Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Mallorca-Urlauber über Chaos am Flughafen: „Wir waren in der Abflughalle gefangen“

Blick in die Abflughalle vor der Gepäckabfertigung: Im Flughafen Son Sant Joan in Mallorca müssen Erwachsene und Kinder teilweis
Blick in die Abflughalle vor der Gepäckabfertigung: Im Flughafen Son Sant Joan in Mallorca müssen Erwachsene und Kinder teilweise 30 Stunden lang ausharren. Manche schlafen auf dem Boden.

Daniel Bach wollte mit seiner Familie einen schönen Urlaub auf Mallorca verbringen. An der Rückreise aber hakte es. Er saß mit seiner Familie 30 Stunden am Flughafen auf Mallorca fest.

„Die ganze Abflughalle war voller Menschen. Die Eltern hatten für ihre kleinen Kinder keine Windeln mehr, keine Milch.“ So beschreibt Daniel Bach die Zustände am Flughafen Son Sant Joan in Mallorca, an dem er und Hunderte andere gestrandete Passagiere 30 Stunden lang ausharren mussten. Wie konnte es so weit kommen? Der Grund ihres ersten Flugausfalls am Sonntagabend waren die schweren Unwetter mit teils orkanartigen Böen, die zu dieser Zeit in Mallorca wüteten. Eigentlich sollten Bach, seine Frau und seine beiden drei- und siebenjährigen Kinder am Sonntagabend um 20.30 Uhr von Mallorca wieder zurück ins Saarland fliegen. Der Flug wurde auf den Anzeigetafeln als „verschoben“ deklariert. Nicht aber als vollständig gestrichen.

Chaos und keine Infos

„Wir haben auch eingecheckt, weil jeder gedacht hat, der Flug geht.“ An den Abflug-Gates warteten die Familie und die anderen Passagiere, die eigentlich mit der Fluggesellschaft Smartlynx hätten zurückfliegen sollen. Irgendwann sei „durchgesickert durch Telefonate mit dem Saarbrücker Flughafen, dass der Flug nicht stattfindet. Aber es gab am Flughafen keine Durchsage.“ Erst über eine Stunde nach dem geplanten Abflug sei Daniel Bach per SMS von ihrem Reiseveranstalter TUI darüber informiert worden, dass ihr Flieger an diesem Tag überhaupt nicht mehr startet. Stattdessen sollte der Ersatzflug laut SMS in der Nacht von Montag auf Dienstag um 1 Uhr gehen. Um weitere Informationen zu erhalten, sei Bach zurück in die Eingangshalle an den TUI-Schalter gegangen. TUI habe aber auf Smartlynx als zuständigen Ansprechpartner verwiesen. „Smartlynx hat in Mallorca aber keinen Ansprechpartner“, sagt Daniel Bach, der in Schmelz Inhaber einer Bauschlosserei ist.

Keine Übernachtungsmöglichkeit in Sicht

„Dass der Flug am Sonntagabend ausgefallen ist, dafür haben wir vollstes Verständnis“, sagt Daniel Bach der RHEINPFALZ, die ihn am Freitagvormittag erreicht. Da sind er und seine Familie gerade erneut auf dem Weg zum Saarbrücker Flughafen, um ihr Gepäck abzuholen. Denn das wurde bei ihrer Ersatzmaschine nicht mit aufgenommen. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Was die Familie danach erlebt hat, kann für Bach nicht sein.

Familie Bach, die vor zwei Wochen auch schon mit dreistündiger Verspätung in den Urlaub nach Mallorca gestartet ist, hat am Sonntag kein Hotel angeboten bekommen. Bach rief dann selbst bei sieben Hotels an – diese hatten aber allesamt keine freien Zimmer mehr. Er wusste von Personen, die ein Hotel bekommen hätten – aber diese seien nicht angekommen, weil wegen des Chaos keine freien Taxen mehr verfügbar gewesen waren. Stattdessen hätten sie Verzehrgutscheine im Wert von zwölf Euro für die Flughafenrestaurants bekommen. Die Restaurants waren nachts aber alle geschlossen.

Bach: „Wir hatten nichts zu essen“

Um halb zwei nachts fiel bei Familie Bach und den anderen gestrandeten Passagieren die Entscheidung: Die einzige Option sei gewesen, im Flughafen zu übernachten. „Die Kinder haben auf dem Boden oder auf Luftmatratzen geschlafen. Wir hatten nichts zu trinken und zu essen. Überall haben die Leute auf dem Boden gelegen. Die Getränkeautomaten haben nicht mehr funktioniert, weil die Leute die Stecker rausgezogen haben, damit sie ihre Handys laden konnten. Bei unserem Flug waren Kinder, die waren vier Monate alt. Es wurde sich um nichts gekümmert. Den Leuten sind die Windeln ausgegangen und die Milch. Es war schon chaotisch.“ Von Zwischenfällen habe Daniel Bach nichts mitbekommen. „Aber man hat mitbekommen, dass es an anderen Schaltern schon zu Tumulten kam.“

Smartlynx: Knappe Hotelkapazitäten, schwierige Situation

Ein Sprecher von Smartlynx sagte, die Fluggesellschaft habe versucht, die gestrandeten Passagiere zu versorgen. „Die Lage vor Ort“ sei aber „schwierig“ gewesen. Die Hotelkapazitäten in Flughafennähe seien knapp geworden, sodass nicht alle Passagiere untergebracht werden konnten. Überhaupt sei die Situation in dem Ausnahmezustand am Flughafen angespannt gewesen. Der eng getaktete Flugbetrieb sei durch das Unwetter komplett durcheinandergebracht worden. Über 56 Flüge seien gestrichen, 28 umgeleitet worden, so der Sprecher.

Auch am Montag konnten Familie Bach und die rund 180 Smartlynx-Passagiere den gesamten Tag über nicht abheben. Bei anderen Fluggesellschaften seien dann bereits wieder Flüge gegangen – nur bei Smartlynx nicht. Die Folge: Einen weiteren Tag im Flughafen verbringen. Am Montagmorgen sei eine SMS gekommen, die den Flug am Mittag gegen 15 Uhr ankündigte. Als sie am TUI-Schalter nachfragten, habe ein Mitarbeiter gesagt: „Das könnte sein, eindeutig können wir noch nichts sagen.“ Bach rief beim Saarbrücker Flughafen an. „Die sagten, wir fliegen nicht um 15 Uhr.“ Der Flieger habe morgens noch in Saarbrücken gestanden. Ein zu kurzes Zeitfenster also, um nach Mallorca zu fliegen und die Sicherheits-Check-ups durchführen zu können. „Vom Flughafen Saarbrücken haben wir die meisten Infos bekommen. In Palma haben wir gar nichts bekommen“, meint Bach.

Ein Sonderflugzeug von Lissabon brachte die gestrandeten Urlauber zurück

Dann hieß es: Der Flug geht um 20.30 Uhr, das sei sicher. In der Folge hätten wieder alle Passagiere ihr Gepäck abgegeben und seien – erst mal, ohne einen Schalter zugewiesen zu bekommen – in den Abflugbereich gegangen. Dann wieder der Rückschlag: Der Flug wurde wieder gestrichen. Gründe für die Verspätungen montags habe es während des gesamten Tages über nicht gegeben. Am Montagabend um 23.30 Uhr kam dann die gute Nachricht: Ein Sonderflugzeug von Lissabon kam nach Mallorca und flog die gestrandeten Passagiere zurück nach Deutschland.

Das Warten über 30 Stunden am Flughafen hat seine Spuren hinterlassen. „Wir waren drei Tage komplett hinüber, weil wir am Flughafen natürlich nicht geschlafen haben“, erzählt Daniel Bach. „Eigentlich müssten wir jetzt noch ein paar Tage frei haben, aber das geht halt nicht.“ Übermorgen geht für die Familie dann der Alltag wieder los.

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