Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Polizeichef Reiner Hartz verrät, wie sicher Homburg ist

Reiner Hartz trägt als neuer Leiter der Homburger Polizeiinspektion die Verantwortung für den gesamten Saarpfalz-Kreis. Bei sein
Reiner Hartz trägt als neuer Leiter der Homburger Polizeiinspektion die Verantwortung für den gesamten Saarpfalz-Kreis. Bei seiner Arbeit gibt es eine Sache, die ihm besonders viel Kopfzerbrechen bereitet.

Beruflich gab es für ihn immer nur eine Option: Die Polizeiarbeit. Nun trägt Reiner Hartz (55), der neue Leiter der Homburger Polizeiinspektion, Verantwortung für knapp 150 Polizisten. Was macht den Beruf für ihn so interessant? Reiner Hartz erzählt, wie ihn Fernsehkrimis beeinflusst haben. Und, wie sicher Homburg ist.

Reiner Hartz hat die Nachfolge von Alexandra Besse als Leiter der Polizeiinspektion (PI) Homburg angetreten. Wer ist der Neue, der fast für den gesamten Saarpfalzkreis Verantwortung trägt?

Reiner Hartz kennt Homburg. Homburg kennt Reiner Hartz. Denn der Mandelbachtaler leistet innerhalb seiner 30 Jahre Berufsleben schon zum dritten Mal in der Saarpfalzmetropole Dienst. „Ich war im Rahmen meines Praktikums während der Fachhochschule zum ersten Mal hier. Das war 1993 und ’94. 2011 bis 2013 war ich Dienstgruppenleiter. 2019 hat mich mein Berufsweg erneut hierhergeführt. Zuerst als stellvertretender PI-Leiter“, erzählt der Polizeirat.

Seitdem seiner Vorgängerin Alexandra Besse in Saarbrücken neue Aufgaben anvertraut wurden, trägt er nun die Verantwortung für knapp 150 Homburger Polizisten, die nahezu für den ganzen Saarpfalzkreis zuständig sind. Hiervon ausgenommen ist lediglich St. Ingbert. Welche Formen von Kriminalität bereiten dem neuen PI-Leiter eigentlich besonders viel Kopfzerbrechen?

Die virtuelle Kriminalität hat zugenommen

Allgemein haben die Internetkriminalität und Betrügereien am Telefon zugenommen, warnt Hartz. Einstige Langfinger hätten begriffen, dass ihr Risiko, ertappt zu werden, im Internet wesentlich kleiner ist, als beim Wohnungseinbruch oder Taschendiebstahl. Denn „der Internetbetrüger muss nicht auf die Straße. Es besteht für ihn kein Risiko, in direkten Kontakt mit seinem Opfer oder mit der Polizei zu geraten“, erzählt Hartz.

Trotzdem hätten Fahndungserfolge auch in diesem Bereich der Kriminalität zugenommen. Weil der Austausch mit Polizeibehörden, auch im Ausland, besser und schneller geworden ist. Und weil die Ermittler in Sachen Technik aufgerüstet haben.

Wovor muss man sich in der virtuellen Welt vor allem schützen? Hartz erzählt: „Es werden wahllos Bürger angerufen. Nach einem Muster, das nicht nachvollziehbar ist. Das betrifft Leute, die im Telefonbuch stehen, wie Leute, die nicht im Telefonbuch stehen. Da geht es zum Beispiel um Enkeltricks. Mittlerweile gibt es aber auch vergleichbare Whatsapp-Betrügereien. Da wird behauptet, dass das Kind oder der Enkel sein Handy verloren hat, und man bräuchte nun dringend 1000 oder 1500 Euro. Die Gutgläubigen überweisen dann das Geld an ein vermeintliches Kind. Hauptsächlich ältere Mitbürger sind hier die Geschädigten. Diese Straftaten nehmen ganz deutlich zu. Täglich. Obwohl wir das Problem ständig in der Öffentlichkeit kommunizieren. Wir kommunizieren auch immer wieder, dass die Polizei oder die Staatsanwaltschaft niemals Bargeld, Gold oder Wertgegenstände vom Bürger haben will.“

Die Sicherheit im Straßenverkehr ist ihm wichtig

In der nichtvirtuellen Homburger Welt ist hingegen die Sicherheit im Straßenverkehr ein wichtiges Thema für Hartz. „Ansonsten haben wir hier keine Schwerpunkte, bei denen ich sagen würde, daran erkenne ich Homburg. Straftaten gibt es natürlich überall. Nach Kriminalstatistik ist Homburg aber eher eine sichere Stadt. Der kriminalistische Schwerpunkt im Saarland liegt eindeutig im Regionalverband Saarbrücken und dort in der Innenstadt.“

Warum er nur eine einzige Bewerbung schrieb

Für den neuen Leiter der PI gab es übrigens schon nach der Schule beruflich nur eine Option: die Polizeiarbeit. „Ich habe damals eine einzige Bewerbung geschrieben. Ich hatte keinen Plan B. Wenn das damals nicht funktioniert hätte, hätte ich es ein Jahr später wieder bei der Polizei probiert.“ Auch das Fernsehen hat dazu seinen Teil beigetragen, gibt der Vater einer Tochter schmunzelnd zu.

Welche Fernsehkommissare beeindruckten Hartz damals? Kann er nach fast 30 Berufsjahren überhaupt noch entspannt am Sonntagabend einen „Tatort“ anschauen? „Ich schaue schon noch Tatort. Aber nicht mehr, so wie früher, jeden. Die beiden Münsteraner zum Beispiel. Da geht es aber mit Humor in eine andere Richtung. Zuletzt habe ich die Stuttgarter Kommissare gesehen. Den Richy Müller als Lannert und den Felix Klare als Bootz. Die Geschichten dazu finde ich auch gut. Als Kind habe ich ’Derrick’ und ’Der Alte’ geschaut. Und ’Schimanski’. Wegen ’Schimanski’ bin ich sogar ins Kino gegangen. Das neue Saarbrücker Team finde ich auch gut. Ich finde es interessant, dass deren Hintergrundgeschichte über mehrere Filme hinweg läuft. Diese Lebensgeschichte der beiden, die eventuell durch ein Verbrechen verwoben ist.“

Nun ist Hartz mitten im Berufsleben. Wie ist sein persönliches, echtes Bild von der Polizeiarbeit? „Heute muss ich sagen: Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Man lernt viele Leute kennen. Man kann helfen. Es ist ein spannender Beruf und ein schöner Beruf. Man arbeitet in einem Team zusammen. Man hat sehr viele Erfolgserlebnisse.“

Doch neben den Erfolgserlebnissen gibt es einen zunehmenden Trend zur Respektlosigkeit. Nicht nur Polizisten müssen sich im Dienst zu oft mit Beschimpfungen und Pöbeleien auseinandersetzen.

Sein Mittel gegen Extremsituationen

„Gewalt ist ja nicht nur auf die Polizei begrenzt. Mittlerweile erleben wir ja, dass auch Feuerwehrleute beschimpft werden. Oder Sanitäter und Notärzte. Bei der Polizei ist das aber schon viel länger ein Thema. Die Polizei, darüber muss man sich vorher bewusst werden, ist halt nicht immer der Überbringer der guten Nachricht. Nicht jeder Bürger ist von unserer Arbeit begeistert, wenn man ihn festnimmt und einer Straftat beschuldigt. Natürlich ist Gewalt gegenüber Polizeibeamten oder Einsatzkräften ein nicht zu tolerierendes Thema. Ich glaube aber, dass man damit klarkommen kann, wenn man sich dessen bewusst ist. Und sich die Gefahr des Berufs immer wieder bewusstmacht.“

Um selbst Abstand von solchen Erlebnissen und vom Berufsalltag zu gewinnen, hat der 55-Jährige seine eigenen Konzepte: „Ich treibe Sport, fahre Fahrrad, fahre Ski, beschäftige mich im Garten und reise gerne. Ich habe offensichtlich einen guten Weg gefunden, mich davon nicht beeinflussen zu lassen.“

Extremsituationen, die ihn bis heute beschäftigen, habe es beim Familienvater aber auch gegeben. „Das sind Ereignisse, die jetzt keine schlimmen Spuren bei mir hinterlassen haben. Die vergisst man aber nicht. Um damit umgehen zu können, muss man einen Weg finden.“

x