Blieskastel
Was der Tabakladen „Die Zwiwwel“ mit Quentin Tarantino zu tun hat
In Blieskastel befindet sich der womöglich älteste Tabakladen Deutschlands. Besitzer Andreas Burger erbte den rund 150 Jahre alten Laden „Die Zwiwwel“ im Jahr 2010 und sucht nun einen Nachfolger.
Stolz steht Andreas Burger vor der, wie er sagt, ältesten Pfeifensammlung. Sie befindet sich in einer unscheinbaren Vitrine in seinem Tabakladen „Die Zwiwwel“, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert. Stolz zeigt er eine auffällige Pfeife mit einem weißen Kopf, vermutlich stammt sie von Ende 1800. Er nennt sie „die berühmteste Meerschaumpfeife der Welt“. Zum Beweis hält er einen ausgedruckten Wikipedia-Artikel mit derselben Pfeife als Titelbild in der Hand.
Pfeifen für bis zu 20.000 Euro
Über mehr als 700 Pfeifen hat der 60-Jährige in seinem Laden versammelt. Preislich bewegen sich diese zwischen 15 Euro bis hin zu 20.000 Euro. Verkaufen möchte er die besonderen Stücke seiner Sammlung zwar nicht unbedingt, bei dem richtigen Preis ist er jedoch gesprächsbereit „Aber natürlich nicht für einen Apfel und ein Ei“, betont er.
Die Sammlung steht sinnbildlich für den Laden in der Kardinal-Wendel-Straße in Blieskastel, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Egal ob die Fliesen oder die Kasse – fast alles befindet sich noch im selben Zustand wie 1873.
In Gedenken an die Familie blieb der Laden im ursprünglichen Zustand
Andreas Burger übernahm den ehemaligen Kolonialwarenladen im Jahr 2010, nachdem der vorherige Besitzer, ein Nachfahre der Familie, die den Tabakladen ursprünglich führte, krankheitsbedingt verstarb. „Wie die Mutter zum Kind“ sei er dazu gekommen, sagt er. „Ich war 20 Mal hier drin. Ich habe mich mit dem Mann direkt gut verstanden“, erzählt der gelernte Computertechniker. Nach dessen Tod bekam er ihn schließlich überschrieben und setzte sich zum Ziel, den Laden zum Gedenken an die Familie in seiner ursprünglichen Form weiterzuführen.
Den kuriosen Namen „Die Zwiwwel“ bekam der Laden laut Burger früher, als sein damaliger Besitzer vor der Tür eine Zwiebel schälte und diese schließlich aß. „Gummo do, die Zwiwwel“, soll der Legende nach ein Passant geschrien haben. Was zuerst ein Spitzname war, ist heute die offizielle Bezeichnung des Tabakladens.
Stammkundin Maria kommt jeden Morgen
Nach etwas Recherche fand Andreas Burger heraus, dass es sich um den ältesten Tabakladen in Deutschland zu handeln scheint. „Aber es gab drei ältere Läden in Kuba“, erzählt er. Seit einigen Jahren seien diese Läden im karibischen Land aber nicht mehr zu finden, ihre Internetpräsenz verschwunden. Burger führt dies auf einen Tornado zurück, der vor rund sieben Jahren in Kuba wütete und große Zerstörung anrichtete. „Daher vermuten wir halt stark, dass wir inzwischen der Älteste sind“, sagt er. Zwar gäbe es namensmäßig ältere, wie beispielsweise in Frankreich – die würden sich jedoch nicht in den ursprünglichen Zuständen und Gebäuden befinden.
Seit der Corona-Pandemie lebt der Laden vor allem von älteren Stammkunden. „Menschen, die sich wohlfühlen, sich aufwärmen und gerne hier sind“. Wie beispielsweise eine seiner treuesten Kundinnen, Maria. Jeden Morgen kommt sie her, raucht eine Zigarette und ließt Zeitung – wie auch an diesem Morgen. Am liebsten seien ihm die Kunden, die Interesse zeigen. Dann führt er sie gerne wie in einem Museum durch die verschiedenen Sammlungen. „Auch wenn das ’ne Stunde dauert!“
Keinen einzigen Tag Urlaub
Er bereut die Übernahme des Tabakladens bis heute nicht, auch wenn es nicht immer einfach sei. „Entweder es macht Ihnen Spaß – dann wollen Sie hier nie mehr raus –, oder es macht Ihnen keinen Spaß“. Da der Markt in Blieskastel begrenzt ist, müsse er jedoch seit jeher um Kunden kämpfen. In den 13 Jahren seit seiner Übernahme des Betriebs habe er keinen Tag Urlaub gehabt. „Man hasst es, oder man liebt es!“, sagt er.
Was der Laden mit Quentin Tarantino zu tun hat
Er blickt auf eine weitere, auffällig gelbe Pfeife aus seiner wertvollen Sammlung. Eine sogenannte „Kalebassen-Pfeife“. Die gleiche Pfeife, der sich laut Burger Quentin Tarantino regelmäßigen in Filmen wie „Inglourius Basterds“ bedient und die im ersten Schwarzweißfilm der Reihe Sherlock Holmes vorkam. Egal woher der Kunde aus der Welt in den Laden komme, „ich habe etwas, das er noch nicht hat, das garantiere ich“, erzählt er stolz.
Mit seinen 60 Jahren befindet sich Andreas Burger jedoch bereits in einem Alter, indem er so langsam ans Aufhören denkt. Seit einiger Zeit befindet er sich daher auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für seinen Laden, der diesen auch wieder in seinem ursprünglichen Zustand weiterführt. Sein Ziel: „Dass der Laden den Titel, den er hat, behält und bekannter wird, als er es jetzt ist“, erklärt er. Denn solange die Tür nicht zugesperrt sei, bleibe es schließlich der älteste Tabakladen.