Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum 2600 Autofahrer geblitzt wurden, obwohl sie nicht zu schnell fuhren

Wer auf der Saarbrücker Stadtautobahn am Wochenende falsch geblitzt wurde, muss kein Knöllchen zahlen, sagt Polizeisprecher Step
Wer auf der Saarbrücker Stadtautobahn am Wochenende falsch geblitzt wurde, muss kein Knöllchen zahlen, sagt Polizeisprecher Stephan Laßotta.

Da dürften 2600 Autofahrer gestaunt haben, als sie am Wochenende auf der Saarbrücker Stadtautobahn das Licht eines Blitzers bemerkten. Und das, obwohl sie gar nicht zu schnell waren. Dahinter steckt eine kuriose Erklärung.

Wenn man geblitzt wird, ist das immer ärgerlich – aber oft auch berechtigt, geht es letzten Endes doch um die Sicherheit im Straßenverkehr. Wenn man aber geblitzt wird, obwohl man gar nicht zu schnell war, dann ist man wahrscheinlich sauer. Und fragt sich: Wie kann denn das bitte passiert sein?

Genauso ging es etwa 2600 Autofahrern, die am Wochenende auf der Stadtautobahn A620 ihrer Wege fuhren. 80 Kilometer pro Stunde waren erlaubt, das wurde auf der Schilderbrücke auch so angezeigt – es wurden aber schon die Autofahrer geblitzt, die mehr als 60 Sachen draufhatten. Der Panzerblitzer, der in Höhe der Luisenbrücke in Fahrtrichtung Saarbrücken stand, sollte laut Polizei die Autofahrer wegen einer dortigen Baustelle überwachen. Deshalb sei der Blitzer auf Tempo 60 eingestellt gewesen. Der Haken: Die Baustelle wurde gegen 17 Uhr am vorigen Samstag aber schon abgebaut und war weg – und damit auch die Geschwindigkeitsbegrenzung. Es galt also, dass man statt 60 wieder 80 fahren durfte. Das wusste nur der Blitzer noch nicht.

„Kommunikationsproblem“ beim Baustellenende

Laut Stephan Laßotta, Pressesprecher des Saar-Landespolizeipräsidiums, sei es nicht vergessen worden, den Blitzer auf die korrekte Geschwindigkeitsbegrenzung umzustellen. „Da gab es ein Kommunikationsproblem mit dem Ende der Baustelle“, sagt er der RHEINPFALZ am Dienstagmittag. Die Baufirmen informieren Stadt und Polizei in der Regel immer darüber, wann die Baustellen abgebaut werden – „möglicherweise waren sie früher fertig. Dann hat man die Schilderbrücke wieder umgestellt. Aber der Zeitpunkt des Baustellenschlusses war für uns nicht ganz klar.“ So konnte der Blitzer auch nicht auf die nach Baustellenende neue Geschwindigkeitsbeschränkung umgestellt werden. Und er erfasste munter all jene, die eben mit Tempo 60 auf der Stadtautobahn unterwegs waren. So kam es, dass die Radarkontrolle zwischen Samstag ab 17 Uhr bis zum Montagmorgen von etwa 2600 Autofahrern fälschlicherweise Fotos machte, sagt Laßotta.

Es könnten aber noch ein paar mehr Fahrzeuge geblitzt worden sein, da die Auswertung noch nicht vollständig vorliege. Nun werde für jedes ausgelöste Blitzerfoto geprüft, wie der Stand der Anzeige war, also ob noch Tempo 60 oder nach Baustellenende wieder Tempo 80 erlaubt war.

Kein Knöllchen für die falsch Geblitzten

Aber: Wer irrtümlich geblitzt worden ist und nicht mehr als 80 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho hatte, der kann erleichtert sein. Denn diesen Autofahrern werde kein Knöllchen ins Haus flattern, berichtet Stephan Laßotta. Da die Blitzer aufzeichnen, wen sie wann vor die Linse bekommen, kann die Polizei ganz einfach mithilfe der Datenbank der elektronischen Geschwindigkeitsschilder abgleichen, welches Tempo zum Zeitpunkt des Blitzens gegolten hat.

Auf der Stadtautobahn werden laut Laßotta grundsätzlich alle Blitzermessungen überall, wo Schilderbrücken Geschwindigkeiten anordnen, noch einmal separat nachgeprüft. „Die Schilderbrücke könnte ja mal ausfallen, und dann wird Ihnen gar nichts angezeigt“, nennt der Polizeisprecher ein Beispiel.

Der Blitzer wurde abtransportiert

Dass Blitzer falsch eingestellt werden, kommt laut Laßotta eigentlich nie vor. „Das ist der erste Fall, der mir bekannt ist“, sagt er.

Wer mit mehr als 80 Sachen tatsächlich zu schnell gewesen ist, kann der Polizeisprecher momentan noch nicht sagen. Das werde nun ausgewertet. Weiteren Ärger mit der Radarkontrolle gibt es nun allerdings nicht mehr: Mittlerweile ist der Blitzer von der Stadtautobahn abtransportiert worden, sagt Stephan Laßotta.

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