Verantwortung, etwas dazu beizutragen.“
„Die erste in Deutschland mit Wasserstoff“
Hinter der Saarbrücker Fahrschule, die für sich selbst als „Deutschlands erste Fahrschule mit Wasserstoffauto“ wirbt, stehen die beiden Jungunternehmer Sven Schmitt und Rouven Klein. Sie bilden mit Autos aus, die mit Strom, Biomethan und Brennstoffzellen (Wasserstoff) angetrieben werden. „E-Autos gibt es schon einige in Fahrschulen“, meint Harald Klein, der Vater eines der Gründer. „Aber wir bieten wirklich eine absolute Premiere.“ Denn mithilfe des Partners Toyota Deutschland sei zum ersten Mal bundesweit ein Brennstoffzellenfahrzeug zum Fahrschulauto umgebaut worden.
Nach Gesprächen mit den ersten vier Fahrschülern sieht Klein seinen Sohn und dessen Partner auf dem richtigen Weg: „Der Ruf nach einer emissionsfreien Innenstadt wird immer lauter. Gerade junge Leute geben Acht auf die Umwelt und die Zukunft. Und jetzt kommt die ,Generation Greta Thunberg’ in die Fahrschulen“, meint er.
Die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) begrüßt das Konzept. „Wir wollen die Lebensqualität in unseren Städten verbessern, das Klima schonen und den Verkehr rollen lassen. Dazu brauchen wir neue Mobilitätskonzepte“, sagt sie. Fahrschulen könnten da eine wichtige Rolle spielen: Fahranfänger verlören die Skepsis vor alternativen Antrieben, und ihr Sinn fürs umweltbewusste Fahren werde geschärft.
E-Auto in Zweibrücken
Nicole Bäumchen, stellvertretende Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Pfalz, spricht von einer „Supersache“. In Rheinland-Pfalz gebe es noch Nachholbedarf in Sachen umweltbewusstes Fahren. „Im kleinen überschaubaren Zweibrücken ist dieses Denken noch nicht ganz so angekommen“, meint sie. Ihre Fahrschule habe vor einem halben Jahr ein E-Auto angeschafft: „Am Anfang ist es noch eingeschlagen wie eine Bombe. Mittlerweile ist es schon eher in Vergessenheit geraten.“ Hoffnungen setzt sie in die neue Automatik-Regelung, die in Deutschland seit 1. April gilt. Demnach können Schüler jetzt auch auf Automatik-Fahrzeugen, die als spritsparender gelten, ihre vollwertige Prüfung ablegen, wenn sie zehn Übungsstunden in einem Wagen mit Schaltung nachweisen. „Ich hoffe, dass da jetzt ein bisschen frischer Wind reinkommt“, meint Bäumchen.
Auch der Landesverband der Fahrlehrer Saar verzeichnet ein wachsendes Umweltbewusstsein bei den Schülern: „Viele fragen mittlerweile bewusst nach Automatik-Technik“, sagt der Vorsitzende Detlef Mühlast. Diverse Fahrschulen seien bereit, in die teureren E-Autos zu investieren. „Das mit den Kosten hat sich relativiert“, sagt Mühlast mit Blick auf den Umweltbonus, den es von Bund und Herstellern und auf besondere Konditionen einiger Firmen gibt.
Bei Tempo 50 hübsch im vierten Gang
Von den 300 Fahrschulen im Saarland hätten höchstens ein Drittel Elektroautos. Doch auch in Autos mit Verbrennermotoren und Schaltgetriebe könne und müsse man umweltschonendes Fahren lernen. „Das ist nicht nur in der Theorie, sondern auch in den Prüfungen ein Kriterium“, betont er. Prüfer achteten heute darauf, ob man bei Tempo 50 innerorts im vierten Gang fährt, um die Drehzahl nicht zu hoch zu treiben.
Die Idee von „Voovoo Drive“, nun ein Wasserstoff-Auto einzusetzen, sieht Detlef Mühlast aber mit Skepsis. „Ich weiß noch nicht genau, wie ich das einordnen soll. Aber mit Sicherheit ist das irgendwo die Zukunft parallel zu einem Elektromotor.“ Aktuell seien die Möglichkeiten, damit zu tanken, allerdings auf eine Tankstelle in Saarbrücken-Gersweiler begrenzt. „Ich glaube, das ist vor allem ein guter Werbeeffekt.“
Ist Adrian weltweit Pionier?
Harald Klein von „Voovoo“ hält dagegen: Wenn sich der Wasserstoff erst einmal durchsetze – wie etwa in der Schweiz, wo schon Lastwagen damit liefen – werde das Tankstellennetz schnell ausgebaut. „Und dann sind wir ganz vorne.“
Dass der Fahrschüler Adrian Bredebusch vielleicht ein Stückchen Geschichte mitschreibt, wird ihm erst jetzt bewusst: „Mein Fahrlehrer hat mir gesagt, ich sei der erste Schüler, der vielleicht weltweit in einem Wasserstoff-Auto unterwegs ist.“ Wie er das findet? „Cool!“