Saarland
Krankenhaus in Ottweiler schließt - Marienhaus strebt Verschmelzung mit St. Wendel an
Als Grund für die Schließung der Klinik mit rund 150 Betten werden wirtschaftliche Erwägungen angeführt. Für kleinere Krankenhäuser sei es immer schwieriger, halbwegs kostendeckend zu arbeiten und dabei hohe Qualitätsanforderungen nicht zu verlieren. „Dies stellt kleinere Standorte vor unlösbare Probleme“, sagte Frieling. Daher gelte es, frühzeitig zu handeln. „Wir können nicht warten, bis uns das Wasser bis zum Hals steht“, illustrierte der Pressesprecher.
Sanierungsstau und Vorgaben
Der hohe bauliche Sanierungsstau sei bereits seit langem bekannt gewesen, betont Frieling, dass die Schließung nicht überraschend kommt. Von zentraler Bedeutung seien aber auch „die massiv verschärften Vorgaben des Bundes“. Mit immer neuen Personal- und Strukturvorgaben, der Ausgliederung des Pflegebudgets oder dem MDK-Reformgesetz verfolge die Bundespolitik das Ziel, die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland massiv zu verringern, bemängelt die Unternehmensgruppe aus Waldbreitbach. Diese Entwicklung mache auch vor dem Saarland nicht Halt.
Die Marienhausklinik Ottweiler und die Marienhausklinik St. Josef Kohlhof in Neunkirchen arbeiten nach eigenen Angaben seit Jahren im Verbund Saar-Ost eng zusammen. Derzeit entwickele die Marienhaus Unternehmensgruppe ein Konzept, um die Standorte Ottweiler und St. Wendel zu einem Krankenhaus in St. Wendel zu verschmelzen. Ziel sei, die medizinische und pflegerische Versorgung auf hohem Niveau längerfristig sicherzustellen.
Konzept bis Ende März erwartet
Das Konzept, in dem auch das Medizinkonzept, die baulichen und investiven Maßnahmen sowie ein konkreter Zeitplan festgelegt werden, soll – so ist es mit dem Gesundheitsministerium vereinbart – Ende März vorliegen. Bisher seien Kosten für mögliche Umbauten am St. Wendler Klinikum mit bisher rund 250 Betten noch nicht ermittelt.
Über die Verlagerung der Angebote von Ottweiler nach St. Wendel haben die Gremien des Trägers noch nicht entschieden. Klar sei jedoch schon jetzt, dass mittelfristig alle Abteilungen umziehen werden. Neben der Anästhesie betrifft es die chirurgische Abteilung mit dem Schwerpunkt Gefäßchirurgie, die Innere Medizin mit ihrem Schwerpunkt auf Kardiologie, die Unfallchirurgie sowie die Orthopädie. Der Umzug soll voraussichtlich Ende kommenden Jahres stattfinden.
Betriebsbedingte Kündigungen werde es für die rund 350 Mitarbeiter nicht geben. „Kein Arbeitsplatz wird verloren gehen“, betont Frieling. Bereits bei der Schließung des Krankenhauses in Wadern Ende 2017 und der Verlagerung von Dillingen nach Saarlouis Mitte vergangenen Jahres habe es keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben.
Seit 1910 Kreiskrankenhaus
Das Klinikum in Ottweiler hat eine lange Tradition: Eröffnet wurde es am 1. Mai 1910 am heutigen Standort für innere Patienten und einem Anbau mit einem Operationsraum für chirurgische Patienten. Nach mehreren Erweiterungen begann 1994 eine umfassende Sanierung. 2008 übernahm die Klinikgesellschaft Marienhaus die Trägerschaft des bisherigen Kreiskrankenhauses.
Situation in Kirn weiter ungewiss
Marienhaus ist Träger von 14 Krankenhäusern mit 24 Standorten, 20 Alten- und Pflegeheimen, drei Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie zehn Hospiz- und einigen Bildungseinrichtungen. Geografische Schwerpunkte der Arbeit sind Rheinland-Pfalz und das Saarland. Insgesamt beschäftigt Marienhaus rund 13.000 Mitarbeiter.
Weiterhin ungewiss ist unterdessen die Zukunft des Kirner Krankenhauses. Die von der Stiftung Kreuznacher Diakonie getragene Klinik hatte 2018 über ein jährliches Minus von 15 Millionen Euro an allen Krankenhausstandorten berichtet. Seither geht in Kirn die Sorge um, dass die Klinik geschlossen werden könnte.