Saarland RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei ermittelt immer häufiger wegen Kinderpornografie

Viele Hinweise auf Kinderpornografie bekommt die saarländische Polizei aus den USA.
Viele Hinweise auf Kinderpornografie bekommt die saarländische Polizei aus den USA.

Seit Anfang vergangenen Jahres gibt es beim Landespolizeipräsidium Saarbrücken ein Dezernat, welches sich vor allem um Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornografie kümmert. Die ersten Resultate sind nun bekannt - mit düsteren Aussichten.

Die sogenannte Ermittlungsgruppe „Halde“ bearbeitete im vergangenen Jahr mehr als 800 Strafverfahren, in dem es um Kindesmissbrauch und Pornografie ging. Fast 300 mal wurden Häuser und Wohnungen durchsucht, um belastende Datenträger sicherzustellen. Haftbefehle wegen Besitzes oder Verbreitung von Kinderpornografie konnten bis dato jedoch nicht erwirkt werden. In Zusammenarbeit mit der rheinland-pfälzischen Polizei wurde jedoch in Homburg ein Haftbefehl wegen Kindesmissbrauchs gegen ein Ehepaar erwirkt. Das Opfer, so die Polizei, war fünf Jahre alt.

Der saarländische Innenminister Klaus Boullion nennt, dass bereits 29 saarländische Kinder als Geschädigte identifiziert werden und somit weitere Straftaten verhindert werden konnten. „Wir werden weiterhin alles dafür tun, um Missbrauchsfälle zum Nachteil von Kindern aufzuklären, um die Schwächsten unserer Gesellschaft vor körperlicher, seelischer oder sexualisierter Gewalt zu schützen“, fügt der Innenminister an.

Die Polizisten, so der Bericht des Landespolizeipräsidium, die der Ermittlungsgruppe „Halde“ angehören, kümmern sich einerseits um Fälle mit Kinderpornografie, andererseits um sogenannte NCMEC-Verfahren. NCMEC steht für „National Center for Missing and Exploited Children“ (zu deutsch: nationales Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder). Aufgrund des US-Gesetzes seien Internet-Provider verpflichtet, strafrechtlich relevante Sachverhalte an die halbstaatliche Organisation NCMEC zu melden. Auch Privatpersonen können dort Anzeigen aufgeben. Die NCMEC leitet die Vorgänge dann an die jeweiligen Behörden im Ausland weiter, sogar tagesaktuell an das Bundeskriminalamt. Für das Saarland wurden im Jahr 2021 462 solcher Vorgänge gemeldet, das sind zwischen sechs bis sieben pro Woche. Laut Schätzung des BKA ist die Tendenz steigend.

Im laufenden Jahr ist die Prognose an Missbrauchsfällen bereits überschritten. Bis 23. März verzeichnete die Ermittlungsgruppe 100 NCMEC- und etwa 200 Kinderpornografie-Verfahren. Es wurden bereits 65 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt, dabei wurden 80 Aufträge an externe IT-Gutachter gegeben, um Computer, Festplatten und Co. zu untersuchen. „Die Auswertungen haben ergeben, dass die sichergestellten Datenträger in hoher Anzahl schwere Missbrauchsszenen beinhalten. Dies deutet auf ein hohes Interesse an Kinderpornografie hin“, so der Bericht des Landespolizeipräsidiums.

Bouillon unterstütz die Arbeit der Ermittlungsgruppe: „Kinder sollten unversehrt und frei aufwachsen können. Deshalb ist es umso wichtiger, Straftaten zum Nachteil von Kindern zielgerecht und effektiv zu bekämpfen“.

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