Saarbrücken
Millionenbetrug: 29-Jähriger vor Gericht
Vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Saarbrücken begann am Dienstag, 2. Mai, der Prozess gegen einen 29-Jährigen. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Bandenbetruges in Millionenhöhe. Er soll laut Anklage mit drei weiteren mutmaßlichen Komplizen über mehrere Online-Plattformen aus Bulgarien, dem Kosovo und Tschechien zwischen Mai 2016 und Januar 2019 „, gezielt und serienmäßig“ über 1086 Anleger in Deutschland um mehr als 38 Millionen Euro und 95.000 US-Dollar und in Österreich 67 gutgläubige Anleger um mehr als 3 Millionen Euro erleichtert haben. Bei diesen Betrügereien soll der Angeklagte 1,2 Millionen Euro erlangt haben.
Der 29-Jährige saß von August 2019 ein Jahr in Auslieferungshaft im Kosovo und seit September 2020 in Saarbrücken in Untersuchungshaft. Der „Kopf und Initiator der Gruppierung“ war ein in der Untersuchungshaft in Saarbrücken verstorbener mutmaßlicher Komplize. Zwei weitere mutmaßliche Komplizen warten noch auf ihren Prozess.
Staatsanwältin: Vertrauen „auf perfide Weise“ aufgebaut
Die Anleger seien„durch aus einen sich als Broker ausgebenden aus einem Callcenter operierenden Callcenter-Agenten“ telefonisch oder über E-Mail kontaktiert worden. Ihnen wurden „höhere Gewinne bei weiteren Überweisungen auf ausländische Konten in Aussicht gestellt, oder zur Freigabe der Abbuchungen zusätzlicher Beiträge in den Kreditkartenkonten verleitet“. Im Schnitt seien pro Anleger 35.000 Euro auf diese Weise angelegt worden. In einem Fall soll ein Opfer sogar um fünf Millionen Euro geprellt worden sein. In den professionell organisierten Büros der Callcenter hätten zum Teil über 100, zusammen mindestens 435 Mitarbeiter, gearbeitet. Die sogenannten „Callcenter-Agenten“ wurden regelmäßig beschult, um „auf perfide Weise“, so die Staatsanwältin, eine persönliche und vertrauensvolle Beziehung zu den Anlegern aufzubauen, die sich immer wieder zu Einzahlen hinreißen ließen.
Der 29-jährige Angeklagte sei als formeller und taktischer Geschäftsführer für die Callcenter eingetragen gewesen. Er sei für die Organisation und Leitung dieser Callcenter zuständig, soll die durch die Täter betriebenen betrügerisch ausgerichteten Cybertrading-Plattformen geleitet haben. Die Gruppierung operierte in mehr als 100 Staaten der Welt. Für seine Tätigkeit im operativen Geschäft habe er nicht nur ein monatliches Festgehalt, sondern auch regelmäßig Boni in erheblichen Umfang erhalten. Für den jungen Familienvater steht viel auf dem Spiel. Zehneinhalb Jahre Haft wären laut Vorsitzenden Richter das Maß bei einem Geständnis. Das lehnte Verteidiger Walter Teusch ab. Der Prozess ist bis September terminiert.