Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel „Komplett unnötig“ oder super Sache? Fußgängerzone wird größer

Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (mit Mikro) bei der Erweiterung der Fußgängerzone.
Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (mit Mikro) bei der Erweiterung der Fußgängerzone.

Die Stadt Saarbrücken hat mit der Erweiterung der Fußgängerzone rund um den St. Johanner Markt begonnen. Bei der Eröffnung am Dienstag sprach OB Uwe Conradt von einem positiven Zeichen für die ganze Stadt. Doch nicht alle sind davon begeistert.

Obertorstraße/Ecke Bleichstraße. Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) steht gemeinsam mit Bürgermeisterin Barbara Meyer (Grüne) und Baudezernent Patrick Berberich neben dem noch verhüllten Schild, das den Beginn der neuen Fußgängerzone markiert. So richtig lösen möchte sich die Verdeckung des Schildes zur allgemeinen Erheiterung der eingeladenen Gäste aber nicht. Erst mit vereinten Kräften gelingt es dem OB und der Bürgermeisterin schließlich, die Stoffabdeckung zu entfernen.

Es ist die offizielle Eröffnung der erweiterten Fußgängerzone um den St. Johanner Markt, die nun von 16.000 auf 25.000 Quadratmeter wächst. Über zwei Jahre sind laut Uwe Conradt vergangen, seitdem der Stadtrat mit seinem Beschluss den Grundstein für die Erweiterung gelegt hat. In der Folge sei das Projekt dann gemeinsam von Stadtrat, Verwaltung und Bevölkerung vorangetrieben worden. Auch wenn man es durch Corona vielleicht nicht immer problemlos durchführen konnte, habe man von Anfang an versucht, viele Anhörungen und Veranstaltungen durchzuführen, „um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen“, berichtet der OB in seiner Eröffnungsrede.

Das pulsierende Herz kann nun besser schlagen

Für Conradt ist die Innenstadt das „pulsierende Herz“, das durch die Erweiterung künftig hoffentlich „besser schlagen kann“. Das kulturelle Angebot, der Handel, das Gastroangebot – „Unsere Stadt ist lebendig“, betont er. Darüber hinaus sei die Vergrößerung der Fußgängerzone auch ein deutliches Signal nach außen. So gehe es auch darum, es den vielen Menschen, die aus dem Umland in die Saarbrücker Innenstadt kommen, so angenehm wie möglich zu machen.

Ganz besonders stolz sei er zudem, dass es besonders viele positive Rückmeldungen aus der Wirtschaft gegeben habe. Für Händler und Gastronomen seien es schwierige Zeiten. Viele hätten die Coronapandemie und die Folgen der aktuellen Preissteigerungen nicht überlebt. Durch die Erweiterung sollen nun aber genau diese Bereiche gestärkt werden „Deshalb setzten wir ein deutliches Signal, dass wir Kurs halten“, betont er.

Umbau startet im Mai, aber schon jetzt Veränderungen

Der heutige Tag markiere allerdings nur den Startschuss für einen längeren Prozess, berichtet er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Am heutigen Tag steigen wir ein in eine Phase des Umbaus und der Entstehung der Fußgängerzone“, so Conradt. In einem ersten Schritt würden daher erst die neuen Schilder aufgestellt, in den Folgetagen zudem eine dreistellige Zahl an Pollern entfernt und die Fahrradabstellanlagen neu sortiert. „Damit verschiebt sich der Fokus auf die Fußgängerinnen und Fußgänger, weg vom Auto“. In einem nächsten Schritt sollen dann die Bereiche für die Außengastronomie zur Verfügung gestellt werden, wodurch bereits ein völlig neues Bild in der Straße entstehe. Der eigentliche Umbau beginnt erst im Mai.

Gleichzeitig werde es aber auch einen Wettbewerb geben, der weitere Gestaltungselemente umfasse und das Ziel verfolge, den Bereich in den folgenden Jahren weiter aufzuwerten, erklärt er. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht. Dementsprechend seien auch die endgültigen Kosten noch nicht vollständig absehbar. Bereits für die ersten Maßnahmen, zu denen auch neue mobile Poller-Anlagen an den Eingängen gehören, handele es sich aber bereits um Kosten im niedrigen siebenstelligen Bereich, so Conradt.

„Komplett unnötig“ oder eine super Sache?

Erste Reaktion bei den lokalen Gewerbetreibenden, die von den Maßnahmen betroffen sind, fallen im Gespräch mit der RHEINPFALZ gemischt aus. So freut sich der Betriebsleiter der Bar „Plan B“, seine Gäste künftig auf einer weitaus größeren Terrasse begrüßen zu können.

Frau Hautz, die vor Ort einen kleinen Kiosk betreibt, ist hingegen ganz anderer Meinung. „Also, ich finde diese Fußgängerzone komplett unnötig“, erzählt sie. Hinzu komme zudem, dass man die Anlieger vorab nicht über die konkreten Verkehrsregelungen informiert hätte. Sie wisse daher nicht hundertprozentig, wie die Lieferanten sie nun am besten beliefern können. Darüber hinaus sei keiner der Anwohner zur Eröffnung eingeladen worden. „Wir haben, gemessen an der Einwohnerzahl schon die größte Fußgängerzone Deutschlands“, sagt sie und kritisiert, dass nur wenige von den neuen Regelungen profitieren würden.

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