Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Mick Jaggers Bruder war schon da: Betreiber von bekannter Musikkneipe wollen aufhören

Die beiden Betreiber der Musikkneipe Mandy’s Lounge: Mandy und ihr Mann Michael Trautmann. Nächstes Jahr wollen sie aufhören.
Die beiden Betreiber der Musikkneipe Mandy’s Lounge: Mandy und ihr Mann Michael Trautmann. Nächstes Jahr wollen sie aufhören.

Seit 14 Jahren verbindet Mandy’s Lounge Kneipenatmosphäre mit Livemusik. Bald möchten die Besitzer Schluss machen. Sie suchen nach einem Nachfolger.

Stolz blickt Mandy Trautmann im Nebenraum der Homburger Musikkneipe Mandy’s Lounge auf die große Bildergalerie von Musikern, die bereits für Konzerte zu Besuch waren. Seit 14 Jahren ist die Kneipe, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael betreibt, eine der wenigen im Saarland mit einem breiten Angebot an Livemusik. Von Jazz bis Rock deckt sie mit rund 100 Konzerten pro Jahr nahezu jeden Geschmack ab.

Mit Chris Jagger, dem jüngeren Bruder von Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger oder der bekannten australischen Sängerin Toby Beard fanden so schon zahlreiche Größen ihren Weg nach Homburg. Nach 15 Jahren soll im Spätsommer nächsten Jahres aber Schluss sein. Mit der RHEINPFALZ haben die beiden über die Gründe und ihre Anfänge gesprochen.

Von Wales nach Neunkirchen

„Ich fand das Kneipenleben im Saarland ein bisschen freundlicher, nicht so anonym. Einfach geselliger“, sagt Mandy Trautmann. Als sie vor rund 40 Jahren nach einer Gastronomieausbildung in Wales durch Europa reiste, sei sie daher in Neunkirchen hängen geblieben. „Mein Vater war in der Royal Army und ich bin in Deutschland in einem britischen Militärkrankenhaus geboren“, erzählt die Schottin. Nachdem sie ihre Kindheit aufgrund des Jobs ihres Vaters an verschiedenen Orten verbrachte, fand sie im Saarland schlussendlich ihre Heimat.

Bevor sie sich vor rund 14 Jahren mit Mandy’s Lounge den Traum von ihrer eigenen Kneipe verwirklichte, arbeitete sie jahrelang in Neunkirchen. „An jeder Ecke gab's dort eine Kneipe“, erzählt sie. Neunkirchen sei eine florierende Musikszene gewesen. Irgendwann, als ihre Kinder groß waren, sei gemeinsam mit ihrem Mann der Wunsch gereift, so etwas in Homburg wiederzubeleben. Das Schaffen einer familiären Atmosphäre, in der man auch als Frau allein vorbeikommen könne, sei ihr dabei besonders wichtig gewesen. Das gelinge nur, wenn die Wirtin und der Wirt selbst vor Ort seien, erklärt sie. Bis heute hätten sie und ihr Mann deshalb keine Angestellten.

Australische Sängerin auf Durchreise

„Es gibt Menschen, die kommen nicht, wenn Livemusik ist. Es gibt Menschen, die kommen nur, wenn Livemusik ist“, erzählt Michael Trautmann, der aus Bexbach stammt und seine Frau neben seinem Vollzeitjob im Personal-Controlling in der Kneipe unterstützt. Mit dem Thekenbetrieb und den rund 100 Live-Events jedes Jahr spreche man daher verschiedene Stammklientel an. Dass die Events einen derartigen Umfang annahmen und sie inzwischen 500 bis 600 Anfragen pro Jahre erhalten, sei aber eher einem Zufall geschuldet.

Im Jahr 2014 habe sich ein Agent aus Holland gemeldet, der nach einem Zwischenstopp für die Künstlerin Toby Beard und ihre Band suchte, die gerade auf Tour waren. „Tolle Band, falscher Laden“, sei die erste Antwort gewesen, erinnert sich Michael Trautmann an seine Antwort damals. Auf den Videos der Band war zu sehen, dass stets mehr als 1000 Zuschauer im zu ihren Konzerten kamen – während in Mandy’s Lounge aber nur rund 100 Gäste Platz fänden.

Keine leichte Entscheidung

Am Ende habe der Agent Trautmann aber überzeugt und der Besuch wurde zur Erfolgsgeschichte. Schon in der Pause ihres ersten Auftritts in der Homburger Musikkneipe in der Kirrberger Straße habe die Sängerin ihren Agenten beauftragt, einen weiteren Auftritt fürs nächste Jahr zu planen. Ähnlich wie für viele andere Künstler sei der kleine Rahmen und besondere Charme der Kneipe etwas Besonderes für sie gewesen. Bis heute kommt sie deshalb jedes Jahr vorbei.

Kein Wunder, dass sich Mandy und Michael Trautmann von einem potenziellen Nachfolger eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte wünschen. Die Entscheidung, sich auf die Nachfolgersuche zu begeben und die Kneipe zum 15-Jährigen im nächsten Jahr in andere Hände zu geben, sei ihnen dabei keineswegs leichtgefallen.

Aber: „Nach 15 Jahren kommt man langsam in das Alter, wo man nicht mehr so lange Nächte haben möchte“, erklärt Michael Trautmann. Eine wirtschaftliche Entscheidung sei es keineswegs gewesen, der Betrieb laufe gut. Bis spätestens Ende September 2027 wolle man nun einen Nachfolger finden und bis dahin noch möglichst viele Live-Events veranstalten.

Mandy Trautmann organisiert in ihrer Musikkneipe pro Jahr rund 100 Konzerte. In ihrer Bildergalerie haben sich einige Sänger ver
Mandy Trautmann organisiert in ihrer Musikkneipe pro Jahr rund 100 Konzerte. In ihrer Bildergalerie haben sich einige Sänger verewigt. Auch Mick Jaggers Bruder war schon da.
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