Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Synagogengemeinde Saar: „Wir befinden uns im Schockzustand“

Evgenij Mrinski vertritt seit September 2022 die Synagogengemeinde Saar als Geschäftsführer. Viele Mitglieder in der Gemeinde si
Evgenij Mrinski vertritt seit September 2022 die Synagogengemeinde Saar als Geschäftsführer. Viele Mitglieder in der Gemeinde sind vom Angriff der Hamas auf Israel betroffen. »Es gibt kaum ein Gemeindemitglied, das nicht Verwandte in Israel hätte. Alle sind erschüttert«, sagt er.

Seit dem Großangriff der Hamas auf Israel ist die Gefahr von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen gestiegen, auch im Saarland. Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt, aus der Bevölkerung gibt es Solidaritätsbekundungen. Unsere Mitarbeiterin Barbara Sittinger sprach darüber mit Evgenij Mrinski, Geschäftsführer der Synagogengemeinde Saar.

Herr Mrinski, wie haben Sie die letzten 14 Tage seit dem Angriff der radikalislamischen Terrororganisation Hamas auf Israel erlebt? Persönlich und in Ihrer Gemeinde?
Wir befinden uns im Schockzustand. Es gibt kaum ein Gemeindemitglied, das nicht Verwandte in Israel hätte. Alle sind erschüttert. Die Terrororganisation Hamas hat Israel heimtückisch, blasphemisch (an Simchat Tora, Feiertag der Freude) und feige überfallen, mehr als tausend Zivilisten ermordet, Hunderte verschleppt. Meine Verwandten befinden sich in Haifa und sind dort mehr oder weniger in Sicherheit. Sie haben aber Angst vor einem Angriff der Hisbollah aus dem Norden. Jetzt gilt es, dem israelischen Volk zu helfen. Wir sammeln Geldspenden.

Kommen Sie überhaupt noch zur Ruhe?
Leider nein. Ich arbeite circa zwölf Stunden am Tag. Mein Handy klingelt ununterbrochen. Viele Dinge müssen organisiert werden: Sicherheit, Veranstaltungen, Spendenaufrufe, Teilnahme an Podcasts et cetera. Oft rufen Menschen an, um ihre Hilfe anzubieten. Oft rufen besorgte Eltern an und erzählen von Konflikten zwischen ihren jüdischen Kindern und muslimischen Kindern in der Schule.

Was sind die größten Sorgen und Ängste der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Saarbrücken und dem Saarland?
Dass die Gewalt gegen jüdische Einrichtungen, die in Berlin derzeit herrscht, auf Saarbrücken überschwappt. Noch sind wir davon verschont geblieben. Bislang wurden beispielsweise Plakate der jüdischen Filmtage 2023 vom Kino Achteinhalb heruntergerissen und beschmiert. Aber die Gemeinde hat noch keiner angegriffen. Gott sei Dank.

Wird Ihre Synagoge ausreichend geschützt? Fühlen Sie sich sicher?
Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Polizei steht an Gottesdiensten und anderen sozialkulturellen Veranstaltungen am Vorder- und Hintereingang der Gemeinde. Wir haben die Anzahl unserer Securitykräfte aufgestockt – von zwei auf vier. Das schlägt sich in höheren Sicherheitsausgaben nieder, aber welche Alternative haben wir? Unsere Gemeinde liegt sehr zentral. Die Polizei ist 100 Meter weiter weg, sozusagen vor der Haustür. Ich persönlich fühle mich sicher, doch bin ich stets besorgt, weil es keine Garantie dafür gibt, dass keiner unsere Gemeinde überfällt.

Ist es bei Ihnen bislang ruhig geblieben? Erfahren Sie Zuspruch und Solidaritätsbekundungen aus der Politik und der Bevölkerung?
Bislang ist es ruhig geblieben. Wir erfahren großen Zuspruch von der Bevölkerung. Beim Schweige- und Solidaritätsmarsch am 10. Oktober haben mehr als 1.000 Menschen teilgenommen. Es rührt uns sehr, dass sich so viele mit dem israelischen Staat und Volk solidarisieren.

Sie sind die einzige jüdische Gemeinde im Saarland. Wie groß ist Ihre Gemeinde?
Wir sind von ehemals 26 jüdischen Gemeinden im Saarland, die vor dem Zweiten Weltkrieg existierten, nunmehr die einzig verbliebene. Wir haben knapp 780 Mitglieder.

Spenden

Die Synagogengemeinde Saar sammelt Spenden für die Opfer In Israel. Spendenkonto: Synagogengemeinde Saar bei der Sparkasse Saarbrücken unter der IBAN DE69 5905 0101 0067 1079 38. Verwendungszweck: Spende Israel.

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