Coronavirus
Saarland: Zwangsferien, Grenzkontrollen und leere Veranstaltungshallen
Die Homburger Unikliniken lassen Besucher täglich nur noch von 16 bis 18 Uhr ein – und zwar jeweils nur einen einzigen Besucher pro Patient. Planbare Operationen und Klinik-Aufnahmen werden ab Montag auf unbestimmte Zeit verschoben und ausgesetzt. Im Rathaus sollen die gewohnten Öffnungszeiten beibehalten werden, Bürger müssen aber mit längeren Wartezeiten rechnen. Sie werden am Haupteingang in Empfang genommen. Alle Rathaus-Nebeneingänge sind geschlossen. Keinen Zutritt gibt es bis auf Weiteres in Schlossberghöhlen und Römermuseum, Bücherei, Tourist-Info, Stadtbusbüro, Musikschule, Stadtarchiv, Saalbau mit Galerie und Kleiderkammer.
In kommunalen Hallen geht nichts mehr
Im Saarpfalz-Kreis, so Landrat Theophil Gallo (SPD) am 13. März, sind bis zum Ende der Osterferien „grundsätzlich alle kommunalen Veranstaltungen“ abgesagt. Ebenso alle Vorstellungen, die in kommunalen Räumen und Hallen geplant waren, unabhängig von der Teilnehmerzahl. Privaten Veranstaltern rät Gallo „eindringlich“, es genauso zu halten. Ab Montag, 16. März, schließt die Kreisverwaltung bis auf Weiteres täglich schon um 16 statt 18 Uhr. Es gibt Einlasskontrollen. Kreistags-, Stadtrats- und Gemeinderatssitzungen finden aber weiter statt. Deren Häufigkeit und Dauer seien „der besonderen Lage anzupassen“. Vereinen im Kreis wird geraten, Mitglieder- und Hauptversammlungen zu verschieben.
Fieberkontrollen an der Grenze
Seit Donnerstagabend, 12. März, halten Beamte der Bundespolizei-Inspektion Bexbach mit Fieber-Messgeräten Wache am Saarbrücker Autobahn-Grenzübergang „Goldene Bremm“ sowie bei Perl an der Grenze nach Luxemburg und am Saarbrücker Hauptbahnhof. Wie ihr Sprecher Karsten Eberhardt sagte, werden Ankömmlinge aus dem Ausland kontrolliert. „Wenn wir bei den Leuten zweifelsfreie Grippesymptome feststellen, rufen wir beim Saarbrücker Gesundheitsamt an. Die schicken dann Ärzte raus, die die Personen rausholen, wenn’s nötig ist.“ Bis jetzt sei dieser Fall aber noch nicht eingetreten. Personelle Verstärkung gibt es durch Kollegen von der Bundes-Bereitschaftspolizei.
„Abitur im Saarland wird sichergestellt“
Ab Montag, 16. März, bleiben im Saarland sämtliche Schulen und Kindergärten geschlossen. Diese Regelung gilt zunächst sechs Wochen lang, also bis zum Ende der Osterferien am 26. April. Wie die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Freitag in Saarbrücken erläuterte, werde im Saarland der Erwerb aller Schulabschlüsse wie Abitur, Mittlere Reife und Hauptschulabschluss „wie geplant vorbereitet“ und sei „sichergestellt“. Jetzt sei man dabei, Nachholtermine für die Prüfungen festzulegen. Streichert-Clivot: „Keinem Schüler oder Auszubildenden soll durch diese Ausnahmesituation ein Nachteil entstehen.“ Geprüft werde nun noch, wie eine zumindest „begrenzte Notbetreuung von Kindern“ zu organisieren ist.
Am Freitag, 13. März, dem vorerst letzten Unterrichtstag, wurden die saarländischen Schüler aufgefordert, all ihre Schulbücher und Hefte mit nach Hause zu nahmen. Ihre Lehrer sind nach Aussage der Ministerin „weiterhin voll zum Dienst verpflichtet“. Die Pädagogen sollen „Lernangebote ermöglichen, die ohne persönliche Kontakte vermittelt werden“ – etwa via Computerbildschirm. Landesweit soll dieses Thema in Dienstbesprechungen mit den Lehrern ebenso besprochen werden wie die Frage, wie die anstehenden Abitur- und anderen Abschlussprüfungen praktisch organisiert werden können.
Öffentliche Gebäude wie Rathäuser oder Gerichte sollen im Saarland vorerst offenbleiben. Allein schon deshalb, um dort die vielen Bürgeranfragen beantworten zu können. Solche Fragen sollen aber möglichst am Telefon oder per E-Mail gestellt werden.
Kinos und Bordelle schließen?
Nach Aussage der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) sind die Saarland-Spielbanken in Saarbrücken und Perl-Nennig jetzt ebenfalls geschlossen: Denn dort gebe es erfahrungsgemäß viele Gäste aus der französischen Region Grand Est, die als Corona-Riosikogebiet eingestuft wurde. Auch viele große Sparkassenfilialen machen dicht. Jetzt prüfe die Regierung, ob auch der Betrieb von Kinos, Discos und Clubs sowie Tanzveranstaltungen untersagt werden soll. „Wir müssen aber auch über das Prostitutionsgewerbe nachdenken“, bemerkte die Ministerin: „Wir sind jetzt in der Abwägung, ob dort eine Schließung vertretbar ist.“
Alte Kliniken wieder aufmachen
Das Saarland hat zusätzliche Notfallausrüstung, Schutzkleidung, Beatmungsgeräte und Desinfektionsmittel bestellt, sagte Bachmann und rief die Bevölkerung zum Blutspenden auf. Die Kliniken im Land sollen planbare Operationen möglichst absetzen, um Kapazitäten freizuhalten. Besuchszeiten werden eingeschränkt. Mit der Trägergesellschaft CTT, die im Juni ihr Krankenhauses in Lebach schließen wollte, werde jetzt über ein mehrmonatiges Offenhalten des Hauses verhandelt. „Wir wollen auch bereits geschlossene Krankenhäuser im Land wieder aufmachen können, wenn wir das brauchen“, verwies Monika Bachmann auf ehemalige Kliniken wie Brebach, Wadern und Dillingen.