St. Ingbert Voit-Insolvenz: Stadtratsfraktionen fordern Hilfe von Landesregierung
„Es gilt, jetzt alle Kräfte zu bündeln und konzentriert zu helfen“, betonen die Vorsitzenden der St. Ingberter CDU, Grünen und Familien-Partei. Der Automobilzulieferer Voit ist für die drei Parteien mit seinen über 900 Arbeitsplätzen nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber in St. Ingbert, „sondern ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region.“ Die Insolvenz des Betriebes samt Verlust der 900 Jobs hätte „gravierende Folgen für die betroffenen Familien, die Stadt und den Wirtschaftsstandort Saarland“, schreiben die drei Parteien in einer gemeinsamen Presseerklärung.
CDU, Grüne und Familienpartei appellieren an die Landesregierung und formulieren gleich mehrere Vorschläge, wie die Politik dem angeschlagenen Unternehmen helfen könne. Erste Idee ist, dass das Land Grund und Boden kauft und zu günstigen Konditionen an Voit verpachtet. „Dies würde dringend benötigte Liquidität schaffen“, finden die drei Parteien. Zweite Idee ist es, dass das Land die Energiekosten absichert, möglicherweise durch eine Ausfallbürgschaft. Dann fordern die drei Parteien eine Branchen- und Transformationsförderung. „Die Zukunft der Automobilindustrie liegt in nachhaltigen Mobilitätslösungen. Voit sollte aus dem Drei-Milliarden-Transformationsfond gezielt in diese Richtung unterstützt werden“, fordern CDU, Grüne und Familien-Partei. Die vierte Idee ist, dass das Land eine Landesbürgschaft für Voit bereitstellt, „um die finanzielle Stabilität des Unternehmens in der Umstrukturierungsphase zu sichern“. Eine solche Bürgschaft könnte es Voit laut den drei Parteien ermöglichen, leichter an Kredite zu kommen, notwendige Investitionen zu tätigen und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Trotz Insolvenz: Rettung der 900 Jobs?
Wie diese Woche berichtet, soll die Insolvenz nicht das Ende von Voit bedeuten − das Verfahren solle dafür genutzt werden, das Unternehmen zu sanieren. Darin seien sich Unternehmen, Gewerkschaft und die Rechtsanwälte einig. Letztere stehen dem Unternehmen im Verfahren als Generalbevollmächtigte beratend zur Seite. Voit führt das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durch. Laut den Rechtsanwälten könnten Verträge gekündigt oder neu ausgehandelt werden, zudem müsse man mit Banken über Forderungserlasse und mit Kunden über verbesserte Konditionen sprechen. Dass Jobs gestrichen werden könnten, könne man nicht ausschließen. Patrick Selzer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken, erklärt, die Löhne der Beschäftigten werden bis März über das Insolvenzgeld gezahlt. Konkrete Details zu Insolvenzplan, oder wie es mit den über 900 Jobs weitergeht, werden sich erst „in den nächsten Wochen entwickeln“. Diese Details müssten für das Insolvenzplanverfahren ab dem 1. April stehen.