Saarbrücken
„Tagtägliche Anfeindungen“ von Schwulen und Lesben: Was tun?
Letztes Jahr gab es doppelt so viele Angriffe auf die queere Community, also auf schwule, lesbische, bisexuelle Menschen und Transgender (kurz: LGBTQI). Zuletzt war es im Juni auf dem Saarbrücker CSD zu queerfeindlichen Angriffen gekommen. Damit so was gar nicht erst passiert, fordern die Saar-Grünen einen Beauftragten, der solche Straftaten verfolgt.
Ein Szenegastronom war beim CSD vor einem Monat angegriffen und am Auge verletzt worden; der Täter wurde nicht gefasst. Der Gastronom rief in den sozialen Medien Betroffene auf, sich bei der Polizei zu melden. Mehr als 20 Menschen meldeten sich und erzählten, dass sie beim CSD beleidigt, geschubst oder angespuckt worden seien. Das Landespolizeipräsidium berichtet, dass Hinweise auf mögliche Straftaten im Zusammenhang mit dem CSD vorliegen. Die Abteilung Staatsschutz gehe dem nach.
Dillschneider: „Queere Menschen müssen sich um ihr körperliches und seelisches Wohl sorgen“
Die Saar-Grünen möchten verhindern, dass es überhaupt erst so weit kommt. Eine Beauftragtenstelle, die sich mit der Verfolgung von Straftaten gegen queere Menschen befasst, sei dringend notwendig, so Landesvorsitzende Jeanne Dillschneider. Sie sagt: „Auch außerhalb von Veranstaltungen leiden queere Menschen tagtäglich unter Anfeindungen und müssen sich um ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden sorgen. Neben den ehrenamtlichen Anlaufstellen muss es im Saarland auch einen Beauftragten spezifisch für LGBTQ-feindliche Straftaten geben, der als Anlaufstelle für Betroffene gilt.“ Der Beauftragte solle außerdem kostenlose Rechtsberatung anbieten, fordern die Saar-Grünen. Damit könnten queere Menschen ermutigt werden, Taten zur Anzeige zu bringen. Denn oft würden sie sich aus Scham nicht trauen, zur Polizei zu gehen, so Sprecher Santino Klos. Er kritisiert, dass es zu LGBTQ-feindlichen Straftaten im Saarland keine konkreten Zahlen gebe.
Im hessischen Justizministerium gibt es jetzt einen LGBTQI-Beauftragten. Laut Bundesinnenministerium gab es letztes Jahr in Deutschland 870 Straftaten in der Kategorie „sexuelle Orientierung“. Das sind 50 Prozent mehr als im Jahr davor.