Bundestagswahl Wahlkreis 299: Große Unterschiede zwischen Erst- und Zweitstimme

Der Sozialdemokrat Esra Limbacher hat den Wahlkreis 299 gewonnen. Seine Partei ist bei den Zweitstimmen aber auf Platz drei.
Der Sozialdemokrat Esra Limbacher hat den Wahlkreis 299 gewonnen. Seine Partei ist bei den Zweitstimmen aber auf Platz drei.

Der Sozialdemokrat Esra Limbacher hat den Wahlkreis 299 knapp gewonnen. Der Wahlgewinner ist aber jemand völlig anderes.

Gleich drei Parteien haben sich im Wahlkreis 299 ein enges Rennen geliefert − sowohl bei Erst- als auch Zweitstimme. Gemeint sind SPD, CDU und AfD. Der Wahlkreis 299 umfasst den gesamten Saarpfalz-Kreis inklusive der Städte Homburg, St. Ingbert und Blieskastel, ebenso gehören Neunkirchen, Spiesen-Elversberg sowie die Gemeinden Quierschied, Sulzbach und Friedrichtsthal im Regionalverband Saarbrücken dazu.

Knapper Sieger als Direktkandidat im Wahlkreis 299 ist Esra Limbacher. 30,5 Prozent der Wähler schenkten dem Sozialdemokraten ihre Stimme. Limbacher ist seit 2021 Bundestagsabgeordneter. Geboren wurde der 35-Jährige in Wiesbaden, seit seiner frühen Kindheit wohnt er im Saarland, aktuell im Homburg. Vergleicht man Limbachers Ergebnis mit dem von 2021 wird deutlich: Der Sozialdemokrat hat Stimmen verloren, genauer gesagt 6,1 Prozentpunkte. Etwas aufgeholt hat dafür der CDU-Direktkandidat Markus Uhl. Mit 28 Prozent der Wählerstimmen (2021: 26,1) landete er knapp hinter seinem sozialdemokratischen Kontrahenten. Seit 2017 sitzt Uhl im Bundestag. Mit der Wahlreform hat aber nicht automatisch jeder gewählte Direktkandidat einen Platz im Bundestag. Voraussetzung ist, dass die Partei des Kandidaten auch die entsprechende Anzahl Sitze bei der Zweitstimme bekommen hat.

Absoluter Wahlgewinner bei der Erststimme ist im Wahlkreis 299 jedoch jemand anderes: Olexij Shvydkyi (AfD). 23,4 Prozent der Wähler machten hinter seinem Namen ihr Kreuz bei der Erststimme, unter anderem in Neunkirchen hat der AfD-Kandidat sogar die meisten Erststimmen abgeräumt. Die AfD hat somit im Wahlkreis bei ihrem Erstkandidaten ihr Ergebnis aus 2021 mehr als verdoppeln können.

Linken-Kandidat Michael Arndt hat 6,6 Prozent bekommen, Carolin De Marino (Grüne) 4,4 Prozent. Für Axel Kammerer, Direktkandidat der Freien Wähler, stimmten 3,8 Prozent der Wähler. Schlusslicht bei den Direktkandidaten ist Klaus Kieser von der FDP: 3,2 Prozent.

AfD legt bei Zweitstimmen zu, SPD großer Verlierer

Blick auf die Zweitstimme: Hier konnten die Christdemokraten im Wahlkreis die meisten Stimmen einheimsen (26 Prozent). Im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 machte die CDU somit 3,1 Prozent gut. Viel mehr Stimmen gab es im Wahlkreis für die AfD: 23,7 Prozent, also 12,2 Prozentpunkte mehr als 2021. Die SPD landet auf Platz drei (22 Prozent), der Abstand zwischen Sozialdemokraten und AfD ist jedoch weitaus geringer als im Bundesdurchschnitt. Die Linken haben ihr Wahlergebnis aus 2021 leicht verbessern können: 6,7 Prozent. Anders sieht es bei den Grünen aus: Die standen bei der Bundestagswahl vor dreieinhalb Jahren gar nicht als Zweitstimmen-Option auf dem Wahlzettel. 6,6 Prozent der Wähler im Wahlkreis 299 stimmten für die Partei. Ginge es nach den Wählern im Wahlkreis 299, dann hätte es das Bündnis Sarah Wagenknecht in den Bundestag geschafft: 5,8 Prozent. Die FDP hat Zweitstimmen verloren: 4,2 Prozent der Wähler haben für die Liberalen gestimmt, ein Minus von sieben Prozentpunkten.

Weniger Wahlberechtigte, höhere Wahlbeteiligung

Wahlberechtigt waren im Wahlkreis 299 180.543 Personen − etwa 5000 weniger als zur Bundestagswahl 2021. Gewählt haben 148.003, die Wahlbeteiligung liegt somit bei knapp 82 Prozent. Zum Vergleich: 2021 lag die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 299 bei 76,5 Prozent. Gültige Erstimmen wurden 146.016 abgegeben, ungültig waren 1987 Erststimmen. Bei den Zweitstimmen waren 146.663 Stimmen gültig, 1340 ungültig.

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