Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Fachoberschule: Direkt nach der Realschule zur Polizei

Die FOS Polizei kann man momentan in Saarbrücken oder Lebach besuchen. Haben die Schüler nach zwei Jahren den Abschluss in der T
Die FOS Polizei kann man momentan in Saarbrücken oder Lebach besuchen. Haben die Schüler nach zwei Jahren den Abschluss in der Tasche, haben sie auch einen Studienplatz für den gehobenen Polizeivollzugsdienst sicher.

Es müssen mehr Nachwuchs-Polizisten her. Das hat das Saarland längst erkannt – und jetzt darauf reagiert. Mit einem eigenen Schulfach. Es gibt aber auch Kritik.

„Fachoberschule Wirtschaft – Fachrichtung Polizei“ (kurz: FOS Polizei) heißt der neue Bildungsgang, der im Spätsommer ab dem kommenden Schuljahr startet. Die Polizei-Schüler, die für die FOS Polizei einen Realschulabschluss oder die Versetzung in die zehnte Klasse im Gymnasium brauchen, besuchen erst mal ganz üblich die Klassen elf und zwölf. Der Unterricht ist eben nur rein auf den Polizeiberuf zugeschnitten.

Der Vorteil der FOS Polizei: Die Bewerber brauchen lediglich einen Realschulabschluss – bisher kamen die Polizeianwärter meistens mit Abitur oder dem Fachabitur.

Durch Theorie und Praxis realistische Vorstellung von Polizeiarbeit bekommen

In der elften Klasse erwartet die Schüler drei Tage Unterricht in der Woche, die mit zwei Tagen Praktikum ergänzt werden. Während der Ferien stehen – neben sechs Wochen Urlaub – dann wieder jeweils fünf Tage Praktikum an. In der zwölften Klasse muss man volle fünf Tage pro Woche die Schulbank drücken.

In den zwei Schuljahren werden praktische und theoretische Grundlagen des Polizeialltags vermittelt. So können sich die Schüler perfekt auf den Polizeiberuf vorbereiten – verspricht die Polizei. Sie sollen „eine realistische Vorstellung“ davon bekommen, was sie im Berufsalltag erwartet, sagt die saarländische Polizei. Das hat den Vorteil, dass die angehenden Gesetzeshüter schon früher als bei der eigentlichen Polizeiausbildung merken, ob das etwas für sie ist. Zudem erfolgt eine Vorbereitung auf das Studium an der Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes. Der Clou: Schaffen die Schüler den Abschluss, haben sie auf jeden Fall einen Studienplatz an der Fachhochschule für Verwaltung für den gehobenen Polizeivollzugsdienst sicher.

Einblick in Ermittlungsakten, Reise durch verschiedene Dienststellen

Welche Fächer die Schüler genau erwartet, steht noch nicht fest. Die Feinheiten seien momentan beim Innenministerium in Planung. „Die schrauben gerade mit dem Bildungsministerium den Lehrplan zusammen“, erzählt Falk Hasenberg, Pressesprecher beim Landespolizeipräsidium in Saarbrücken im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es wird natürlich polizeispezifische Fächer geben, damit die zukünftigen Kollegen schon einen gewissen Background kriegen und ein paar Hintergrundinfos haben.“

Und wie sieht es mit dem praktischen Teil aus? Die FOS soll den Schülern einen Einblick in die Polizeiarbeit geben. Dazu gehören „erste Blicke in Ermittlungsakten, und dass die Schüler die Möglichkeit haben, in Polizeiservice-Stellen auf den Dienststellen Kollegen zuarbeiten zu können“, erklärt Hasenberg. Die Schüler würden laut dem Pressesprecher durch die verschiedenen Dienststellen geleitet. „Damit sie auch schon eine Idee kriegen, in welche Richtung das dann für sie beruflich gehen könnte.“ Die Idee ist klar: Das, was die Polizeianwärter erst im ersten Studienjahr oder in Praktika lernen würden, haben sie schon im besten Fall durch die FOS Polizei drauf.

Die FOS Polizei kann man in Saarbrücken oder Lebach machen

Ein paar Voraussetzungen muss man allerdings erfüllen: Bewerber müssen die Zusage für die Ausbildung beim Landespolizeipräsidium vorweisen. Im früheren Zeugnis braucht man in Sport mindestens eine Zwei, in Deutsch mindestens eine Drei. Wenn man diese Voraussetzungen erfüllt, wird man zum Vorstellungsgespräch eingeladen, bekommt Fragen zur Gesundheit gestellt und muss zum Polizeiarzt.

Die FOS Polizei kann man an zwei Schulen machen: Entweder an den Günter Wöhe Schulen für Wirtschaft in Saarbrücken, oder im Lebacher Berufsbildungszentrum.

Jost: „Mehr junge Menschen für die Polizeiarbeit begeistern“

Auf die Beine gestellt hat das Ganze das Innenministerium in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Kultur. Innenminister Reinhold Jost sagt, die FOS Polizei sei „der richtige Weg, weil wir mehr junge Menschen für die Polizeiarbeit begeistern“. Die saarländische Polizei erhalte durch das Schulfach einen wichtigen Zuwachs. „Damit stellen wir jetzt die Weichen für eine sichere Zukunft“, meint Jost.

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot sagt: „Mit dem neuen Bildungsgang eröffnen wir jungen Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss Möglichkeiten, die es bisher nicht gab.“ Zumindest im Saarland – in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen gibt es schon ähnliche Schulformen.

Maaß: „Dadurch wird der Bewerbermangel nicht beseitigt“

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt das Projekt. Es gebe jungen Menschen schon frühzeitig die Möglichkeit, eine Ausbildungsperspektive in der Polizei zu erhalten. David Maaß, Landesvorsitzender der Gewerkschaft, sieht in der Schulform aber kein Wundermittel: „Klar ist aber auch, dass der Bewerbermangel bei der saarländischen Polizei hierdurch nicht beseitigt werden wird“, sagt Maaß.

Stattdessen erwartet er, dass die Rahmenbedingungen des Berufs verbessert werden – das sei Aufgabe der Politik. „Mehr Personal, eine bessere Bezahlung, geringere Belastungen ist nämlich der einzig funktionierende Weg, über den die Anzahl der Bewerbungen wieder steigen wird“, betont der Landesvorsitzende.

Info

Bewerben kann man sich zwischen dem 23. Januar und 3. März 2023 nur online unter interamt.de

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