Kommentar
Situation bei der Bahn: Nur noch ein Wahnwitz
Ach, wie gut, dass es jeder weiß – wieder mal ist nichts los aufm Gleis. Dieser witzige Spruch dürfte vielen Kunden der Deutschen Bahn seit Mittwoch im Kopf rumgeistern. Witzig ist an der ganzen Sache aber nichts mehr. Für alle, die darauf angewiesen sind, dass die Züge pünktlich und verlässlich kommen, sind die Lokführer-Streiks der reinste Wahnwitz. Die Streiks, zu denen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zwischen Mittwoch und Freitag aufgerufen hatte und die laut Bahn rund 80 Prozent ihres Verkehrs lahmlegten, sind ein Unding.
Und zwar aus drei Gründen: Erstens fanden auch schon Streiks vor drei Wochen im Dezember statt. Auch damals war es die Lokführer-Gewerkschaft, die Millionen Menschen vor massive Probleme stellte.
Zweitens ist der Notfahrplan, den die Bahn auf ihrer Homepage und ihrer App anpries, für die Tonne. Denn der Plan war in diesen drei Tagen voller Fahrten, die ganz kurzfristig abgesagt wurden. Weil am Mittwochmorgen die RB (Regionalbahn) 68 von Saarbrücken nach Zweibrücken wegen der Streiks nur teilweise fuhr, wollte ich mit der RB 71 über Homburg fahren, und dann mit dem Bus zur Arbeit nach Zweibrücken. Eine nette Schaffnerin schaute am Dienstagabend nach und versicherte mir, dass die Züge über Homburg fahren würden. Also war ich am Mittwochmorgen eine halbe Stunde früher am St. Ingberter Bahnhof, um besagten Zug nach Homburg zu nehmen. Die am Gleis angezeigte Abfahrtszeit verstrich. Dann kam eine Durchsage: Die Verbindung komme 25 Minuten später. Grund seien die „Streikauswirkungen“. Aus den 25 Minuten wurden 30. Um mich herum standen lauter Leute, die vor Kälte zitterten, bewegten sich die Temperaturen doch um die minus fünf Grad. Da fragt man sich: Ist man im falschen Film?
Drittens sind die Streiks unfair gegenüber den Millionen Kunden, die jeden Monat fürs 49-Euro-Ticket bezahlen. Für die Streiktage müsste man das Geld anteilig zurückbekommen, da man das Bahnangebot auch nur zu 20 Prozent nutzen kann. Wenn sich dann noch die wenigen fahrenden Züge extrem verspäten, hat man den Eindruck, ihre Kunden wären der Bahn völlig egal. Die Bahn sollte sich für ihre schlechte Organisation schämen. Der „Service“ ist längst keiner mehr. Nur noch ein Unding.