Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Verhandler der Polizei lösen lebensbedrohliche Situationen auf

Beamte von SEK und Verhandlungsgruppe retten einen Suizidgefährdeten am 22. Februar vom Dach eines Hotels in Saarlouis-Roden.
Beamte von SEK und Verhandlungsgruppe retten einen Suizidgefährdeten am 22. Februar vom Dach eines Hotels in Saarlouis-Roden.

Immer wieder die Talbrücken. Regelmäßig kommt es dort zu Selbstmorden. Davon künden die Kreuze, die Trauernde dort aufgestellt haben. Stumm erinnern sie an Tragödien, in Sulzbach wie in Fechingen. Die saarländische Polizei hat Spezialisten, die dramatische Situationen zum Guten wenden sollen: die Beamten der Verhandlungsgruppe.

Diese Truppe wird von Hauptkommissarin Sarah Sersch geleitet. Erst vor wenigen Tagen hatte die Verhandlungsgruppe einen Lebensmüden in Dillingen von einem Dach geholt. „Die Verhandlungsgruppe ist eine speziell geschulte Einheit der saarländischen Polizei“, erläutert Sersch. „Ihre Aufgabe ist es, in Einsatzlagen wie Geiselnahmen, Entführungen oder Suizid-Lagen mit Menschen zu kommunizieren. Da sich die betroffenen Personen häufig in einem psychischen Ausnahmezustand befinden, sind sehr gute kommunikative Fähigkeiten gefragt.“

Selbstmord-Situationen finden die größte Aufmerksamkeit, weil sie sich in der Öffentlichkeit abspielen. Weil Verkehr gesperrt, Umleitungen eingerichtet, Feuerwehr und Rettungsdienste hinzugerufen werden.

Oft arbeite die Einheit aber im Verborgenen. „Wir sind zuständig für die Analyse und Bewertung sogenannter ,inkriminierter’ Botschaften, beispielsweise von Erpresserschreiben. In diesen Fällen müssen wir mit standardisierten Analysemethoden Erkenntnisse über die Täterpersönlichkeit und das bestehende Gefährdungspotenzial erlangen“, erklärt Sarah Sersch.

Enge Zusammenarbeit mit dem SEK

Nach ihren Angaben wird die Verhandlungsgruppe 35- bis 45mal im Jahr alarmiert. Einsatzschwerpunkte seien angedrohte Selbstmorde und die Bedrohung Dritter. Eng arbeitet sie mit den Spezialkräften (SEK) zusammen, dort ist sie angedockt. Einige der Beamten arbeiten im Wach- und Streifendienst. Dann kommen sie aus dem Dienst, aber auch aus der Freizeit zum Einsatz. Zuständig ist das Team im ganzen Saarland, es unterstützt aber auch in anderen Bundesländern und sogar im Ausland. „Wenn wir alarmiert werden, geht es oft um lebensbedrohliche Situationen. Wir kommen bei Entführungen, Geiselnahmen, herausragenden Erpressungen, Bedrohungs-, Amok- und Suizid-Lagen und Anschlägen zum Einsatz.“ Ebenso bei Revolten in Gefängnissen.

Rettung nach stundenlangen Verhandlungen

Sarah Sersch: „Unser letzter Einsatz war in Saarlouis. Dort war ein 29-jähriger Mann aufs Dach eines Hauses geklettert und drohte, in die Tiefe zu springen.“ In stundenlangen Verhandlungen habe man den Mann dazu bewegen können, in seine Wohnung zurückzusteigen und die Tür zu öffnen.

Regelmäßig bildet sich die Gruppe fort, tauscht sich aus mit Verhandlern in Rheinland-Pfalz und Luxemburg. „Einige Mitglieder der Gruppe sprechen Fremdsprachen auf hohem Niveau“, beantwortet Sersch die Frage zum Umgang mit Sprachproblemen. Auch Dolmetscher hole man hinzu.

Und wenn alles Reden nichts mehr bringt? „Die Polizei bemüht sich stets um eine gewaltfreie Lösung und strebt Verhandlungen an“, sagt Sersch. „Ausnahmen gibt es, wenn Betroffene keine Kommunikation zulassen oder wenn in einer akuten Gefährdungssituation ein sofortiger Zugriff erfolgen muss.“ Dann habe man die Kollegen vom SEK zur Hand.

Entscheidend ist das Gespräch

Aber zuerst werde stets das Gespräch gesucht. Dann trete ein Teammitglied als „Sprecher“ oder „Sprecherin“ auf, die übrigen Mitglieder der Verhandlungsgruppe agieren im Hintergrund: „Die Aufgaben reichen von der Informationserhebung über das Entwickeln von Gesprächskonzepten bis hin zur Betreuung von Angehörigen.“ Für all dies sei die Gruppe jeden Tag rund um die Uhr erreichbar.

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