Blieskastel-Webenheim
Mahnfeuer der Bauern: „Das geht uns alle an“
Zu einem Mahnfeuer gegen die Kürzungen im Agrarbereich hat der Ortsbauernverband Webenheim am Montagabend auf das Bauernfestgelände an der B 423 nach Blieskastel eingeladen. Gekommen sind statt der erwarteten 30 Teilnehmer weit über 100 Landwirte aus Webenheim, Blieskastel und dem Bliestal. Große Reden wurden dabei nicht geschwungen. Die Forderungen und Meinungen der beteiligten Bauern standen für jeden gut sichtbar auf Transparenten und Schildern. Auch auf die Reifen ihrer Traktoren hatten einige ihre Sprüche mit Kreide geschrieben, zum Beispiel: „Stirbt der Bauer, stirbt das Land“. Oder auch: „Ist der Bauer ruiniert, wird klimaschädlich importiert“, „Ohne Bauern wärt ihr hungrig, nackt und nüchtern“, „Ihr nehmt uns unsere Zukunft“, oder „Ist der Bauer unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem“.
Aus Paletten und Feuerholz entzündeten die Landwirte gegen 17 Uhr ein großes Feuer und mehrere kleine in leeren Fässern. Zudem organisierten sie Kaffee und Glühwein. „Gemeinsamer Austausch über die aktuelle Situation mit Imbiss und Getränken“ war das Motto des Mahnfeuers, und so gab es an dem Abend auch nur ein Thema bei der Veranstaltung, die friedlich und sachlich verlief.
Vor über 100 Jahren: Aus Bauernprotest entwickelte sich das bekannte Bauernfest
Zwei Webenheimer Feuerwehrleute standen auf Anordnung der Stadt Blieskastel Brandwache und packten auch bei der Versorgung mit an. Je dunkler es am Himmel wurde, desto mehr Schlepper kamen aus Richtung Bliestal und auch „von drüben“, also der anderen Bliesseite, aus Blieskastel und den dortigen Vororten gefahren, die meisten mit angeschalteten gelben Warnleuchten.
Den Platz haben die Veranstalter ganz bewusst gewählt, denn an ebenjener Stelle wurde vor mehr als 100 Jahren als Folge von Bauernprotesten das Webenheimer Bauernfest geboren. Mittlerweile hat sich das Bauernfest zum vermutlich größten saarländischen Volksfest entwickelt. Bauern im Bliestal wehrten sich am 17. Juli 1921 gegen strenge Vorschriften, die ihnen die damalige französische Ordnungsmacht auferlegt hatte. Sie tarnten ihren Protest als sogenanntes „Treffen Tausender Bauern“. Aus dieser Aktion ist das Webenheimer Bauernfest entstanden.
Mutter: „Das geht uns alle an, deshalb sind wir hier“
Doch nicht nur Bauern kamen zum Mahnfeuer, auch ganz normale Familien und Menschen, die nicht oder nur indirekt mit der Landwirtschaft zu tun haben. „Das geht uns alle an, deshalb sind wir hier“, sagte eine Frau, die mit Mann und Kind gekommen war, um die örtlichen Bauern zu unterstützen.